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Mönchengladbach: (Vorläufiges) Ende eines Traums

Mönchengladbach : (Vorläufiges) Ende eines Traums

Der Aufstieg und der Fall des Christian Z. - so würde ein Dramatiker womöglich die jüngste Lebensgeschichte von Christian Ziege überzeichnen. B-Jugend-Trainer, Sportdirektor, schließlich Co-Trainer - und jetzt Privatier: Der 36-Jährige zieht nun den Schlussstrich unter das Kapitel Borussia Mönchengladbach.

„Meine Beweggründe sind rein persönlicher, privater Natur. Alles andere sind wilde Spekulationen, die nicht der Wahrheit entsprechen”, ließ Ziege vorsichtshalber über Borussias Pressestelle verlauten.

Die Stichhaltigkeit der Gründe darf angezweifelt werden. Womöglich hat sich der Ex-Profi überschätzt.

Gemeinsam mit dem Kompetenz-Team hatte der damalige Sportdirektor Ziege nach dem Rauswurf von Trainer Jos Luhukay ein Konstrukt entworfen, das ihm den Weg zum erklärten Lebenstraum öffnen und gleichzeitig dem Verein die Überlebenschance in der Ersten Liga sichern sollte.

Das große Stühlerücken: Jugend- und Amateur-Direktor Max Eberl stieg auf zum Manager der Profis, er selbst wollte als Assistent unter Luhukay-Nachfolger Hans Meyer Erfahrungen sammeln.

Sein Ziel, einmal selbst als Chef-Trainer verantwortlich zu sein - womöglich als Meyers Nachfolger.

Ernüchternde Praxis

Soweit die Theorie. Die Praxis hielt nicht, was der freiwillig „abgestiegene” Manager sich erwartet und auch wohl versprochen hatte.

Symbolhaft für diese Ernüchterung war die Entwicklung seiner „Feld-Arbeit” auf der Bank neben dem thüringischen Trainer-Koloss: Sprang Ziege in den ersten Spielen noch zigfach wie von der Tarantel gestochen auf und fuchtelte wie wild an der Außenlinie, wurden mit den Spieltagen seine Ausflüge immer sparsamer.

Hans Meyer braucht keinen Kasper am Spielfeldrand. Und auch wenn Christian Ziege eine internationale Karriere als Spieler hinter sich hat, Jugendtrainer, Sportdirektor und für ein Spiel (in Bochum) verantwortlich für die Mannschaft war, für den 66-Jährigen war er das, was er auch angeblich sein wollte: ein Co-Trainer, ein Zuarbeiter und Assistent.

Schwierig, wenn man zuvor urplötzlich in die Position der Macht gespült worden war.

Zu schwierig wurde es für den Ex-Bayern, als sein Chef öffentlich die Zusammensetzung des Kaders kritisierte. Dafür war und ist Christian Ziege gemeinsam mit seinem damaligen Trainer Jos Luhukay verantwortlich.

Meyer hatte zwar nicht die Qualität, wohl aber die Zusammensetzung der Profi-Schar moniert: Die „Ausgewogenheit zwischen Alt und Jung, Kämpfern und Spielern, Defensive und Offensive” sei mangelhaft.

Starker Tobak für jemanden, der nach wie vor glaubte, auch als Neu-Manager und trotz aller Probleme gute Arbeit verrichtet zu haben.

Der innere Rückzug Zieges setzte sich fort, der Absprung (vorerst) vom eigenen Lebenstraum und seiner Position als Mitglied des so genannten Kompetenz-Teams war programmiert.

„Mein Herzblut ist auf dem Platz. Das ist, was in mir lebt. Und deshalb auch mein Vorschlag, dass ich in Zusammenarbeit mit Hans Meyer der Mannschaft am besten helfen kann”, erklärte Ziege bei der Inthronisierung Meyers.

Als Co-Trainer war er nicht allein. Meyer hatte Jürgen Raab mitgebracht. Das bietet Nahrung für die These, Ziege sei nur fünftes Rad am Wagen gewesen.

Doch Meyer arbeitete auch in seiner ersten Schaffensphase für Borussia mit zwei Assistenten: Manfred Stefes und Michael Frontzeck.

Und der heutige Cheftrainer von Arminia Bielefeld konterkariert alle Bemühungen, Meyer als Despoten zu denunzieren. „Die Zusammenarbeit ist sehr lehrreich und die Atmosphäre menschlich sehr angenehm gewesen”, sagt Frontzeck.