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Nürnberg: Pflänzchen Hoffnung bekommt neue Nahrung

Nürnberg : Pflänzchen Hoffnung bekommt neue Nahrung

Er wollte Blockaden lösen, Selbstvertrauen geben, Ängste nehmen. Und er hatte die Hoffnung, dass wie so oft nach einem Trainerwechsel die Wende zum Positiven gelingt - und der erste Auswärtssieg dieser Saison.

Doch auch Horst Köppel ist kein Wunderheiler. Aber: Borussia Mönchengladbachs bewährter Interimstrainer ist zumindest ein Heiler. Einen Punkt hat sein Team verdient beim 1. FC Nürnberg geholt, liegt damit zwei Punkte vor einem Abstiegsplatz. Und das Wichtigste: Die elf Spieler auf dem Platz präsentierten sich wieder einmal als Fußball-Mannschaft.

„Der Auftritt lässt mich optimistisch in die Zukunft schauen”, sagte Horst Köppel, der „ein 0:0 der besseren Sorte” gesehen hatte. „Es gab viele Chancen, ein 2:2 oder sogar 3:3 wäre auch möglich gewesen.” Des Trainers Fazit: „Ich bin jetzt mehr denn je vom Klassenerhalt überzeugt.”

Auch Peer Kluge, wieder einmal einer der besten Borussen, stimmte dem Trainer zu. „Wir hätten gewinnen können, hatten die besseren Chancen. Wenn man das heute gesehen hat, kann man wieder an uns glauben.”

Was hatten die 43019 Zuschauer im Frankenstadion gesehen? Eine gut geordnete Borussia, die sicher stand, zeitweise mutig nach vorne spielte, in keiner Phase ängstlich wirkte. Und Chancen hatte.

Doch es war nicht der Tag von Oliver Neuville, der zu lasch schoss (21.), einen Schritt zu spät gegen den starken Torwart Raphael Schäfer kam (44.) oder sich den Ball zu weit vorlegte (55.). Zudem scheiterte der fleißige aber glücklose Vaclav Sverkos an Schäfer, Nürnbergs Bestem (36. und 60.).

Die allerallerallerbeste Chance seit Monaten hatte indes Bernd Thijs, der wie Greg Moore - sah die fünfte Gelbe Karte und fehlt gegen Stuttgart - und Filip Daems für die verletzten Böhme und Sonck sowie van Kerckhoven ins Team gerückt war.

Nach einem Eckball und einem abgewehrten Kopfball stand er völlig frei, mitten vor dem Tor - und drosch das Leder aus zwölf Metern über den Kasten (61.). Die rund 5000 ständig feiernden Fans verzweifelten.

Borussia war in keinem guten, aber spannenden Spiel die bessere Formation, hatte dennoch Glück. Weil Torwart Kasey Keller in seinem bisher besten Spiel für die Borussia zweimal spektakulär gegen Marek Mintal parierte. Sensationell wars, wie der US-Amerikaner bei den platzierten Schüssen des Bundesliga-Torjägers Nr. 1 zur Stelle war (33. und 83.). Keller blieb bescheiden („Dafür stehe ich im Tor”), sein Team im Keller der Liga - aber es ist wieder voller Hoffnung.

„Wir steigen nicht ab”, sagte Jeff Strasser wie nach jedem Spiel, „ich glaube an die Mannschaft.” Das muss er natürlich als Kapitän, doch das zarte Pflänzchen Hoffnung blüht zu Recht.

Pander ohne Angst

„Man muss zufrieden sein”, fasste Sportdirektor Peter Pander die ersten 90 Minuten seiner Amtszeit zusammen, „wichtig ist, dass wir uns als Team präsentiert haben. So habe ich auch keine Angst vor dem Restprogramm.”

Ausgewiesenen Experten, die noch schwärzer als schwarz und die Borussia im Steilflug Richtung Liga 2 sehen, entgegnet Pander: „In den letzten vier Spielen sagt das Restprogramm gar nichts aus. Nach dieser Leistung, einer kommenden ruhigen Woche und mit 50.000 Fans im Rücken ist Samstag gegen Stuttgart alles möglich!”

Hat da ein Borusse „ruhige Woche” gesagt? Zwei Fremdwörter der jüngeren Vergangenheit - aber es hört sich gut an: „Ruhige Woche”! In der Horst Köppel weiter arbeiten kann. Sein Aufgabengebiet hat sich nicht geändert: Blockaden lösen, Selbstvertrauen geben, Ängste nehmen. Nürnberg kann nur der Anfang gewesen sein.