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Alvor: Thygesen will kein Simonsen sein

Alvor : Thygesen will kein Simonsen sein

Er muss etwas erkannt haben, der Mikkel Thygesen. Er habe viele Spiele gesehen, sagt Borussia Mönchengladbachs Neuverpflichtung. „Die haben mir gefallen.” Nun haben die meisten fußballerischen Auftritte des Tabellensechzehnten der Bundesliga den Beobachter nicht gerade vom Hocke gerissen. Aber „sie spielen auf Konter, und das ist sehr gut für mich”, insistiert er.

Der 22-Jährige ist schnell. Aber vor allem „kein Stürmer”, wie sein Landsmann Bo Svensson kategorisch ausschließt. „Er ist ein offensiver Mittelfeldspieler, der gerne aus der Tiefe kommt.” Und Svensson macht sich Sorgen, dass man von Thygesen die Arbeit und den Ertrag eines Torjägers erwartet. „Das ist er nicht. Er ist schnell, unheimlich kampfstark, arbeitet viel nach hinten, ist ein Mannschaftsspieler, der vor allem auch Tore vorbereitet.”

Thygesen aber fühlt sich nicht zu stark unter Druck durch seine falsche Etikettierung. „Bei einem Verein wie Mönchengladbach hast du immer Druck, auf jeder Position. Wenn du den nicht aushältst, musst du nicht in die Bundesliga gehen.”

Sein Vater und Berater, Poul-Erik Thygesen, einst für Werder Bremen auf Torejagd, hat ihm den Wechsel in die Elite-Klasse empfohlen. Und dass er sich für Borussia und gegen Alemannia entschied, hat natürlich nichts mit Geld zu tun. Nur mit dem Entwicklungspotenzial, das der Nationalstürmer in dem Traditionsklub sieht und in sich fühlt. Mönchengladbach hat beim Buhlen Aachens Limit von 1,2 Millionen Euro um geschätzte 300000 Euro überboten.

Ob Thygesen sich denn vorstellen könne, dass Aachens Manager Jörg Schmadtke sauer sei? „Das ist schwierig zu beantworten”, räumt er zumindest ein. „Aber ich bin jetzt hier!” Und der Sorgen bereitende Rang 16, ein Abstiegsplatz eben, auf dem sich sein neuer Arbeitgeber tummelt? „Kein Thema.” Immerhin aber offenbart Thygesen, dass sein Vertrag (bis 2010) auch für die 2. Liga gilt.

Platz im Mittelfeld?

Ein Stürmer will er nicht sein, auch nicht, weil er die Rückennummer eines berühmten Landsmannes, der für die Borussia einst auf Torejagd ging, geerbt hat. „Das habe ich vorgestern erfahren. Darauf bin ich stolz. Aber ich bin auch kein Alan Simonsen.” Abstempelung nein, aber einen (Stamm-)Platz will er wohl finden. Aber wo nur? „Jupp Heynckes hat mir gesagt, dass ich aus dem Mittelfeld heraus kommen soll.”

Da aber wirds langsam eng. Federico Insua, Alexander Baumjohann, Nachwuchstalent Marko Marin. Nur gut, dass der Däne vielseitig ist. „Ich habe auch schon Links- und Rechtsaußen gespielt.” Und womöglich wäre er auch auswärts ein Anwärter für den Angreifer, der um einen Stoßstürmer herum spielt. Jenen hat Borussia immer noch nicht. Drumherum-Kandidaten wie Oliver Neuville, Wesley Sonck, Michael Delura, Nando Rafael und Kahe aber zuhauf.

Den Sturmtank wird Sportdirektor Peter Pander, der am Donnerstag ins Trainingslager nach Portugal nachreist, auch noch nicht im Gepäck haben. Laut der spanischen Sportzeitung Marca wird einer der Favoriten, Kepa Blanco Gonzales vom FC Sevilla, an Charlton Athletic ausgeliehen. Aber auch ohne einen weiteren Stürmer fühlt sich Thygesen pudelwohl. Ein Werk der Landsleute wie Svensson, Sebastian Svärd, Thomas Helveg und Kasper Bögelund. „Die helfen mir und geben mir gute Tipps. Wo etwa die beste Bar ist...” Aber dann fällt ihm ein, dass Heynckes womöglich Zeitung liest. Und beeilt sich richtigzustellen. „Das war natürlich ein Scherz...”