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Aachen: Sozialarbeiter sollen „unterschiedliche Welten” zusammenbringen

Aachen : Sozialarbeiter sollen „unterschiedliche Welten” zusammenbringen

„Fan-Projekte stellen eine Chance dar, die Kommunikation zwischen den ,unterschiedlichen Welten´ zu verbessern, also zwischen den Fans, der Polizei und dem Verein”, sagt Michael Gabriel, Leiter der Koordinationsstelle für Fan-Projekte (KOS). Auch Alemannia Aachen möchte die Verständigung mit ihren Fans verbessern.

Die unrühmlichen Vorfälle auf dem Tivoli - wie die rassistischen Äußerungen gegen farbige Spieler beim Spiel gegen Hoffenheim oder die verbalen Attacken gegen Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus - haben die Verantwortlichen der Alemannia dazu bewogen, sich ernsthaft um ein sogenanntes Fan-Projekt zu bemühen.

Das Fan-Projekt steht für eine Initiative, die Probleme pädagogisch engagiert anpackt und sich nicht hinter pauschalen Parolen versteckt, die fordern, dass Fans, die Randale machen, einfach nur Chaoten sind, die auf dem Fußballplatz nichts zu suchen haben.

Künftig sollen szenekundige Sozialarbeiter vor allem Jugendliche aus Problemgruppen davor bewahren, in das Umfeld von Gewalttätern abzugleiten. „Fan-Projekte müssen auf die Jugendlichen eingehen, sie mit einbeziehen”, verdeutlicht Gabriel, „es darf nicht so sein wie früher, als die Hooligans völlig isoliert waren und nur noch der Richter am Ende mit ihnen gesprochen hat.”

Die Mitarbeiter der Fan-Projekte wollen den Fans umfangreiche Hilfestellungen und Unterstützung in vielfältigen Lebenslagen bieten, um so unter anderem das Selbstwertgefühl der Jugendlichen zu steigern. Eines der Hauptziele ist es, die Mitglieder der gefährdeten Problemgruppen von gewaltfreien Konfliktlösungen zu überzeugen. Unterschiedliche Freizeitangebote, wie beispielsweise Streetsoccer-Turniere, Deeskalierungstraining, Videoabende, Arbeitslosentreffs oder intensive Bildungsarbeit, sollen dazu verhelfen, die angestrebten Ziele zu verwirklichen.

Finanziert werden die Fan-Projekte zu gleichen Teilen aus Mitteln des jeweiligen Landes, der Kommune sowie Geldern der DFL, gemäß den Richtlinien des „Nationalen Konzeptes für Sport und Sicherheit”. Die DFL finanziert ihren Anteil aus zurückgehaltenen TV-Geldern. Die Kosten für die Realisierung solch eines Projektes belaufen sich auf 150.000 Euro für einen Erstligisten und 90.000 für einen Zweitligisten.

Derzeit haben 36 deutsche Fußballvereine ein Fan-Projekt, darunter 16 Erstligisten und zehn Zweitligisten. Hansa Rostock stößt im kommenden Jahr als 17. Erstligist dazu. In der Eliteliga hat dann nur der VfB Stuttgart kein eigenes Fan-Projekt. Das Land Baden-Württemberg stellt dafür keine Haushaltsmittel zur Verfügung. Ganz im Gegensatz zu Nordrhein-Westfalen: Mit elf Vereinen ist NRW die absolute „Lokomotive”.

Schon seit 1992 betreibt der VfL Bochum ein Fan-Projekt. „Pädagogische Arbeit lässt sich nur sehr schwer messen”, sagt Leiter Ralf Zänger, „trotzdem konnten wir über die Jahre wesentliche positive Veränderungen feststellen.” Zänger ist daher überzeugt, dass auch der Alemannia solch ein Projekt gut zu Gesicht stehen würde: „Der Verein kann dadurch nur profitieren, weil sich so ein Zugang zu den Fans finden lässt. Außerdem zahlt die Alemannia ja genauso in den Pool ein wie alle anderen auch, egal ob sie nun ein Fan-Projekt haben oder nicht.”

Sowohl Zänger als auch Gabriel sehen in der „Fan-Projekt-Arbeit” keine Konkurrenz zu den Aktivitäten der Fanbeauftragten. Für beide stellt dies eher eine sinnvolle Ergänzung dar: „Aachen hat ja im Grunde keine schlechten Strukturen. Der Fanbeauftragte Robert Jacobs leistet gute Arbeit und kennt seine Leute sehr gut. Aber es kann nicht seine Aufgabe sein, Probleme wie Alkoholmissbrauch, Gewalt oder Rassismus in den Griff zu bekommen. Fan-Projekte setzen genau da an und bilden so eine tolle Ergänzung”, sagt Ga- briel, und Zänger fügt hinzu: „In Bochum arbeiten wir eng mit dem Fanbeauftragten zusammen. Wir nehmen uns ja gegenseitig nichts weg.”

Robert Jacobs sieht das genauso: „Ich kümmere mich ja mehr um das Organisatorische und weniger um das Soziale. Eine Zusammenarbeit kann ich mir daher sehr gut vorstellen. In die Vorplanung bin ich bereits mit eingebunden.”