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Valkenburg: Rad-WM: Tony Martin gelingt „Höllenritt”

Valkenburg : Rad-WM: Tony Martin gelingt „Höllenritt”

Den ersten kleinen Triumph feierte der alte und neue Zeitfahr-Weltmeister der Radprofis schon nach 31 der 46,3 Kilometer langen WM-Strecke von Heerlen nach Valkenburg.

Tony Martin, der seinen Titel von Kopenhagen 2011 am Mittwoch in beeindruckender Manier auf den Straßen von Süd-Limburg verteidigte, überholte den zwei Minuten vor ihm gestarteten Vuelta-Sieger und wohl überschätzten Mit-Favoriten Alberto Contador mit Leichtigkeit.

Später, nach dieser Szene gefragt, legte sich ein Lachen auf Martins Gesicht: „Da wusste ich, dass ich auf einem guten Weg bin.” Überrascht sei er gewesen, Contador schon so früh eingeholt zu haben. „Das hat mir eine Menge Motivation gegeben”, sagte der 27-jährige gebürtige Cottbuser und Wahl-Schweizer.

Während der Jagd gegen die Uhr stellte sich schon frühzeitig heraus, dass ein ganz anderer Martins gefährlichster Kontrahent um die Zeitfahr-Krone war, den er selber allerdings auf seinem Zettel ganz oben stehen hatte. „Ich denke, Taylor Phinney wird mein größter Rivale sein”, sagte der nun zweifache Weltmeister auf einer Hochglanzseite des offiziellen WM-Magazins, die ihm gewidmet ist.

Der US-Amerikaner und Olympia-Vierte von London war als drittletzter Starter der Konkurrenz aus 58 Profis auf die schwere Strecke gegangen. Am Ende legte er Martin eine „Höllenzeit” vor. Die Uhr blieb für Phinney im Ziel auf dem Rijksweg, anderthalb Kilometer hinter dem brutal steilen Cauberg, bei 58 Minuten und 44,13 Sekunden stehen. Zwischen ihm und dem drittplatzierten Weißrussen Vasil Kirjienka (1:00:23,75 Stunden) lagen mit knapp 1:40 Minuten Abstand ganze Welten.

Doch Tony Martin, beflügelt auch vom gelungenen Coup gegen Contador, der Neunter wurde, setzte noch einen obendrauf. Für ihn blieb die Uhr bei 58:38,76 Minuten stehen. Winzige 5,37 Sekunden Vorsprung reichten zur Titelverteidigung. Der „Höllenritt” war gelungen. In Kopenhagen 2011 hatte Martin die diesmal abwesenden Bradley Wiggins und Fabian Cancellara über eine Minute hinter sich gelassen.

Zwei Finger reckte Martin im Ziel in die Höhe als Zeichen seines zweiten Streichs nach Kopenhagen. Dann fiel er fast von seiner Zeitfahr-Maschine, legte sich platt auf den Asphalt, war völlig fertig. Zwei seiner Helfer stellten ihn wieder auf die Beine. „Ich war am Ende tot. Das war vor allem auf den letzten Kilometern das härteste Zeitfahren meiner Karriere.”

Auf dem welligen, kurvenreichen und teils regennassen Kurs legte der Weltmeister einen Schnitt von fast 47 Kilometern die Stunde auf die Straßen, an denen tausende Zuschauer ein Fest feierten, das mit dem Erfolg des Silbermedaillen-Gewinners von London seinen Höhepunkt fand. „Dieser Sieg ist für mich ähnlich wichtig wie mein erster Titel im vorigen Jahr in Kopenhagen, weil ich mit dem Handbruch bei der Tour de France in diesem Jahr soviel Pech hatte”, freute sich Martin - trotz Abwesenheit der beiden Protagonisten Cancellara, dem viermaligen Weltmeister und Peking-Olympiasieger aus der Schweiz, und Wiggins, der nach seinem Tour-de-France-Sieg Zeitfahr-Gold in London geholt hatte.

„Weil sie heute nicht gefahren sind, war der Druck für mich besonders groß. Jeder hat doch schon vorher gesagt, nur ich könne gewinnen.” Diesen Druck aber hatte Martin auch selber aufgebaut. Noch am Dienstag hatte er den Journalisten sein Ziel für den folgenden Tag in die Notizblöcke diktiert: „Alle Erwartungen unterhalb von Gold sind fehl am Platz.” Das hätte auch als „Drohung” der Konkurrenz gegenüber interpretiert werden können. Martin, seit letzten Sonntag mit seinem Team Omega Pharma-Quickstep auch Team-Weltmeister, setzte die „Drohung” beeindruckend um, holte WM-Gold.

Der geschlagene Taylor Phinney sagte enttäuscht : „Es schmerzt, so knapp gegen einen so großen Champion wie Tony zu verlieren.”