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Aachen: Thomas Hitzlsperger: Der Realist aus Forstinning

Aachen : Thomas Hitzlsperger: Der Realist aus Forstinning

Thomas Hitzlsperger ist kein Fußballer, dem Gott und die Welt und seine Berater stecken: „Du bist der Beste, du bist ein Riese.” Thomas Hitzlsperger, 20 Jahre jung, wirkt für sein Alter schon sehr erwachsen.

Thomas Hitzlsperger ist Profi seit zwei Jahren, hat gerade einmal 20 Erstligaspiele absolviert - und doch ist man geneigt zu behaupten: Da wächst einer heran.

Es ist nicht nur das fußballerische, das die Prognose wenig gewagt erscheinen lässt. Den Landwirtssohn aus Forstinning bei München sollte man jedenfalls im Auge behalten.

Am Dienstagabend zum Beispiel, wenn auf dem Tivoli in Aachen ab 19 Uhr die deutsche U 21-Nationalmannschaft zum Testspiel den niederländischen Nachwuchs erwartet.

„Thomas ist eine feste Größe, er ist gesetzt”, lobt Jürgen Kohler den zentral oder halblinks agierenden Mittelfeldspieler. Des Trainers besondere Wertschätzung: „Er übernimmt Verantwortung.”

Und das nicht nur auf dem Feld: Vor gut zwei Jahren fasste der damals 18-Jährige den Entschluss, sein fußballerisches Glück fernab der Heimat zu suchen. „Ich wollte Profi werden, egal wo.”

Bei Bayern München sah Hitzlsperger, der seit der F-Jugend für den FCB kickte, keine Chance: „Zu wenig Nachwuchsspieler haben es dort geschafft.” Bei der U 17-WM in Neuseeland spielte er sich ins Blickfeld britischer Klubs, absolvierte Probetrainings bei Aston Villa, dem FC Liverpool und Celtic Glasgow.

Die Entscheidung fiel schnell für den Traditionsklub aus Birmingham, „die haben sich sehr um mich bemüht”.

Bis 2005 steht der Bayer bei Aston Villa unter Vertrag und befindet sich nach einer längeren Pause (Faserriss in der Bauchmuskulatur) wieder im Aufwind.

„Natürlich war es anfangs eine schwere Zeit”, erinnert sich der 20-Jährige. Aber in England sind Nachwuchsspieler viel näher dran an den Profis, sind bei den Trainingseinheiten voll integriert, mehr als nur „Kofferträger”.

„Deutsche Schiedsrichter sind besser als englische”

Die aktuelle Diskussion über die Schiedsrichter („Deutsche sind besser als englische”) verfolgt er natürlich - und in der Premier League sei es auch nicht viel besser. „Aber es wir weniger gepfiffen, dadurch wird das Spiel schneller.”

Doch am Dienstag zählt nicht Aston Villa („Wir haben viel Potenzial und wollen nach oben”), jetzt zählt die DFB-Auswahl. „Eine Reaktion muss kommen, wir wollen beweisen, dass das 1:5 zuletzt in Bosnien-Herzegowina nur eine Eintagsfliege war”, spricht „Hitz” für seine Kollegen.

Das Ziel ist klar: Die Qualifikation für die EM-Endrunde 2004 und dort dann die Teilnahme an den Olympischen Spielen festzurren. Und die WM 2006 in Deutschland? Spukt sie schon durch den Hinterkopf? „Da ist nur wenig Raum für, das ist noch lange hin.”

Er ist eben Realist, der Thomas Hitzlsperger. Er gönnt sich nur einen einzigen Traum: „Dass die Bayern anrufen und mich haben wollen. Denn dann hab ich es geschafft.”