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Mönchengladbach: Stark genug für unpopuläre Entscheidungen?

Mönchengladbach : Stark genug für unpopuläre Entscheidungen?

Am Samstag gegen Hertha BSC werden die Mönchengladbacher Spieler Bernd Korzynietz, Markus Hausweiler, Igor Demo, Steffen Korell, Max Eberl, Nico van Kerckhoven und Craig Moore, dessen Vertrag zum 30. Juni 2005 aufgelöst wurde, verabschiedet. Das stimmt.

Nach dem Spiel soll per Handzeichen im vollbesetzten Borussia-Park der Trainer für die kommende Saison bestimmt werden. Das stimmt nicht. Dabei würde dies ganz in der noch jungen Tradition des Niederrhein-Klubs stehen. Frei nach dem Motto: Es lebe die populistische Entscheidung!

Sicherlich würde auch eine riesige Mehrheit der 53.466 Wählern für Horst Köppel votieren. Aber auch ohne die Massen-Akklamation hat Borussias neuer Sportdirektor Peter Pander ein Problem. Doch es ist kleiner, als es für seinen Vorgänger gewesen wäre. Christian Hochstätter wäre geteert und gefedert worden, hätte er versucht, einen anderen Trainer als den aktuellen Gladbach-Retter zu installieren.

Das Fan-Volk liebt seinen „Onkel Horst”. Doch kann sich ein Sportdirektor von solchen emotional besetzten Strömungen leiten lassen? „Manchmal ist es nicht verkehrt, wenn ein Fremder von außen kommt. Der kann seinen Blick ganz anders setzen”, formuliert der ehemalige Wolfsburg-Manager. Doch Pander wird sich hüten, öffentlich zu „fremdeln”.

Seine Beschreibung ist auf seine eigene Position gemünzt, die jahrelang vom Alt-Borussen Hochstätter geprägt wurde. Das aber ist nicht nötig, in den Augen des Neu-Gladbachers. „Stallgeruch ist für mich, sich im Geschäft Bundesliga auszukennen. Wenn man nur in einem Klub gearbeitet hat, wird man schon mal betriebsblind”, glaubt der ehemalige VW-Mann.

Horst Köppel hat auch bereits in Uerdingen, in Japan, Wacker Insbruck, Dortmund, Bielefeld und Düsseldorf gearbeitet. „Er ist unser erster Ansprechpartner. Wir haben noch mit keinem anderen gesprochen”, behauptet Peter Pander. Das muss er sagen, auch wenn ein solches Verhalten fahrlässig wäre.

Ruhe ist nicht nur momentan die erste Bürgerpflicht im Staate Borussia. Sie ist auch das erklärte Ziel für die kommende Saison nach den Turbulenzen der letzten Monate. „Wir brauchen ein ruhiges Jahr. Es wäre nicht glücklich, wenn wir wieder viel verändern würden, viele neue Spieler, ein neuer Trainer ...” Also doch Horst Köppel der große Favorit? „Ich muss auch unpopuläre Entscheidungen treffen können”, widerspricht der Manager.

Diese Alternative wird ihm vom Interims-Trainer nicht unbedingt erleichtert. Inzwischen hat Horst Köppel Blut geleckt. Anders als in der Frühzeit seiner Rettungsaktion postuliert der Fußballlehrer unverhohlen seinen Anspruch auf den Trainersessel. Und auch das Tor zu einem freiwilligen Verzicht hat er zugeschlagen. „Ich kann mir nicht vorstellen, noch einmal auf die Position des Amateurtrainers zurückzukehren.”

Ist Pander also schon stark genug, die Entscheidung für einen anderen als Köppel beim Präsidium durchzudrücken? Die Klub-Bosse beugten sich zuletzt nur zu schnell dem Druck der Öffentlichkeit. Aber wie groß ist die Halbwertzeit des „Köppel-Effekts”? „Wir können uns nicht leisten, nach fünf Spieltagen wieder auf die Suche zu gehen”, sagt der Manager. Die Endlichkeit des „Jeder-andere-ist-besser-als-Advocaat-Syndroms” spricht für eine externe Lösung.

Kluborientierte Spieler

Wie aber sieht die Stellenausschreibung aus? „Er muss die Mannschaft top vorbereiten, in Sachen Taktik und Fitness hervorragend sein und es verstehen, sich in der Medienwelt zu behaupten”, zeichnet Peter Pander einen Entwurf. Das hat Eric Gerets inzwischen gelernt. Aber natürlich ist auch mit dem Wolfsburger Trainer nicht gesprochen worden. Sich durch die Installierung seines ehemaligen Partners angreifbar zu machen, dazu ist der ehemalige VW-Manager wohl auch zu clever.

Und so schwirren die üblichen Namen wie Klaus Toppmöller, Morten Olsen und Christoph Daum durch die Gerüchte-Küche. Die Suche nach neuen Spielern aber soll eh Klub- nicht Trainer-orientiert verlaufen: „Die Spieler müssen wegen des tollen Umfelds, der Lebensqualität kommen. Ich habe Bauchschmerzen damit, wenn sie sagen: Wenn der Trainer geht, gehe ich auch.” Craig Moore handelt nach dieser Prämisse.

Bernd Korzynietz handelte abgewandelt. Er unterschrieb bei Bielefeld als Advocaat-Flüchtling. „Ich glaube, das bereut er inzwischen”, sagt Horst Köppel.