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Mönchengladbach: Van Houdt als Lienens System-Opfer

Mönchengladbach : Van Houdt als Lienens System-Opfer

Man musste kein Prophet sein, um nach dem Rückzug von Hans Meyer vorherzusagen, dass auf Peter van Houdt schwierige Zeiten zukommen würden.

Borussia Mönchengladbachs belgischer Stürmer rangierte in der fußballerischen Werte-Tabelle des ehemaligen Borussen-Trainers sehr hoch. Publikum und auch Sportdirektor Christian Hochstätter teilten diese Einschätzung nicht.

Das oft „spektakuläre” Auslassen von Chancen wog bei ihnen schwerer als seine mannschaftsdienliche Spielweise, seine gute Defensivarbeit und spielerisches Verständnis gerade auch im Verbund mit Arie van Lent. Zudem war ein Konflikt mit Meyer-Nachfolger Ewald Lienen programmiert: Das lebensfrohe und feierfreudige Naturell van Houdts und die verbissen-entsagungsbetonte Art des neuen Trainers sind wie Feuer und Wasser.

Der Abgesang des Stürmers aber erfolgte auf einer sportlichen Ebene. „Ewald Lienen hat mir eröffnet, ich solle mir einen neuen Verein suchen. Ich passe nicht in sein System”, sagt van Houdt.

Lienens Begründung liefert der Stürmer gleich nach: „Ich sei kein reinrassiger Flügelstürmer.” Das stimmt. Der Rechtsfuß überbrückte klaglos die Zeit, als Borussia keine Spezialisten für die linke Seite besaß, bzw. sich diese wie Marcel Ketelaer in einem Formtief befanden.

Mittlerweile besitzt Borussia mit einem verbesserten Ketelaer und Neuzugang Joonas Kolkka gleich zwei Linksaußen. Beide aber konnten in der neuen Spielzeit noch nicht den Beweis antreten, grundlegend besser oder gar torgefährlicher zu sein als Gladbachs ehemaliger „bester Linksaußen”: Der Titel ist noch stets vakant.

Der in der letzten Saison und erneut in der aktuellen Vorbereitung vom Verletzungspech gebeutelte van Houdt wird aber kaum noch eine Chance erhalten, seinen „Ehren-Titel” zu verteidigen. Zwar zog der Klub die Option, die ihn ein weiteres Jahr an Borussia bindet.

Doch offensichtlich nur aus finanziellen Motiven. Nachdem der belgische Nationalspieler gegen Stuttgart zumindest noch auf der Bank sitzen durfte, stand er in Freiburg und im Pokal nicht einmal im Kader. „Ich kann nicht mehr als gut trainieren und hoffen, dass der Trainer sich doch noch bedenkt”, sagt van Houdt, der zuletzt freiwillig bei den Amateuren in der Oberliga aufgelaufen ist, um zumindest Spielpraxis zu erhalten.

Donnerstag vor dem Freiburg-Spiel „offenbarte” sich Lienen. Am Montag lief die Wechselfrist ab. In der Mini-Zeit von zehn Tagen konnte der 26-Jährige keinen akzeptablen Arbeitgeber finden.

„Nach Wladikawkas oder China wollte ich nicht. Mir gehts nicht ums Geldverdienen, ich will Spaß am Fußball haben.” Auf den wird er bis Dezember - Start der nächsten Wechselperiode - verzichten müssen. Es sei denn, die DFL erweitert das Ausnahmefeld: Wechseln nicht nur für arbeitslose Fußballer erlaubt, sondern auch für „System-Opfer”.