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Lüttich: Revanche in Anderlecht: Für Lüttich geht es schon um den Anschluss

Lüttich : Revanche in Anderlecht: Für Lüttich geht es schon um den Anschluss

Der Meister steht schon wieder vorn. Na ja, es ist nur ein Spieler des belgischen Fußball-Champions Standard Lüttich: Fünf Tore in den ersten vier Partien, Milan Jovanovic führt die Torjägerliste an.

Doch die Mannschaft insgesamt kommt nicht so recht ins Rollen nach der erfolgreichen Titelverteidigung 2009. Ungeschlagen zwar, aber auch nur mit einem Sieg; in einem schwachen Wallonie-Derby kamen „Les Rouches” am vergangenen Freitag gegen den RSC Charleroi nicht über ein 1:1 hinaus. Da droht schon früh in der Saison der Kontakt zur Tabellenspitze verloren zu gehen, und wenn es am Sonntagabend (20.30 Uhr) schlecht läuft bei der Revanche für die beiden Entscheidungsspiele um die letzte Meisterschaft, dann hat das Team um Kapitän Steven Defour bereits neun Punkte Rückstand auf Gastgeber, Rekord-Champion und Liga-Leader RSC Anderlecht.

Noch ist die Stimmung rund ums Stade Sclessin unaufgeregt. „Ich mache mir überhaupt keine Gedanken”, sagt Laszlo Bölöni, der Trainer. „Wir müssen nur die Ruhe bewahren.” Dabei hatte der Rumäne zuletzt in der Kabine einen etwas lauteren Ton gewählt. „Er war hart, aber sehr korrekt in der Ansprache”, berichtet Mittelfeldspieler Axel Witsel, und Steven Defour rezitiert: „Als Meister haben wir nicht mehr Rechte, sondern mehr Pflichten.”

Die Ursachenforschung für den holprigen Start führt zu einer arrogant wirkenden Spielweise, zu nonchalantem Umgang mit Torchancen - und natürlich zu Oguchi Onyewu. Der US-Nationalverteidiger, zuvor bereits von Werder Bremen, Borussia Mönchengladbach und vom 1. FC Köln umworben, machte sich beim Confederations Cup noch interessanter und wechselte ablösefrei zum AC Mailand. Nach Dante, der sich bereits im Winter für Gladbach entschieden hatte, war Standard auch den zweiten herausragenden Innenverteidiger los.

„Er war unser letzter Leader”, sagt Laszlo Bölöni. „Wenn wir in Europa bestehen wollen, müssen wir natürlich noch etwas investieren.” Lüttich ist automatisch für die Gruppenphase der Champions League qualifiziert und könnte mehr Stabilität gebrauchen, um nicht als Kanonenfutter über den Kontinent gejagt zu werden.

Aus dem letztjährigen Rekordtransfer von Marouane Fellaini (für 18,5 Millionen Euro zum FC Everton) liegt noch etwas auf der hohen Kante. Der belgische Nationalspieler Jelle van Damme entschied sich vor ein paar Wochen, doch in Anderlecht zu bleiben; auch der Brasilianer Mauricio Ramos wird die Sorgenfalten nicht glätten. Der 24-Jährige sagte kurzfristig ab und will lieber in seiner Heimat mit Palmeiras „Geschichte schreiben und Meister werden”. Ob wenigstens Bruno Recife von Sao Caetano anheuert, glauben die Fans erst, wenn er tatsächlich auf dem Trainingsplatz steht.

Immerhin konnte Standard auch in diesem Jahr dem Werben um seine drei Stars standhalten. Der FC Liverpool umschwärmte Steven Defour als Nachfolger von Xabi Alonso (zu Real Madrid), der VfB Stuttgart legte viel Energie in die Verpflichtung des Lütticher Sturm-Duos.

Sportdirektor Horst Heldt reiste alleine für Dieumerci Mbokani drei Mal an die Maas, der Kongolese hätte 4,5 Millionen statt 220.000 Euro jährlich verdienen und der Klub 17 Millionen Euro Ablöse einstreichen können. Für Luciano D´Onofrio nicht verhandelbar: Wenn der Vizepräsident und starke Mann bei Standard seine Vorstellung hat (in diesem Fall 25 Millionen), dann geht er keinen Cent runter. Und so platzte auch der Transfer des Serben Milan Jovanovic - bei einem Angebot von sechs und einer Forderung von 7,5 Millionen Euro.

Laszlo Bölöni vermutet, dass seiner Mannschaft die Champions League „zu sehr durch den Kopf schwirrt”. Für den RSC Anderlecht hat sich das Thema mit dem grandiosen Scheitern in der Qualifikation gegen Olympique Lyon (1:5 und 1:3) erledigt. Die Meister-Revanche am Sonntagabend - ein Duell der Angezählten.

Selbst der 14. kann noch in den europäischen Wettbewerb einziehen

Die „Jupiler Pro League”, Belgiens 1. Liga, wurde zu dieser Saison von 18 auf 16 Klubs reduziert. In der ersten Phase gibt es eine klassische Hin- und Rückrunde mit 30 Spieltagen. Die ersten Sechs übernehmen anschließend die Hälfte ihrer Punkte.

Allerdings wird abgerundet: Aus z.B. 30,5 Zählern werden 30. Die Vereine spielen in Hin- und Rückrunde jeweils zehn Partien. Der Gewinner der Play-offs ist Meister und nimmt, wie der Tabellenzweite, an der Qualifikation zur Champions League teil. Der Dritte startet in der Europa League, der Vierte (oder Fünfte, falls einer der ersten Vier den belgischen Pokal gewinnt) trifft in einem Entscheidungsspiel um den letzten Platz in der Europa League auf den Gewinner der Play-offs II.

Der Siebte bis 14. beginnen nach der Normalrunde wieder bei null Punkten. Die acht Klubs werden in zwei Vierergruppen aufgeteilt: der Siebte, Neunte, Zwölfte und 14. in einer Gruppe, der Achte, Zehnte, Elfte und 13. in der anderen. Jeder Verein spielt in Hin- und Rückrunde sechs Partien.

Die Gruppensieger ermitteln in Hin- und Rückspiel den Gegner des Tabellenvierten der Play-offs I um das letzte Europa-League-Ticket. Der Tabellen-15. spielt in der Relegation gegen den Zweiten, Dritten und Vierten der 2. Liga. Der Tabellen-16. steigt direkt ab.