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Marbella: Peer Kluge: „Mit 23 kann ich noch nicht alles”

Marbella : Peer Kluge: „Mit 23 kann ich noch nicht alles”

Nationaltrainer Michael Skibbe hat schon ein Auge auf ihn geworfen und vor der Saison den Namen „auf den Markt geworfen”.

Doch für Peer Kluge verlief die Hinrunde in der Fußball-Bundesliga alles andere als erfolgreich. Borussia Mönchengladbachs Stratege war häufig verletzt. Zum Abschluss des Trainingslagers sprach unser Redakteur Bernd Schneiders mit dem gebürtigen Chemnitzer.

Hans Meyer hat gesagt, aus Ihnen könnte ein richtig Großer werden. Wie lange dauerts noch?

Kluge: Irgendwann muss man aus der Zukunfts-Rolle rauswachsen. Ab einem bestimmten Alter ist man kein Talent mehr. Entweder du schaffst es, oder du bleibst stehen.

Sie sind 23. Brechen nun die Tage der Entscheidung an?

Kluge: In der nächsten Zeit kommt die Phase, in der man erkennen kann: Geht es weiter nach oben oder bleibe ich stehen?

Für Sie ist diese Vorbereitung viel wichtiger als für Ihre Kollegen.

Kluge: Das stimmt. Ich hoffe, ich kann sie diesmal durchziehen, ohne mich zu verletzen. In der Hinrunde war eigentlich der Dezember der erste Monat, in dem ich durchtrainieren konnte.

Der sichere Pass von Ihnen fand nicht immer ungeteilten Beifall.

Kluge: Von der Tribüne sieht die ein oder andere Situation schon mal anders aus. Unten geht es sehr, sehr schnell. Aber in einigen Spielen habe ich auch bewusst den sicheren Pass vorgezogen, weil wir zuvor viel zu viele Fehlpässe produziert haben. Vielleicht aber muss ich mich auch ein wenig umstellen. Im Training versuche ich es schon abzustellen.

Was missfällt Ihnen denn am Begriff Spielmacher?

Kluge: Nichts. Nur: Ich bin keiner. Viele haben mich schon drauf angesprochen. Man sieht mich mehr als Fußballer. Aber eigentlich bin ich ein Defensivspieler. Vor der Abwehr spiele ich am liebsten. Trotzdem erwartet jeder von mir die Super-Aktionen nach vorn. Was aber stimmt ist, dass ich zuletzt nicht gut gespielt habe.

Ist denn die Wahrnehmung der Beobachter durch Ihre ersten zwei guten Jahre anders geworden?

Kluge: Vielleicht. Aber ich habe immer so gespielt.

Sie haben unter Ewald Lienen gespielt, obwohl Sie nicht fit waren. Anschließend sind Sie auch von ihm stark kritisiert worden.

Kluge: Vielleicht war es ein Fehler, aufzulaufen. Das ist ein Lernprozess, zu merken, dass ich weder dem Team noch mir helfe, wenn ich Trainingsrückstände habe.

Wie hat sich denn der Mensch Peer Kluge in den letzten zweieinhalb Jahren entwickelt?

Kluge: Ich habe mich fußballerisch aber auch menschlich weiterentwickelt. Ich bin viel selbstbewusster und offener geworden. Es war der richtige Schritt, so früh von zu Hause wegzugehen. Die erste Zeit war hart: Aus der gewohnten Umgebung raus, alle Freunde weg, die Familie nicht da, Hotelleben. Inzwischen aber fühle ich mich pudelwohl. Die Mannschaft hat es mir auch sehr leicht gemacht.

Die so genannten Säulen in der Mannschaft sind alle im höheren Alter. Und die findet man auch im Mannschaftsrat wieder. Benötigen die Jungen keinen Abgeordneten?

Kluge: Sie besitzen das Vertrauen der Mannschaft. Wenn wir meinten, jemand anders müsste dazustoßen, würden wir darüber reden, und dann würde es so gemacht. Unter Ewald Lienen gehörten auch Bernd Korzynietz und ich dazu. Aber auch so fühlen wir uns gut vertreten.

Sie sind ein stiller Typ. Können Sie denn irgendwann in den Führungszirkel auch auf dem Platz vorstoßen?

Kluge: Ich bin schon ein ruhiger Typ. Es ist sehr schwer, mich zu provozieren. Ich kann mich nicht erinnern, einmal richtig ausgerastet zu sein. Nicht mal als Kind. Man kann trotzdem allen Blödsinn mit mir anstellen. Aber sicherlich muss ich noch dazulernen, mich weiterentwickeln. Fußballerisch, aber auch sonst. Vielleicht bin ich in zwei Jahren so weit. Mit 23 kann ich noch nicht alles. Ich bin eben immer noch ein junger Spieler.