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Mönchengladbach: Von Zucker-Spielen und zwei Meter hohen Mauern

Mönchengladbach : Von Zucker-Spielen und zwei Meter hohen Mauern

„Ohhhhh, hab ich einen Hunger”, stöhnte Arie van Lent. Pokalsiege machen offensichtlich nicht satt.

Das ist schön für Trainer Holger Fach, der eifrig bemüht ist, die Erfolgsgier seiner Mönchengladbacher Profis nach dem 2:1 über Borussia Dortmund möglichst schnell auf den Liga-Appetithappen zu richten.

Rostock kommt am Samstag. Bis dahin ist van Lents Defizit - „Ich glaub, ich bin unterzuckert” - gestillt durch „Schoko-Riegel”. Das Punkte-Reservoir ist nach wie vor im Keller.

Und glaubt man Sportdirektor Christian Hochstätter, wird die Begegnung mit den Hanseaten auch kein Zuckerschlecken. „Da herrscht eine ganz andere Erwartungshaltung. Gegen den BVB auszuscheiden, wäre immer drin gewesen. Selbst in deren jetziger Situation. Nun aber musst du gewinnen, vor allem mit den zwei Auswärtsspielen hintendran.”

Im wahrsten Sinne des Wortes hält sich auch Trainer Fach bedeckt trotz des Pokal-Triumphs. „Bei aller Euphorie dürfen wir uns hinten nicht entblößen. Wir müssen Geduld haben, wenn kein schnelles Tor fällt.”

Borussias Probleme mit defensiven Gegnern sind so alt wie ihre Auswärtsschwäche. Aber offensichtlich ist bei der Fachschen Borussia Raum für manch Wunderbares.

Wie etwa vor dem 2:0 durch Joonas Kolkka (24.). Da gewann einer von Gladbachs Zwergen, Bernd Korzynietz (1,74m), ein Kopfball-Duell mit dem BVB-Riesen Jan Koller (2,02m). Die Fach-Erklärung: „Wir trainieren an einer zwei Meter hohen Mauer. Da muss der Bernd immer hochspringen.”

Gladbachs Vorzeige-Profi wächst über sich hinaus. Für den Fußball-Lehrer ist das Programm. Seine Kritik: Die Leistungs-Latte liege heute im Profi-Fußball einfach zu tief.

Und erklärt das am Beispiel seiner Stürmer Morten Skoubo, Marcel Ketelaer und Peter van Houdt, die nicht zum Kader gehörten und derzeit im Oberliga-Team „aushelfen”. Mit „unzählbarem” Erfolg.

Amateur Marcel Podszus dagegen saß am Mittwoch bei den Profis auf der Bank. „Komischer Weise schießt bei den Amateuren immer Podszus die Tore, nicht die Profis”, wundert sich Fach. „Die müssen Leistung zeigen. Und die muss jetzt kommen. Ich habe keine Zeit, vier Jahre zu warten. Schließlich leben wir in einer Leistungsgesellschaft. Ich helfe den Spielern, wo ich kann. Aber die Leistung muss von ihnen kommen.”

Beim BVB nimmt diese Haltung die Dimension von „Warten auf Godot” an. Und noch mehr: Nach der blamablen Leistung auf dem Bökelberg kann Matthias Sammer keine grünes Blatt am schwarz-gelben Baum erkennen.

„Ich bin froh, dass wir 19 Punkte haben. Wir müssen höllisch aufpassen. Viele sehen die Gefahr nicht. Irgendwann kann es hier ein böses Erwachen geben. Ich erinnere an Bayer Leverkusen im letzten Jahr.”

„Oldie” Christian Wörns geht bei seinen Erinnerungen gar nicht fremd, sondern kramt in der Klub eigenen Historie. „Ich habe noch die Saison vor vier Jahren im Kopf. Da waren wir Erster und wurden bis in die Abstiegszone durchgereicht. Und jetzt sieht es personell noch schlimmer aus.”

Doch da gerät der Nationalspieler unbemerkt in einen Widerspruch. Lobt er doch das Engagement der Amateure Odonkor, Senesie und Gambino, die gegen Gladbach in Halbzeit 2 eingewechselt wurden. Hilfe von unten, wenn die Hilfe von oben versagt: Einige der Profis „gehen nicht über ihre Schmerzgrenze”, kritisiert Wörns. Die Frage ist auch, wie lange das die Fans noch klaglos machen.