Köln: Stale Solbakken rockt mit den Fans in der Kurve

Köln: Stale Solbakken rockt mit den Fans in der Kurve

Stale Solbakken sprang nach dem Schlusspfiff vor der Bank in die Luft, hielt kurz inne und sprintete dann wie von der Tarantel gestochen in Richtung Südtribüne. Dort baute sich der Trainer des 1. FC Köln vor den jubelnden Fans in Siegerpose auf und genoss den Triumph.

Gerade hatte der FC ein am Ende dramatisches Kellerderby mit 1:0 (1:0) gegen Hertha BSC gewonnen und seine Situation im Abstiegskampf etwas komfortabler gestaltet.

„Unsere Fans waren großartig”, sagte Solbakken eine Stunde später, nachdem er seine Emotionen wieder etwas heruntergefahren hatte. „In der zweiten Halbzeit war es fast wie bei einem Rockkonzert. Da musste bei mir auch das Adrenalin am Spielende raus.”

Winkmann hat nichts gesehen

Solbakkens Emotionsausbruch hatte mindestens noch einen weiteren Grund. Die Reibereien mit Volker Finke hatten den Norweger in den letzten Monaten viel Kraft gekostet.

Dass sich der FC vom ungeliebten Sportdirektor noch am späten Samstagabend trennen würde (siehe Bericht unten und Kommentar), konnte der Norweger zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen.

Das einzige, was dem 43-Jährigen die Laune etwas verdarb, waren die beiden Roten Karten für Mato Jajalo und Lukas Podolski. Jajalo war gerade acht Minuten auf dem Platz, da rutschte er dem Berliner Lewan Kobiashwili böse in die Parade.

Schiedsrichter Guido Winkmann aus Kerpen beendete den Arbeitstag des Kroaten abrupt (66.). Zehn Minuten später löste ein rüdes Foul von Kobiashwili, das Winkmann mit Gelb ahndete, eine Rudelbildung aus. Dabei geriet der Berliner mit Podolski aneinander, Winkmann zeigte dem Georgier Gelb-Rot, der FC-Torjäger sah Rot. Winkmann später: „Ich habe die Situation nicht gesehen, mein Assistent Mike Pickel hat sie mir geschildert.”

Damit war Solbakken aber gar nicht einverstanden. „Das ist Wahnsinn”, sagte er. „Ich hoffe, dass Lukas freigesprochen wird.” Sein Berliner Kollege Otto Rehhagel zog es vor, keine Meinung zu haben. „Ich habe das nicht gesehen. Ich war 70 Meter entfernt. Es war Rudelbildung, die mir den Blick versperrte.”

„Sünder” Podolski war sich keiner Schuld bewusst. „Kobiashwili hat mich an den Hals gefasst, ich habe mich nur befreit. Das zeigen die Bilder ganz klar. der Assistent meinte, meine Hand sei an seinen Hals gegangen und ich hätte eine Kopfbewegung in seine Richtung gemacht.”

Der FC musste die Partie also in Unterzahl über die Bühne bringen. Doch außer einer Flanke von Rafael aus dem Halbfeld, die an den Pfosten prallte, brachten die Berliner nichts zustande.

Dabei hätten die Kölner schon frühzeitig alles klar machen müssen. Der Treffer des Tages durch Christian Clemens (36.) war das einzige Kapital, das der FC aus der drückenden Überlegenheit schlagen konnte. Allein Milivoje Novakovic hatte fünf so genannte Hundertprozentige. Doch der Slowene zielte entweder vorbei, scheiterte an Hertha-Keeper Thomas Kraft oder am Pfosten.

„Wir hatten die komplette Kon- trolle über das Spiel in der ersten Halbzeit, und die Mannschaft hat fantastisch gespielt”, befand Solbakken. „Es war unsere beste Halbzeit in dieser Saison. Da hätte das Spiel für Hertha schon vorbei sein müssen. Und dann kam die große Fehlentscheidung, die Rote Karte für Lukas.”

Rehhagel schloss sich der Meinung an. Was Halbzeit eins anbetrifft. „In der ersten Halbzeit hat uns der FC unter Druck gesetzt. Und Podolski hat sehr gut gespielt”, sagte der 73-Jährige.

Rehhagels Team überfordert

Allerdings gelang Köln die „beste Halbzeit dieser Saison” teilweise auch nur deshalb, weil die Gäste eine halbe Stunde lang kaum auf Bundesliga-Niveau spielten. Ängstlich, statisch, technisch limitiert. Zwar war Rehhagels Elf willig, wirkte aber phasenweise überfordert. „Nur, wenn wir uns so präsentieren wie in der zweiten Halbzeit, dann haben wir eine Chance im Kampf gegen den Abstieg.”

Wie sehr dieses 1:0 im Kellerduell eine Hypothek für die nächsten Spiele ist, hängt vom DFB ab. Die zu erwartende Sperre von maximal vier Spielen für Mato Jajalo dürfte Solbakken keine Sorgenfalten auf die Stirn zeichnen.

Zu weit war der Kroate seit der Winterpause von seiner Normalform entfernt. Aber wie lange muss der FC auf Podolski verzichten, auf seine sportliche Seele?

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