Aachen: Pendler zwischen den Trainerwelten

Aachen: Pendler zwischen den Trainerwelten

Das Spiel war aus. Reinhold Yabo hatte den Blick nach vorne gerichtet, und man meinte, Gewitterwölkchen um seinen Kopf zu sehen. Wieder hatte die Mannschaft ihre Punktebeute in Frankfurt nicht rechtzeitig in die sichere Höhle gebracht.

Die Mannschaft hat ein eigenartiges Talent entwickelt, sich auf der Zielgeraden um die Belohnung zu bringen. Yabo schaute nach oben. „Zu meinem Herrn, denn er ist immer bei mir, auch in den dunkelsten Stunden.” Man muss die Sätze von Yabo schon fast hören, um seine Überzeugung mitzubekommen. Der Glaube ist das Kraftfeld des 19-Jährigen.

Die Dinge haben sich vordergründig gut entwickelt für den Leihspieler des 1. FC Köln, der regelmäßig aufgestellt wird. Der 19-Jährige hat eine andere Rechnung. „Die Lage ist furchtbar. Das komplette Gegenteil von dem, was wir alle erwartet haben, ist eingetreten.” Alemannia taumelt. Yabo ist vermutlich nur auf der Durchreise in Aachen, aber dennoch bestehen keine Zweifel, dass sich der junge Profi mit seinem Arbeitgeber in hohem Maße identifiziert. Er leidet mit.

Im Schnelldurchlauf muss er nun erleben, welche Schattenseiten der Beruf bereithalten kann. Für einen, der mit 17 bereits Jugend-Europameister war, der meistens auf der Sonnenseite als Profi stand, ist „das eine kostbare Erfahrung”, sagt er selbst. Lernen im Schnelldurchlauf. Abstiegskampf als „Ich muss jetzt mit negativem Druck auskommen.” Abstiegskampf als zu bestehende Herausforderung.

Das Ausbildungsjahr in Aachen bietet unerwartete Lektionen für den gebürtigen Aldenhovener. Zu Saisonbeginn grassierte in seinem neuen Klub der Jugendwahn. Im Zweifel bekam immer der jüngere Konkurrent den Einsatzbefehl von Trainer Peter Hyballa. Es spielten meistens Jungs, die an der Kinokasse noch nach ihrem Ausweis gefragt wurden. In Zeiten wachsender Not wurde auch das schöne Konzept vom Ausbildungsverein Alemannia hastig in die Schublade gestopft. Philosophie war gestern. Die einzige gültige Überschrift lautet nun „Klassenerhalt”. Mit dem Trainerwechsel wird das Team zunehmend älter. Im Zweifel bekommt nun der erfahrene Konkurrent den Einsatzbefehl von Trainer Friedhelm Funkel.

Reinhold Yabo ist ein Pendler zwischen den Welten, nahezu der einzige Nachwuchsspieler, der unverändert regelmäßig in der Startelf steht. Ihm gehorcht der Ball wie ein dressiertes Hündchen, er kann Räume mit klugen Pässen wunderbar aufschließen. Yabo gilt als feiner, fast schon zu feiner Spieler, der gerade lernt, sich in der Ellenbogengesellschaft 2. Liga zu behaupten.

Die Mannschaft, der monatelang primär spielerische Lösungen beigebracht wurden, leidet nun ab und an unter ihrer Ausbildung. „Unter Druck muss man einfache Mittel anwenden”, predigt Funkel, „man muss situationsbedingt handeln.” Auch Yabo fühlt sich da angesprochen, weil er in Dresden Sekunden vor Schluss eher elegant als brachial eine Lösung suchte und Alemannia in der Folge noch den Sieg wegwarf. In der Kabine bekam er Trost von seinem Kapitän. „Jeder große Spieler muss durch solche Täler gehen, um zu reifen”, flüsterte ihm Benny Auer ein.

Die Leichtigkeit ist Yabo und der Mannschaft abhanden gekommen, strenggenommen wurde sie in dieser Saison nicht mal gesichtet. „Es ist schwierig, Spaß zu haben in dieser Tabellenregion.” Was bleibt, ist der Glaube. An seinen Gott, aber auch an seine Mannschaft. „Wir schaffen es, wenn wir an einem Strang ziehen.” Das sei nicht immer in dieser Saison der Fall gewesen, hat Yabo beobachtet.

In Karlsruhe folgt nun der nächste Anlauf, die grassierende Tristess im Verein zu durchbrechen. Mit einem Sieg könnte Alemannia am KSC vorbeiziehen.Kurzfristig ist neben Kevin Kratz noch Mirko Casper (Magen-Darm) ausgefallen, so dass Mario Erb und Alper Uludag wieder in den Kader aufrücken.

Großartige Versprechungen will ein so ernsthafter junger Mann wie Yabo vor dem nächsten „richtungsweisenden Spiel” (Funkel) nicht abgeben, nur so viel: „Arbeiten, kämpfen und laufen geht in jeder Situation ohne jede Ausrede.”

KSC hat „Nachlizenz” bereits in der Tasche

Natürlich hat auch der Karlsruher SC bereits seinen Trainer getauscht. Jörn Andersen hat Anfang des Monats den Trainerraum von Rainer Scharinger übernommen. Der Norweger feiert am Samstag im Wildparkstadion seine Heimpremiere. Seine Premiere in Paderborn endete zwar mit einer Niederlage, „aber ich habe erste Fortschritte bereits gesehen”, lobte er selbst seine Arbeit.

Vor allem die löchrige< Defensive will Andersen in den nächsten Wochen verbessern. „Unser Ziel gegen Aachen muss es sein, das Spiel nach vorne zu machen. Wir müssen versuchen, noch offensiver zu spielen, uns mehr Chancen erarbeiten.” Der Tabellen-15. muss auf Simon Uoller, Florian Lechner, Christian Timm und Dirk Orlishausen verzichten, dafür ist Delron Buckley wieder fit.

Und einen Vorsprung hat der KSC gegenüber Alemannia: Der Klub hat das Nachlizensierungsverfahren bereits erfolgreich bewältigt.

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