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Aachen: Paderborn kommt ohne Torwart aus

Aachen : Paderborn kommt ohne Torwart aus

Die Reaktion von Erik Meijer fiel ins Wasser. Alemannias Geschäftsführer bevorzugte einen Segeltörn an diesem Wochenende. Sein Team geht in die heißeste Phase, sein Verein steht vor einer existenziellen Ratssitzung, aber Meijer gönnt sich einen Urlaub, was für einige hochgezogene Augenbrauen bei Alemannias Funktionären sorgte.

Verpasst hat Meijer ein ziemlich trostloses Spiel, das Aachen gegen den SC Paderborn verlor. Das 0:3 war nur eine von mehreren schlechten Nachrichten. Zudem verlor das Team auch noch Albert Streit (Gelb-Rot) und Seyi Olajengbesi (Rote Karte). Und noch ein besorgniserregender Trend: Die Mannschaft hat nun sieben torlose Halbzeiten hinter sich. Sie leidet wieder an ihrer Harmlosigkeit wie exakt zu diesem Zeitpunkt in der Hinrunde.

Das Team kann inzwischen meist sehr kompakt verteidigen, aber es baut nur selten Druck auf, kreiert kaum Chancen, ist ziemlich harmlos. Paderborns Keeper Lukas Kruse hätte an diesem Nachmittag bedenkenlos seine Mails in der Kabine checken können, nicht ein einziger Ball flatterte direkt auf sein Tor.

Aachens Trainer Friedhelm Funkel wollte auf die Mängelliste zumindest öffentlich nicht eingehen. Vielmehr reagierte der erfahrene Coach besonnen und wohl auch pädagogisch: „Die Mannschaft braucht wohltuende Worte. Sie gehört nicht in den Senkel gestellt, weil sie Willen zeigt. Nur ist sie heute an einem eindeutig besseren Gegner gescheitert.” Aufstrebende Teams wie Paderborn starten derzeit in einer anderen Gewichtsklasse. „Wir müssten unsere Punkte gegen die direkten Konkurrenten holen”, sagt Funkel. „Alles andere sind Bonuspunkte.”

Gegen den SC Paderborn war die Aussicht auf nach fünf munteren Minuten verpufft. Nach zwei Minuten verhinderte Rechtsverteidiger Wemmer in letzter Sekunde, dass Albert Streit dicht vor dem Tor nur noch einschieben musste. Benny Auer köpfte noch einen Eckball übers Tor (4.).

Doch dann wurden die Hausherren zögerlich, dosierten das Risiko. „Paderborn hat keine Kreativität von uns mehr zugelassen”, beobachtete Funkel. Der Ball wurde nur noch weit übers Restgrün gedroschen, gelungene Kombinationen fehlten. „Fußballerisch war das sehr wenig”, bedauerte Kapitän Benny Auer, der am Ende der gestörten Produktionskette ziemlich verloren stand. „Unser Spiel nach vorne war limitiert.”

Die Gäste zeigten die flüssigeren Kombinationen - aber sonderlich zielführend waren auch sie zunächst nicht. Bis zum Wechsel begegneten sich die Teams auf Augenhöhe. Die beste Gelegenheit spendierte Aachens Verteidiger Shervin Radjabali-Fardi mit einem unfassbaren Fehlpass. Paderborns Mittelstürmer Nick Proschwitz prüfte Keeper Boy Waterman mit einem Aufsetzer (9.). Es war die letzte Aktion des besten Torjägers in der 2. Liga. Nach einem Zusammenprall mit Seyi Olajengbesi wurde er mit Jochbeinbruch (ca. drei Wochen Pause) ausgewechselt.

Die Zuschauer spendeten noch aufmunternden Beifall, als die erste Halbzeit abgepfiffen wurde. Es hätte ja auch besser werden können. Stattdessen umkurvte Mehmet Kara Seyi Olajengbesi im Mittelfeld wie einen abgestellten Betonsack, seinen Schuss wehrte Waterman noch ab, im zweiten Anlauf gelang Matthew Taylor die Führung der Gäste - 0:1 (55.). Das war nur der erste Streich, Kara überraschte Waterman von der rechten Seite, das 2:0 (62.) war für Taylor eine leichte Übung.

Funkel holte seine Rakete aus dem Depot: David Odonkor ersetzte den schwachen Kevin Kratz. Sein anderer Außenspieler im Mittelfeld machte dann auch nicht mehr mit. Albert Streit schlug wütend auf den Ball nach einer Entscheidung gegen sich, der nervend kleinlich pfeifende Schiedsrichter Patrick Ittrich erinnerte sich an dessen Vorstrafe und schickte ihn mit Gelb-Rot vom Platz (74.).

„Wenn sich ein Spieler über sich ärgert, muss man nicht zwingend so reagieren”, war Funkel nicht einverstanden mit der Matchstrafe. Und auch den Platzverweis für seinen unsicheren Abwehrchef Seyi Olajengbesi nur vier Minuten später akzeptierte er nicht. Der hatte vor einem Freistoß Paderborns Kapitän Krösche auf den Fuß getreten. „Unabsichtlich beim Zurückgehen”, urteilte Funkel. Später war er noch einsamer, sein Co-Trainer Christoph John wurde reklamierend auf die Tribüne geschickt.

Und doch wurde die Schiedsrichter-Debatte am Tivoli diesmal nur auf kleiner Flamme geköchelt, zu eindeutig waren die Verhältnisse an diesem Tag. „Ich mache meinem Team keinen Vorwurf”, urteilte Friedhelm Funkel, als die Serie von acht niederlagenfreien Spielen beendet war. „Die Mannschaft will, aber sie ist eben an ihre Grenzen gestoßen.”

In der Schlussphase hätten die Gäste Aachens Torverhältnis noch weiter ramponieren können, aber lediglich Alushi gelang noch das 0:3 (89.).