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Seefeld/Mönchengladbach: „Wer nicht mitzieht, kriegt Probleme”

Seefeld/Mönchengladbach : „Wer nicht mitzieht, kriegt Probleme”

„Pascht scho” könnte das Fazit von Horst Köppel nach dem Trainingscamp in Österreich lauten. Gebremste Zufriedenheit nach acht Tagen mit Donnerschlag und Sonnenschein, nicht nur vom Wetter her.

Nach dem blamablen 1:2 gegen 1860 München erfolgte das Donnerwetter vor allem des nachgereisten Sportdirektors Peter Pander. Die ansehnliche Leistung beim 2:0 über den tschechischen Meister und Champions-League-Teilnehmer Sparta Prag heiterte die sorgenvollen Mienen der Borussen-Verantwortlichen wieder auf. „Ein Aufwärtstrend ist zu erkennen. In der zweiten Hälfte war es vom Fußballerischen her so, wie ich mir das vorstelle. Auch wenn es auch da noch Fehler gab”, urteilte Köppel.

Misstrauisch blieb auch Peter Pander. „Wir sollten das 2:0 nicht überbewerten. Wir werden die Zügel weiter anziehen.” Die Skepsis ist angebracht. Nicht nur, weil die Gladbacher in Halbzeit 1 am Samstag den Tschechen zu viele Chancen erlaubten. Die Problemfelder:

Fragezeichen-Fraktion: Sowohl Giovane Elber als auch Christian Ziege sind „unberechenbar”. Peter Pander: „Bei einem Kader von 24 Spielern haben wir zwei, mit denen wir nicht rechnen können. Sie sind zur Zeit nicht für höhere Aufgaben zu gebrauchen.” Das mag Giovane Elber gewurmt haben. Prompt schoss der eingewechselte Rekonvaleszent gegen Prag zwei Minuten nach seiner Einwechslung in echter Torjäger-Manier aus der Drehung das 2:0. „Nix verlernt”, strahlte der Brasilianer. „Es gibt eben Leute, die habens, und andere, die habens nicht. Offensichtlich habe ich das einfach im Blut.”

Immerhin gestand der Borussen-Manager seinem Sorgenkind zu: „Er ist noch nicht fit. Aber im Strafraum macht ihm keiner was vor.” Keiner kann die Fortschritte des Stürmers prognostizieren, keiner vorhersagen, ob und wie weit er unter seiner ehemaligen Klasse bleiben wird. Aber ein 80-prozentiger Elber ist womöglich in einer Situation, in der es das Team schafft, das Spiel dauerhaft nach vorn zu verlagern, mehr wert, als manch anderer Kollege mit 100 Prozent.

Doch nur drei gesunde Stürmer sind zu wenig. Ende Juli ist für Pander „die Deadline”. Dann wird er auf dem Transfermarkt reagieren.

Christian Ziege gehört ebenfalls zur Fragezeichen-Fraktion. Auf seiner Position gibt es allerdings mit Marcell Jansen, Filip Daems und Marvin Compper, der diese Woche einen Profivertrag unterzeichnen wird, genug Alternativen. Allerdings würde der Kapitän als Führungsspieler fehlen.

Defizit-Fraktion: Marek Heinz entwickelt sich neben Elber zum Dauer-Thema, was beim Prozess der Mannschaftsfindung ebenfalls kontraproduktiv. „Ich erwarte endlich, dass sich Marek zu Borussia bekennt”, fordert Peter Pander. Gegen Sparta war der wankelmütige Stürmer, Freistoßschütze zum 1:0, gut dabei. „Aber er kann nicht nur hoch motiviert sein, wenn es gegen Tschechen geht”, fordert Horst Köppel. Doch solange der sensible Tscheche keinen Klub anbringt, der eine Ablöse zahlt, bleibt der Unruhe-Zustand.

Mitglied in der Defizit-Fraktion ist auch Wesley Sonck. Der ehemalige Ajax-Kicker kann allerdings auf mangelnde Spielpraxis nach seiner Leisten-Operation verweisen. Doch Trainer Köppel will „mehr sehen”. Vorerst war Soncks Gerangel mit Thomas Broich die spektakulärste Darbietung. Der Belgier stahl gegen Sparta dem Mittelfeldspieler mit Körpereinsatz einen Freistoß und wurde dafür in der Kabine von Kapitän Ziege gerüffelt.

Abwehr: Neuzugang Zé Antonio ist weder sprachlich noch konditionell soweit, neben dem gesetzten Thomas Helveg in der Innenposition zu spielen. Dampf macht dafür auf der rechten Seite der dynamische Kasper Bögelund. Doch der Defensiv-Block ist noch nicht eingespielt.

Erschwerend kommt hinzu, dass Torhüter Nr. 1, Kasey Keller, erst eine Woche vor Saisonstart von der Nationalmannschaft zurückkehrt. „Es wird von Spiel zu Spiel besser”, glaubt Abwehrchef Helveg. „Man hat schon gegen Sparta die Fortschritte gesehen, obwohl wir vorher nur zwei, drei Tage taktisch gearbeitet haben. Wir brauchen nur mehr Spiele.”

Altlast: Schon in der letzten Saison war Borussia der Klub mit den wenigsten Torchancen. Da ist der Trainer gefragt. Die Grundausrichtung muss aktiver werden, der Gegner frühzeitiger aufgenommen werden. Dafür aber muss das Mannschaftsgefüge stimmen. Jeder muss bereit sein, die Fehler des anderen auszubügeln, was über weite Strecken der letzten Spielzeit nicht geschehen ist.

Trainer-Frage: Offensichtlich war Horst Köppel der Richtige als Anti-Advocaat. Doch jetzt sind andere Qualitäten gefragt. Nerven-Balsam reicht nicht mehr. Das weiß auch der Ex-Stürmer. Und versucht, energisch zu wirken: „Jeder muss mitziehen. Wer nicht mitzieht, kriegt Probleme.”

Es muss sich zeigen, ob die Mannschaft ihm auch diese neue Rolle als „böser Horschtl” abnimmt.

Borussias aktuelle Zwischenelf

Keller ist die Nr. 1, Melka die 2. Bögelund, Helveg und Jansen sind gesetzt. Für die vierte Verteidiger-Position hat Strasser die Nase vorn vor Zé Antonio. Im Mittelfeld sind Kluge, Broich und Oude Kamphuis erste Wahl. Bernd Thijs kommt hinzu bei defensiverer, Heinz bei offensiverer Ausrichtung. Neuville ist im Sturm unumstritten. Sverkos und Sonck rangeln um die zweite Position. Tendenz derzeit: leichtes Plus für Sverkos.