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Mönchengladbach: Nur Arie van Lent will kein Frosch sein

Mönchengladbach : Nur Arie van Lent will kein Frosch sein

Nach fünf Minuten schlug Arie van Lent ein Märchenbuch auf: Verwandelter Strafstoß gegen den VfL Bochum, dass musste der Kuss gewesen sein, der aus dem hässlichen Fußball-Frosch endlich wieder den ansehnlichen Prinzen-Fußball machte.

Doch die Mönchengladbacher Profis glaubten wohl selbst nicht an dieses Märchen. Nach gut 30 Minuten zerbröselte das Vertrauen in die scheinbar schlagartig zurückgewonnene Offensiv-Kultur.

Was folgte, war eine erneut enttäuschende Heimvorstellung, ab diesem Zeitpunkt nicht besser als unter Ex-Trainer Ewald Lienen, allenfalls anders schlecht.

„Was erwartet Ihr denn: Wir haben ein halbes Jahr nur rückwärts gespielt”, erklärte Torhüter Jörg Stiel den Rückfall in Lienens Reaktiv-Fußball.

Den Zuschauern bot sich das als planloses Gekicke, garniert mit einem Überangebot von Querschlägern, „Kerzen” und Fehlpässen dar. Nicht nur von der Heimmannschaft.

Ein kollektiver Trikot-Tausch, der wohl aus Kostengründen ausblieb, wäre nach diesem 2:2 angebracht gewesen.

Die Bochumer bewiesen, dass man auch ohne Turbulenzen, wie sie der Bökelberg-Klub in den letzten Tagen erlebte, Fußball jenseits der Schmerzgrenze vollbringen kann.

Lediglich zwei Standard-Situationen sorgten für blau-weiße Lichtblicke: Der eingewechselte Mamadou Diabang (60.) via Unterkante Latte sowie Torhüter Jörg Stiels Rücken und Peter Madsen (89.) verwandelten per Kopf die Freistoß-Vorlagen von Sunday Oliseh.

Der Ausgleich in der Nachspielzeit brachte nicht alle Fans zum Erstummen. Die hatten nach dem 1:2 lautstark entschieden, „Wir haben die Schnauze voll”. In ihrer phonetischen Wut ging in der Nachspielzeit der Ausgleich beinah unter.

„Das tut schon weh. Konstruktive Kritik ist okay, aber das... Immerhin haben wir Moral gezeigt”, ärgerte sich Max Eberl. Schon nach dem Ausgleich erscholl der tumb-teutonische Verzweiflungsruf: „Wir wolln euch kämpfen sehen”. Nie lag die Text-Variante „Wir wolln euch spielen sehen” näher als an diesem Samstag.

„Wir haben fußballerische Probleme. Und die werde ich auch nicht schnell wegzaubern können”, prophezeit Holger Fach. Das durchzieht besonders die Abwehr beim Spielaufbau, und besonders auch das Mittelfeld. „Uns fehlt einer, der die Ruhe bestellt, die Leute richtig stellt.”

Peer Kluge kann diese Aufgabe lösen. Doch der eh angeschlagene Jung-Stratege musste nach 32 Minuten verletzt ausgewechselt werden. Sein Sprunggelenk wird nun eingegipst, er fällt mindestens zwei Wochen aus. „Seine Verletzung war der Bruch in unserem Spiel”, begründete Gladbachs neuer Trainer den rasanten spielerischen Abstieg, der nun folgte.

Der Blick auf die Ersatzbank wird dem Fußball-Lehrer die Tränen in die Augen getrieben haben: Der einzige, der die Kluge-Position vor der Abwehr übernehmen kann, ist Enrico Gaede, Fachs ehemaliger Führungsspieler aus der Amateur-Elf.

„Das Risiko war mir zu dem Zeitpunkt zu groß”, begründete der Coach seine Wahl, die auf Marcel Ketelaer fiel. Das Positionsrücken begann, Ulich rückte in die Mitte, Ketelaer beackerte mit Joonas Kolkka die linke Seite.

Der Finne gab später sogar seinen Einstand als linker Verteidiger gegen Bochums dritten Stürmer Diabang. „Er hat nichts zugelassen”, erhielt Kolkka Trainer-Lob für seine Blitz-Umschulung.

Erfolg zeitigten auch die Gespräche mit Vaclav Sverkos, der mit van Lent die Doppelspitze bildete. Und speziell in der ersten Halbzeit mit einigen Tricks aufwartete, die beinah an Mikael Forssell erinnerten.

So nötigte sein Solo-Lauf aus der eigenen Hälfte Oliseh, den Stürmer zwei Millimeter vor der Strafraumgrenze zu stoppen. Fach hatte den 19-jährigen Tschechen mental aufgerüstet. „Ich habe ihn ermuntert, 1:1-Situationen zu suchen, und ihm gesagt, er dürfe ruhig Fehler machen.”

Die Lizenz zum Patzen müssen einige Sverkos-Kollegen auch auf sich bezogen haben. Die 2:2-Situation des Arie van Lent aber schuf eine neue Kreatur: halb Frosch, halb Prinz. Die Fans fanden die nicht schön...