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Mönchengladbach: Untherapierte Gladbacher stoßen Kampa von Couch

Mönchengladbach : Untherapierte Gladbacher stoßen Kampa von Couch

Im Erfolg baden - nur zu gerne hätten Borussia Mönchengladbachs Profis diesen Wonnezustand nach dem 2:0 über den 1. FC Nürnberg länger genossen.

Doch die Fans in der Nordkurve ließen nach kurzem Jubel schnell das weichmachende Badewasser wieder ab: „Auswärtssieg, Auswärtssieg!” forderten die Getreuen ultimativ, und stießen damit die „heim-lichen” Serien-Sieger in die Wirklichkeit zurück.

Dem auswärtsschwächsten Team der Liga droht am Samstag in Cottbus erneut die Talfahrt, nachdem auf dem Bökelberg mal wieder das Sprüngchen auf einen Nichtabstiegsplatz gelungen ist. Nun muss man sich nicht unbedingt vorstellen, dass 18 oder mehr Profis sich grübelnd jeweils in ihre stillen Kämmerlein zurückziehen, bis der erste Findling ein grün-schwarzes Rauchzeichen aufsteigen lässt: „Ich hab die Lösung!” Doch zumindest gibt es bei manchen Berufsfußballern - auch ohne Kammer-Klausur - Lösungsansätze.

Etwa bei Torhüter Jörg Stiel, der in den letzten beiden Spielen viel Zeit zur Spiel-Beobachtung hatte: Obwohl vom Ergebnis her unterschiedlich (0:2/2:0), blieb die relative Beschäftigungslosigkeit gleich. „Ja, zwei Flanken warens”, zählte der Schweizer seine Aktivitäten gegen Nürnberg zusammen. „Ich notiere mir das immer.”

Vorbild Ewald Lienen: Im Zettel-Trainer und seiner Natur liegt ein Lösungsansatz verborgen, glaubt Stiel. „Es sind oft Kleinigkeiten. Der Trainer lebt es vor mit seiner Akribie. Und deshalb muss sich jeder, auch nach einem Sieg, der Selbstkontrolle unterwerfen.” Vorbildlich probiert es Mikael Forssell. „Manchmal zeige ich schon, was ich kann”, so seine Selbst-Analyse. „aber ich war lange verletzt und bin noch nicht fit.

Ich muss diese Klasse konstanter halten, noch werde ich zu oft müde.” Der finnische Leiharbeiter hatte aber gegen Nürnberg etliche wache Momente, nicht nur bei seinem wunderschönen 2:0, als er den Ball „mutwillig” mit links in den Winkel jagte. Auch das 1:0 durch einen Kopfball von Ivo Ulich (1,72 m!) nach einer Flanke von Igor Demo bereitete der 21-Jährige vor. Damit übertünchte der von Chelsea ausgeliehene Profi viele Passagen, die nicht nur Ewald Lienen feststellen ließen: „Das war nicht gerade hoch attraktiv, auch nicht von uns.”

Möglicherweise schwebten dem Fußballlehrer da einige Szenen auf Gladbachs linker Seite vor. Dort formierte sich in der ersten Halbzeit streckenweise „ein tragisches Dreieck”. Wie Marcel Ketelaer, Sladan Asanin und Jeff Strasser völlig bar jeder Inspiration den Ball kreiseln ließen, musste selbst Spielern, die Privat-Unterricht bei einem Mental-Trainer nehmen, das Fürchten lehren.

Mit Ausnahme von Nürnbergs Torhüter Darius Kampa. Der versuchte sich als Oberschüler des vom Club engagierten Motivationskünstlers Peter Breidenbach. „Wir sind auf einem guten Weg”, demonstrierte der Keeper Retorten-Selbstbewusstsein.

Eine einzige Chance (Kopfball von Michalke ans Außennetz/15.) für Nürnberg: Da mochte Trainer Klaus Augenthaler dem Wahnwitz seines Torhüters nicht unbedingt folgen. „Allein von der guten Stimmung im Hotel und im Bus kann ich kein Spiel gewinnen.”

Der Gegenentwurf kam von den untherapierten Gladbachern: Mit Zweikampf-Stärke und Disziplin kann auch der Ausfall beider Flügel-Stürmer (Ketelaer/Aidoo) kompensiert werden. Und mit Realitätssinn: „Nein, das war doch nur ein Spiel”, glaubt Umschüler Bernd Korzynietz nach seiner famosen Leistung nicht, dass der erkrankte Max Eberl nun um seinen Verteidiger-Stammplatz zittern muss. Therapeuten-Liebling Kampa wäre bei so einem Spruch von der Couch geflogen . . .