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Köln: Stale Solbakken holt den Experimentierkasten heraus

Köln : Stale Solbakken holt den Experimentierkasten heraus

Als Stale Solbakken vor ein paar Monaten beim 1. FC Köln anheuerte, gab sein bester Freund eine Prognose ab: „In zwei Jahren fühlst du dich dort wie 50.”

Nach Lage der Dinge ist der Norweger immer noch erst 41 Jahre alt, und der Alterungsprozess verläuft in normalen Bahnen. Vielleicht hilft ihm am überhitzten Standort, dass er regelmäßig in seine Parallelwelt eintauchen kann. „Ich habe ein Leben ohne Fußball, wenn man kleine Kinder hat, bist du ganz schnell bei anderen Dingen.”

Für Solbakken war es die erste entspannte Woche im Rheinland. Aus dem „Konzeptlos-” wurde nach dem furiosen 4:1-Sieg in Leverkusen wieder der gefeierte „Konzept-Trainer”. Mit solchen überschwappenden Schlagzeilen beschäftigt sich der Trainer kaum, seine noch sprunghafte Mannschaft stellt ihm neue Aufgaben.

In der letzten Saison kam der Frohsinnsklub mit drei Innenverteidigern aus. Youssef Mohamad ist vor der Saison ausgewandert, Kevin Pezzoni von einer Viruserkrankung noch nicht völlig geheilt, und Kapitän Pedro Geromel fehlt frisch operiert noch Wochen. In der Verteidigung fallen nahezu stundenweise die eingeteilten Kräfte aus, in dieser Saison hat der FC bereits fünf Innenverteidiger eingesetzt, teilweise auch verschlissen. Nicht in einem Spiel war die Viererkette baugleich, ständig schraubt Feinmechaniker Solbakken an ihr herum.

Miso Brecko ist noch zwei Spiele gesperrt, Neuzugang Ammar Jemal trainierte am Freitag nicht. Einsatz „höchst unwahrscheinlich”. Und als Gegner kreuzt die Mannschaft auf, die hinter dem großen FCB die meisten Tore bislang erzielt hat. „Hoffenheim spielt mit fünf, sechs offensiven Spielern, die aber nie ihre Position halten”, weiß Solbakken.

Der Tüftler

Es gibt ausreichend Grund zum Klagen für den Trainer, doch der holt lieber den großen Experimentierkasten heraus, beginnt zu tüfteln. „Ich bin Trainer geworden, um solche Sachen zu lösen”, sagt der Norweger. Er mag solche Herausforderungen. Beim Training wurden meistens Henrique Sereno und Kevin McKenna als Innenverteidiger eingesetzt. Der Kanadier war zuletzt in Leverkusen ein gut funktionierender Kompromiss.

„In seinem Pass steht, dass er 31 Jahre alt ist,” sagt Solbakken über seinen Abräumer, „nach dem Spiel denke ich, er ist 41 Jahre alt.” McKenna war in keinem körperlich guten Zustand nach Köln im Sommer zurückgekehrt, die Arbeit hat sich ausgezahlt. „Aber schnell ist er nicht”, grinst Solbakken. Aber vermutlich unverzichtbar in dieser Phase, in der die Grenzen des Kaders sichtbar werden. Die Mannschaft wird erneut in einer neuen Formation mit Profis auf ungewohnten Positionen auflaufen. Willkommen im großen Improvisationstheater Müngersdorf.

Auf den rechten Außenbahnen testete Solbakken unter der Woche den Albaner Odise Roshi. Der Feldversuch gilt als gescheitert. „Es wäre unfair, ihn auf dieser ungewohnten Position einzusetzen.” Bleibt noch Andrezinho, während auf der linken Außenbahn Christian Eichner auf den Einsatz hofft.

Fasst man die Koordinaten zusammen, waren die Aussichten schon einmal prächtiger. Solbakken sieht das anders, verweist munter auf die Offensive, die gerade Leverkusen abgeschossen hat. „Peszko, Novakovic und Podolski sind in guter Verfassung und sehr interessiert, ein gutes Heimspiel abzuliefern.” Daran mangelte es zuletzt deutlich, die Partien gegen Wolfsburg und Nürnberg waren gruselig, ein Heimsieg steht noch auf der To-do-Liste.

Voraussichtliche Aufstellung:

Rensing - Andrezinho, McKenna, Sereno, Eichner - Riether, Jajalo - Chihi, Peszko - Novakovic, Podolski