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Mönchengladbach: „Spuck-Opfer” findet das Lachen wieder

Mönchengladbach : „Spuck-Opfer” findet das Lachen wieder

Rehabilitation kann auch weh tun: Da hatten die Mönchengladbacher Profis gerade mit einer zumindest couragierten Leistung und einem 1:1 gegen Bayer Leverkusen Wiedergutmachung für die 0:6-Klatsche in Berlin geleistet, da garnierte ihr Trainer den Teilerfolg mit einem bitteren Beigeschmack.

„Wenn wir in der Winterpause noch drei bessere Spieler holen, dann geht es in der Rückrunde besser”, kündigte Dick Advocaat an.

Bis zum Spätnachmittag am Sonntag wusste man nicht einmal, was der Fußballlehrer so macht zwischen Pressekonferenz und Spiel. Das Rätsel ist gelöst: Der Holländer überlegt. Resultat: Torwart Darius Kampa fand sich auf der Ersatzbank wieder.

Für den Ex-Nürnberger spielte Michael Melka. Der war noch in der letzten Spielzeit für schwächer befunden worden als die Nummern 1 und 2, Jörg Stiel und Claus Reitmaier. Nun aber schien Gladbachs neuer Trainer über Nacht bei der Durchforstung des Problemgestrüpps auf eine neue Quelle des Ungemachs gestoßen zu sein: Hat Borussia auch noch ein Torwartproblem?

„Ich wollte etwas ändern”

Noch am Freitag hatte Advocaat sich standhaft geweigert, diesen Nebenkriegsschauplatz zu eröffnen. „Nein, über einen Torwartwechsel mache ich mir heute keine Gedanken.” Dieser Vorsatz hielt nicht lange „es war mehr ein Gefühl, ich wollte etwas ändern”, erklärte Advocaat den Einsatz des Ersatzkeepers. Der erfuhr von seinem Glück erst am Sonntagmorgen „Auf so eine Chance hofft man immer”, sagte der „Riese” und wurde bei seinem Einsatz mehr durch Rückgaben denn durch feindlichen Beschuss gefordert.

Weniger verblüffend war die Rückkehr von Bernd Korzynietz und Ivo Ulich, beide zuletzt erkrankt, in der ersten Elf. Dafür mussten die Hertha-Verlierer Gaede, Jansen und van Hout weichen. Für den Belgier lief der in Berlin eingewechselte Vaclav Sverkos auf, der von den enttäuschten Borussen-Fans nach dem 0:6 mit Bier und Speichel bedacht worden war. Zur Versöhnung widmeten die Anti-Lamas unter den Gladbacher Anhängern ihrem „Sverki” ein Spruchband: „Wir spucken in die Hände, nicht auf unsere Spieler.”

Das schien dem jungen Tschechen, der am vergangenen Samstag nach den Attacken weinend in die Kabine gegangen war, so zu ermutigen, dass er nach einem vermeintlichen Foul von Jens Nowotny, selbst zum Strafstoß antrat - und souverän zum 1:1-Endstand traf. „Nowotny spielt ganz klar den Ball”, meckerte Bayer-Coach Klaus Augenthaler über die Entscheidung. „Ich habe den Schiedsrichter beobachtet: Erst wollte er Abstoß pfeifen. Dann hat er wohl ein Loch im Boden gesehen und auf Elfer entschieden - schon merkwürdig.”

„Opfer” Sverkos

Das „Opfer” Sverkos, zusammen mit dem erstmals in dieser Saison gut aufspielenden Thomas Broich, fasste seine Eindrücke so zusammen. „Nowotny hat meinen Fuß und den Ball getroffen. Der Schiedsrichter hat gepfiffen. Was soll ich sagen?” Ganz ohne Selbstzweifel aber war der Stürmer beim Shoot-out gegen Elfmetertöter Butt nicht. „Ich habe gesehen, wie er gegen Real den Strafstoß von Figo gehalten hat. Das hat mich schon etwas nervös gemacht.”

Fraglicher Strafstoß, unfraglich aber war, dass das schon fast traditionelle Remis zwischen Borussia und Bayer für die Gäste eher glücklich war. Ihre wahren Stärken deuteten die Real-Madrid-Bezwinger nur selten an und lagen in der 58. Minute dennoch glücklich in Front.

Als Oliver Neuville von Krämpfen geplagt außerhalb des Spielfeldes behandelt wurde und Joris van Hout auf seine Einwechslung wartet, nutzte Berbatow die „Raumdeckung” von Marcelo Pletsch und Jeff Strasser zum 1:0 gegen Leverkusen. Doch Augenthaler wusste, warum dies nicht reichen sollte. „Wir haben die Führung zu früh verwaltet.”