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Mönchengladbach: Nur für Mikael Forssell war es ein „End-Spiel”

Mönchengladbach : Nur für Mikael Forssell war es ein „End-Spiel”

Es war ein Nachmittag der Gesten. Morten Skoubo eröffnete den Reigen schon während des 4:1-Rettungsspiels von Borussia Mönchengladbach über Werder Bremen. Hand aufs Herz, Zeigefinger nach oben: Nach seinem Kopfball-Treffer zum 2:0 erstarrte er zur Statue.

„Das habe ich mir vorher mit Mikael Forssell ausgedacht.”

Aber auch nach der Triumph-Starre erwies sich der Däne als sehr lebendig. Mit dem 3:0 gelang dem Jütländer sein erster Doppelpack, und er wurde bei den anschließenden Feierlichkeiten von den Kollegen nur noch liebevoll-ironisch „Torjäger” genannt.

Den klubinternen Titel kann er sich (4 Saison-Tore) in der kommenden Spielzeit verdienen. Anders als sein Kumpel Mikael Forssell.

Für den finnischen Ausnahme-Stürmer war das 4:1 wohl der letzte Treffer im Trikot der Borussia. Ein Hauch von Weltklasse streifte den Bökelberg für knapp ein halbes Jahr.

Doch der Glanz war nur geliehen. „Ich habe noch zwei Jahre Vertrag bei Chelsea”, beantwortete Forssell geduldig die 1001. Frage nach seiner Zukunft. Daran kann auch die geballte Zuneigung der Gladbach-Fans nichts ändern. Der 22-Jährige kämpfte mit den Tränen und schluckte heftig, aber „ich bin Profi”!

Ein gestandener obendrein, der nach dem Schlusspfiff aber schnell die Bodenhaftung verlor. Arie van Lent schulterte den Rotschopf und trug ihn zur Fankurve.

Eben ein Nachmittag der Gesten: „Das war meine Form der Ehrerbietung”, erklärte der Deutsch-Holländer. Nach seinen 12 Toren in der Vorsaison würdigte der Torjäger damit auch eine „Hälfte” seiner Nachfolger.

In der Schlussminute schloss Forssell mit seinem siebten Treffer (in 16 Einsätzen) zu Igor Demo auf. Der sah die Szene sehr „distanziert”. „Ich stand einfach zu weit weg, konnte ihn nicht mehr abgrätschen”, scherzte der Slowake.

Der Mann ist nicht nur witzig, er ist auch raffiniert. Doch das reichte nicht für seinen Trainer. Ewald Lienen sabotierte eine bei freude- und normal trunkenen Fußball-Profis schon zur Tradition gewordenen „Geste”.

„Ich mag kein Bier trinken. Und ich mag auch nicht damit duschen. Igor Demo hat versucht mich abzulenken, Marcelo Pletsch hat sich rangeschlichen - vergeblich”, erzählte Fußball-Lehrer. Antizipieren nennt das der Fachmann.

Die Linie der reinen Askese aber wurde im Laufe der Feierlichkeiten doch aufgeweicht. Bei der vom Fanprojekt organisierten Nichtabstiegsfeier in Unter-Eicken zeigte sich Lienen nicht nur als der konditionsstärkste, sondern auch als Biertrinker.

Besoffen vom letztlich deutlichen Erfolg über die Bremer war der 49-Jährige dennoch nicht. Auch für die kommende Spielzeit mochte er keinen nervenschonenden Verlauf versprechen. „Wenn man die 18 besten Trainer der Welt engagiert, müssen trotzdem drei absteigen.”

Seinen eigenen Verdienst am aktuellen Klassenerhalt hielt Lienen klein. Groß aber dafür seine kollegiale Geste: Gemeinsam mit seinem Vorgänger zelebrierte er vor der Tribüne die Doppel-Welle. „Das ist dein Erfolg, das ist deine Arbeit von Jahren. Du hast die Mannschaft zusammengestellt”, huldigte Lienen Hans Meyer.

Den hatte Gladbachs Zeremonien-Meister Max Eberl von der Tribüne aufs Spielfeld geholt. Und auch zum gemeinsamen Abendessen mit Mannschaft, Spielerfrauen und Präsidium war der Ruheständler geladen.

Von der Fan-Feier aber hielt sich der 60-Jährige fern. „Das reichte aber auch. Fehlte nur noch, dass ich auch noch zur Pressekonferenz gehe.”

Auf der bewies auch Thomas Schaaf Größe. „Glückwunsch! Gladbach ist eine Bereicherung für die Liga.” Doch beim Thema Schiedsrichter hörte die Großherzigkeit des Werder-Trainers auf.

„Der muss weggeguckt haben”, kritisierte er die schwache Leistung von Wolfgang Stark. Der zeigte Marcelo Pletsch für ein Brutalo-Foul an Markus Daun nicht einmal Gelb.

Pletsch Entschuldigung in der Kabine war für den Stürmer ein schwacher Trost: die Bänder sind gerissen.

Auch Frank Verlaat musste nach einer Notbremse an Forssell frühzeitig raus (45.). Die Rote Karte erhält der Holländer auch von Werder: Sein auslaufender Vertrag soll nicht verlängert werden.