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Bochum: Toppmöllers Kreditlinie noch nicht ausgereizt

Bochum : Toppmöllers Kreditlinie noch nicht ausgereizt

Der Countdown ist verlängert. Klaus Toppmöller, der sich am Sonntag mit Magen- und Darmproblemen krank meldete, bleibt vorerst im Amt. Sagt zumindest sein Reiner Calmund.

„Es gibt in der Geschäftsführung die Absicht, dass er am Samstag gegen Hansa Rostock auf der Bank sitzt”, sagt der Manager nach der ersten „knallharten” Analyse. „Toppi hat noch Kredit.”

Die Galgenfrist wird ausgedehnt. „Ich hätte mir mehr Rückendeckung in den letzten Tagen gewünscht”, hat Toppmöller dagegen nach dem Spielende in Bochum gesagt.

Auf Schalke hat Manager Rudi Assauer einmal ein Jahr lang an seinem Trainer Stevens festgehalten gegen alle Widerstände. „Ich wollte den Journalisten nicht nachgeben”, hat er später seinen „Trotz” begründet. Stevens wurde noch zweimal Pokalsieger.

Bei Bayer Leverkusen liegen die Dinge anders. Trainer Klaus Toppmöller hat seine Elf in die vorletzte Pokalrunde und die Zwischenrunde der Champions League geführt.

In der Bundesliga dagegen saust seine Mannschaft bedrohlich dem Rotlicht-Viertel der Tabelle entgegen. 1:2 unterlag die Mannschaft beim müden VfL Bochum, ist seit vier Spieltagen sieglos. Dabei gab es endlich einen Aufwärtstrend zu besichtigen.

„Wir haben heute für unseren Trainer gespielt”, sagt Kapitän Bernd Schneider. „Der Glaube, dass unser Potenzial schon für den Klassenerhalt ausreichen wird, ist aus den Köpfen heraus. Wir haben die Situation angenommen.”

Beim VfL zeigte die Mannschaft endlich einmal neben der spielerischen Qualitäten die notwendigen Aromen wie Kampfkraft und Zweikampfstärke. Manko: Viele Chancen wurden leichtfertig ausgelassen.

Zweimal entwischte Bochums Auswechseljoker Vahib Hashemian dem soliden Neuzugang Cris, schoss seine Tore fünf und sechs (68./84.). Bayer gelang durch Babic nur der zwischenzeitliche Ausgleich (78.).

Nach dem Spieler feierten die Fans dennoch minutenlang den Trainer des Jahres 2002, der „einen unverkennbaren Aufwärtstrend” diagnostizierte.

Erneut haderte der Coach mit dem Verletzungspech. Diesmal erwischte es Placente (Nasenbeinbruch) und Juan (Zerrung). Als Ausrede taugte die Dauerklage auch diesmal nicht. Ein gutes Dutzend Nationalspieler zierte immer noch den Kader.

„Die Lage wird immer problematischer”, hat Bayers omnipräsenter Manager Reiner Calmund nach der Niederlage gesagt. Das stimmt.

Aber dass auch Calmund längst selbst zu einem Problem geworden ist, zeigt ein Blick in seinen Terminkalender. Sonntag Spiel in Dortmund, Montag Sportlerfest in Aachen, Dienstag Bayer-Karneval in Köln, Mittwoch Spiel in Unterhaching, Donnerstag PK, Freitag Treffen mit den Fanclubs, Samstag Spiel und Bochum und Auftritt im Sportstudio.

Verbunden sind solche Termine immer mit Calmund-typischer Folklore. Keine Kamera, die nicht bis zum Akku-Wechsel besprochen wird, kein Notizblock, der nicht bis zur letzten Seite zudiktiert wird, kein Aufnahmegerät, das nicht bis zum Kassettenwechsel belastet wird.

Für sein Lebenswerk opfert das Schwergewicht mit unglaublicher Energie seine Gesundheit. Dahinter steckt die irrige Vorstellung, mit immer mehr Aufwand und Worten die davonfliegenden Schlagzeilen noch einmal einzuholen.

Nach dem Sieg Mitte der Woche hat Calmund gesagt: „Jetzt haben wir Donnerstag und Freitag definitiv keine Trainerdiskussion.” Aber Ruhe und Calmund passen so gut zusammen wie Feuer und Wasser.

Calmund selbst hat sich nicht gewundert, dass am Samstag das Thema wieder so aktuell war wie die Suche nach den Deutschen Superstars. Einige der Medien, die Calmund so heftig befeuert, verkündeten vorschnell den Abgang von Toppmöller.

Kommentar von Bochums Trainer und „Vielflieger” Peter Neururer: „Was da abläuft, ist einfach pervers.”