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Mönchengladbach: Schöne neue Welt im Borussia-Park

Mönchengladbach : Schöne neue Welt im Borussia-Park

Der Bökelberg ist Geschichte, die Luft im neuen Borussia-Park scheint aber auch eine besondere zu sein.

Zwar ging die Bundesliga-Premiere der Mönchengladbacher gegen die Dortmunder Borussia mit 2:3 daneben. Doch nach dem Spiel herrschte ein kollektiver Höhenrausch.

„Wenn wir weiter so gut spielen, haben wir Chancen auf die Meisterschaft”, glaubt BVB-Kapitän Dede.

So nebenbei: Es war der zweite Spieltag, Gegner Gladbach womöglich nicht der adäquate Gradmesser für Titel-Ambitionen. Sauerstoff-Mangel aber trübt eben die Wahrnehmung. Wie dünn die Luft für Top-Klubs am Niederrhein wirklich ist, muss sich noch zeigen.

Nur Ergebnis enttäuscht

Aber auch Holger Fach wollte sich der Euphorie nicht entziehen. Trotz der Niederlage. „Vom Ergebnis her bin ich enttäuscht, von der Leistung her nicht”, befand der Gladbacher Trainer.

Schöne neue Welt im Borussia-Park: Statt Kritik „hagelte” es Lob für die Verlierer, unter denen er keine Ausfälle entdecken konnte. Im Gegenteil: „Wir haben bewiesen, dass wir uns spielerisch verbessert haben.”

In der vergangenen Spielzeit war man aber trotz schlichterem Fußball-Niveau und tristerem Ambiente erfolgreicher gegen den ungeliebten Goliath aus dem Ruhrgebiet. Für Holger Fach aber steht erst jetzt fest: „Wir müssen uns nicht mehr in die Hose machen, wenn solche Mannschaften kommen.”

Ein paar Flecken aber waren trotz des vor allem in der ersten Hälfte spektakulären Schlagabtausches zu entdecken im neuen Gewand des VfL.

So gingen die Hausherren zu sehr auf Distanz zu ihren Gästen. Besonders freigiebig erwies sich dabei Markus Hausweiler. Sein wunderschöner Treffer zum 2:1 vermochte daher seine lange Leine für BVB-Spielmacher Tomas Rosicky nicht ausgleichen.

Immerhin aber fand der Mittelfeldspieler keinen Eingang in die Lobes-Galerie seines Trainer. Dort drängelten sich bereits Christian Ziege („Kompliment: Er hat die richtige Antwort auf Bielefeld gegeben”), Enrico Gaede („überragend”), Oliver Neuville („macht uns besser”) und sogar Torhüter Darius Kampa („sehr souverän”).

Nun will man angesichts der phantastischen Kulisse und der in ihrer Unterstützung nimmer müde werdenden Fans nicht unbedingt den Spielverderber mimen.

Aber trotz des (nur) zum Teil ansehnlichen Fußballs bleiben einige Fragen offen. In der letzten Saison war die Abwehr der Garant für den Klassenerhalt. Mit diesem Pfund konnte Gladbach lediglich kurz wuchern.

Schon eine Woche nach dem 0:0 in Bielefeld patzte das vermeintliche Prunkstück. Drei Gegentreffer zu Hause, obwohl Fach seine Elf mit Libero Gaede extra absicherte und auch Defensiv-Spezialist Milan Fukal erst spät für den offensiv stärkeren Bernd Korzynietz „geopfert” wurde.

Dazu kein Stürmer-Tor. Und auch in der zweiten Hälfte, in der Fach seine Mannschaft als klar besser sah, gab es eher Chancen der Marke kann was geben als hundertprozentige. Zumal sich Gladbach trotz des 2:3 oft komplett in die eigene Hälfte zurückzog.

Dabei hatte Ivo Ulich mit seinem historischen Treffer - erstes Vereins-Tor im neuen Stadion - den Weg geebnet, mit einem Erfolg in die neue Ära zu starten. Ein von Nico van Kerkhoven ins eigene Netz zum 1:1 abgefälschter Freistoß von Niclas Jensen gab den Rhythmus von Führung und schnellem Ausgleich vor.

Mit einer wundersamen Vorgeschichte, wie der stark auftrumpfende Ziege zum angeblichen Foul an Jan Koller meinte. „Der ist zwei Meter groß und drei Meter breit. Es muss wohl an der dünnen Luft liegen, dass er so schnell fällt.”

Dicke Luft aber müsste herrschen angesichts der Art und Weise der zwei weiteren Treffer für die Dortmunder. Beim 2:2 beschäftigten sich die Fach-Leute zu sehr mit einem nicht gepfiffenen Handspiel (Fach: „Deshalb dürfen wir nicht aufhören, Fußball zu spielen”), Koller köpfte zum 2:2 ein.

Beim Siegtreffer profitierten die Schwarz-Gelben von Gladbachs kollektiver Entdeckung der Langsamkeit. Allein Christian Ziege hatte eine Entschuldigung, dass er dem Blitzvorstoß von Evanilson nicht folgen konnte, der zum 3:2 durch Ewerthon führte.

Ein Pferdekuss auf den Oberschenkel bremste ihn nicht nur körperlich. „Du fängst an, darüber nachzudenken.”

Im vergangenen Jahr drohte dem Ex-Liverpooler wegen des so genannten Compartment-Syndroms eine Amputation. Die Angst überwand er am Samstag. Sein erster sportlicher Sieg im Gladbacher Trikot steht noch aus.