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Bitburg: „Verflucht haben mich viele”

Bitburg : „Verflucht haben mich viele”

Der Quälgeist lächelt: „Verflucht haben mich schon viele, umgehauen hat mich aber noch keiner.” Wäre wohl auch kein professionelles Verhalten für Fußballer, wenn sie in die Hände von Alemannias Chef-Physiotherapeut Nils Haacke geraten.

Schließlich ist es seine Aufgabe, die Verletzten wieder fit zu machen - Reiner Plaßhenrich, Stephan Straub und Nico Herzig wieder soweit aufzubauen, dass sie am Mannschaftstraining teilnehmen können.

So arbeitet der 40-Jährige im Trainingslager in Bitburg abseits des restlichen Kaders am Rande des ehemaligen Baseballfeldes, um irgendwann wieder grünes Licht geben zu können - dabei freuen sich einige schon zu Beginn des Einzeltrainings, überhaupt noch mal grün zu sehen und auf dem Rasen zu stehen.

„Für die Rekonvaleszenten ist es schon ein riesiger Kick, überhaupt wieder mit der Mannschaft zusammen zu sein, auf dem Feld zu stehen und einen Ball rollen zu sehen. Das Lachen darf auch in der Reha nicht zu kurz kommen.”

Eine Aussage, die sich am Beispiel Reiner Plaßhenrich, der den größten Rückstand hat, leicht anschaulich machen lässt: Bereits nachdem der 30-Jährige aus der Narkose erwachte nach seiner Knie-Operation vor einem halben Jahr, hat er mit der Waden-Pumpe angefangen, um den Muskelabbau möglichst gering zu halten.

Plaßhenrich absolviert täglich seine Einheiten in der Mediapark-Klinik in Köln und verbrachte das Wochenende dann bei der Mannschaft in der Obhut von Nils Haacke. Der hat das protokollierte Pensum von seinen Kölner Kollegen bekommen und kann nahtlos weiterarbeiten.

„Ein halbes Jahr im Aufbautraining ist eine immens lange Zeit für einen Leistungssportler. Wir fangen bei Reiner gerade mit ersten Übungen zur Belastungsstabilität und dreidimensionalen Anforderungen an das Gelenk an”, beschreibt Nils Haacke, dass Aachens Nummer 7 durch die zweite Knie-Operation noch weiter zurück geworfen wurde als nach der ersten, als der Physiotherapeut Reiner Plaßhenrich schon im Trainingslager in Portugal im Wiederaufbau hatte.

„Wichtig ist auch, ihm seine momentanen Grenzen aufzuzeigen, damit er nicht überzieht.” Eine Prognose möchte der 40-Jährige allerdings nicht abgeben: „Es wäre jetzt zu früh zu sagen, wann Plaßhenrich wieder mit der Mannschaft trainieren oder wieder spielen kann.”

Und wenn das rechte Knie erneut verletzt würde? „Reparabel wäre das, ob es für einen Leistungssportler reicht, ist eine andere Frage. Aber, wenn es einer schaffen würde, dann dieser Typ.”

Deutlich weiter ist da schon Stephan Straub, dem zurzeit Schnelligkeit, Sprungkraft und Ballgefühl nach seiner Verletzung wiedergegeben werden. „Straub arbeitet sehr genau, hinterfragt auch Sachen und hört dann in seinen Körper hinein”, beschreibt Nils Haacke das große Erfahrungspotenzial seines Patienten. Stephan Straub kann bereits in hohe Belastungsphasen gebracht werden.

Etwas diffizil ist die Wiederherstellung von Nico Herzig, der sich einen Haarriss in dem Fuß zugezogen hat, der bereits vorher einmal gebrochen und verdrahtet war. „Manchmal ist ein glatter Bruch, der gut wieder zusammen wächst, besser als ein Haarriss, der zu einer Art Sollbruchstelle wird”, erklärt Nils Haacke das Problem. Doch Nico Herzig ist schon sehr weit wiederhergestellt, hält sich mit Fahrrad fahren und Krafttraining fit und ist in einem Stadium, wo die Belastungen bei den Läufen gesteigert werden. „Herzig läuft jetzt sechsmal zwei Minuten mit immer kürzeren Pausen. Bleibt er eine Woche reizfrei, kann er das Balltraining wieder aufnehmen.”

Und dann ist das große Ziel erreicht: Beträgt der Unterschied in der Muskelmasse zwischen der verletzten und der unverletzten Seite nur noch fünf Prozent, wird der Rekonvaleszent wieder an den Trainerstab übergeben - der Patient ist wieder zum Spieler geworden.