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„Papa Ungnädig” weiter ohne Wunschkinder

„Papa Ungnädig” weiter ohne Wunschkinder

Nachspiel in der Tivoli-Cafeteria: Mönchengladbachs Sportdirektor Christian Hochstätter zieht seinen Freund und Trainer Holger Fach hinter die Werbe-Stellage: Heftig, mit finsterer Miene und sichtlich erbost redet Hochstätter auf seinen Mitstreiter ein.

Ohrenzeugen gibt es nicht. Doch das Thema des Disputs gibt die Chronologie des Abends vor: Nur Sekunden zuvor hatte Fach seine bereits in der Pressekonferenz geäußerte Kritik an der Mannschaft im „kleinen Kreis”, aber deshalb nicht weniger öffentlich noch einmal gesteigert.

„Das ist eine Sache der Qualität”, „Diejenigen, die den Spielern Klasse einsuggerieren, lügen”, „Seit drei Jahren treten wir auf der Stelle und spielen gegen den Abstieg”, „Es ist doch bezeichnend: Der einzig konstante Spieler ist Enrico Gaede, und der kommt von den Amateuren”.

Verbaler Amoklauf oder bewusstes Kalkül? Was war zuvor passiert, dass der Fußball-Lehrer plötzlich den Stab über seiner Mannschaft bricht, die doch für die kommenden Aufgaben im Kampf gegen den Abstieg intakte Nerven besitzen muss?

Eine Halbzeit hatte man die Alemannia beherrscht, bis zum Freistoßtor. In der zweiten Hälfte zitierten die Borussen ihre bekannte spielerische Armut bei der Aufgabe, wie werde ich mit einem defensiven Gegner fertig. Doch dieses Problem hat Gladbach nicht exklusiv.

Die Überflieger-Mannschaft der Ersten Liga, Werder Bremen, wendete einen Tag zuvor gegen einen gegen den Abstieg kämpfenden Zweitligisten erst im letzten Moment die Pokal-Blamage ab - übrigens im Heimspiel.

„An so einem Abend, an dem so viel auf dem Spiel steht, sagt man schnell mal Dinge, die man einen Tag später etwas gelassener beurteilt”, versucht Hochstätter den Rundumschlag seines Trainers zu erklären. „Ich habe uns nicht so schlecht gesehen, wie wir gemacht wurden.”

Was den Sportdirektor mächtig wurmt, sind die Fallstricke, die erst die DFL, im Spiel selbst dann noch mal Schiedsrichter Edgar Steinborn ausgeworfen haben, sein Trainer aber großzügig als Alibis ablehnte.

Trotz Protestes ein Sonntagsspiel in der Liga, obwohl man drei Tage später im Pokal gegen einen Gegner mit zwei Tagen mehr Ruhepause antreten muss, zwei nicht gegebene Handelfmeter, die gekrönt werden von der Steinbornschen Aussage „Ich habe es gesehen, aber sie waren nicht absichtlich”.

„Das ist eine Geschichte, die geht so nicht”, schimpft Hochstätter. Dabei geht es dem Manager nicht darum, sich hinter den eklatanten Fehlentscheidungen zu verstecken.

Das machte er lieber, als Alemannen-Coach Jörg Berger süffisant bei der Pressekonferenz bemerkte: „Wir haben mehr Aufwand betrieben.”

Das unterstellte Schon-Programm von einem, der in den Genuss zweier zusätzlicher Erholungstage gewesen ist, trieb Hochstätter erst auf die Palme, dann aus dem Presseraum heraus. „Es war doch keiner dabei, der nicht versucht hat, ins Finale zu kommen”, nimmt der Ex-Profi sein Spieler in Schutz. „Es geht nicht um Schön-Malerei. Aber um einen gesunden Mittelweg bei der Kritik - auch wenn ich damit vielleicht allein stehe.”

Zumindest ohne seinen Trainer. Der lebt seine für die Medien ideale Liebe zur verbalen Züchtigung seiner Anempfohlenen weiter kräftig aus.

Zu Beginn seiner Amtszeit hatte er eingedenk der Lienen-Ära für sich reklamiert, seine Spieler nicht wie Kinder behandeln zu wollen. Mittlerweile aber zeigt sich Holger Fach als „Papa ungnädig”.

Nicht gerade förderlich für die eh durch die eingeleitete Aussortierung von Arie van Lent und Jörg Stiel sowie Max Eberl zerstörte Mannschafts-Hierarchie. Seine verprügelte Kinderschar muss es trotzdem am Samstag gegen den HSV richten.

Fehlen werden Fach weiterhin die Wunschkinder: „Wir haben keine Kerle.”