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Mönchengladbach: Neues „Stummel-Wunder” an der Isar?

Mönchengladbach : Neues „Stummel-Wunder” an der Isar?

Manche Dinge kann man nicht erfinden. Muss man auch nicht. Das erledigt das Fußball-Leben selbst. Da entlässt Bayern München Trainer Jürgen Klinsmann und installiert für fünf Spieltage Jupp Heynckes. Eine Borussia-Ikone - justamente vor dem Gastspiel der Mönchengladbacher.

Und ausgerechnet bei dem für den Traditionsklub vom Niederrhein so wichtigen ersten von fünf Endspielen gegen den Abstieg fehlt gelbgesperrt Alexander Baumjohann, der ab Juli die Lederhosen anzieht - auf Empfehlung seines Ziehvaters Heynckes an Bayern-Manager Uli Hoeneß.

Dann wird Jupp Heynckes allerdings nicht mehr Trainer sein, und Alexander Baumjohann kein Mönchengladbacher mehr. „Natürlich hängt mein Herz an der Borussia. Aber das muss ich leider für 90 Minuten ausschalten”, erklärte der Interims-Coach.

Diese oft beschworene Liebe des Rekordtorschützen der Borussia war nicht so groß, dass er seinem Freund Uli Hoeneß die Bitte um Hilfe ausschlagen mochte.

90 Minuten schaltet er also sein Rauten-Herz aus. Mindestens 90 Minuten müssen Filip Daems & Co. nach der Heimpleite gegen Bielefeld ihres aus den Hosen hoch holen und in die Hand nehmen: Von Klinsmann befreit sind nicht nur Münchens Bäche. Lucio & Co. werden sich die Chance nicht entgehen lassen, für ihr Alibi zu rackern und zu stürmen: Es lag eben doch alles am nassforschen und erneuerungsfreudigen Sunnyboy aus Florida.

Diese Konstellation trifft die Mannschaft von Hans Meyer zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Alle letzten Spiele gegen Abstiegskonkurrenten und sogenannte Gegner auf Augenhöhe gingen voll in die Hose (Bochum, Frankfurt) oder konnten zumindest nicht gewonnen werden (Karlsruhe, Bielefeld). Zehn Punkte hat Borussia also liegengelassen, nachdem zuvor ein deutlicher Aufwärtstrend vom Fußballerischen als auch vom Ergebnis her zu entdecken war. Auch so liegt Mönchengladbach in der Rückrundentabelle noch im Mittelfeld, doch das Tief beim Saisonendspurt plus die Altlast aus der Hinrunde (Meyer übernahm bei 4 Punkten) könnten zum letzten Sargnagel werden.

Die Mischung ist fatal: Gladbachs Kreativ-Abteilung schwächelt seit der Länderspiel-Pause (Baumjohann, Marin), (zu) viele vermeintliche Stützen der Mannschaft leisten sich auch zur Unzeit eine Schaffenskrise. Besonders schmerzlich bei Michael Bradley: Der Muster-Profi aus den USA hatte sich zum Motor der neuen Borussia entwickelt, doch auf der Zielgeraden scheint dem „Verbinder” der Sprit auszugehen.

Nachsicht mit Bradley

Doch auch Bradley verdient Nachsicht. Bundesliga-Neuling wie Marin (20) und Baumjohann (22), ist er auch erst 21. Dass solche Jünglinge sich gleich zu Führungsspielern aufschwingen können, ist zuviel verlangt, auch wenn es speziell bei Bradley zwischenzeitlich so aussah.

Das wahre Problem: Es fehlen echte Alternativen. Und wenn dann auch noch Mister Zuverlässig, Roel Brouwers, Gladbachs Gewinner der Rückrunde, mit Böcken wie in Frankfurt Nackenschläge einleitet, bleibt nicht mehr viel von der kurzfristigen Herrlichkeit. Dabei schien sich die Abwehr gefangen zu haben, doch Meyers Bastelwerk war noch so labil, dass es den Einbau eines neuen Teilstücks nicht vertrug: Innenverteidiger Dante, Borussias 2,5 Millionen teurer „wichtigster Einkauf”, brachte nach über zweimonatiger Verletzung mit „natürlichen” und „unnatürlichen” Anpassungsproblemen die Defensive erneut ins Schwanken. Die einzige Alternative, Gladbachs „enfant terrible” Steve Gohouri, ist verletzt - diesmal wirklich.

Da auch Kapitän Filip Daems und Neuzugang Paul Stalteri ihr Leistungsvermögen nicht durchgängig vollkommen ausschöpfen konnten, blieben nur noch zwei Pfeiler übrig: Torhüter Logan Bailly (23) und Tomas Galasek. Beide schwimmen erfolgreich gegen den Strom und überzeugten. Zu wenig für einen Mannschaftssport, der Fußball nun einmal ist. Zu wenig auch für eine Achse, wenn sie schon im Mittelfeld endet. Dass das aber schon mal zu einem Unentschieden wie in Bremen (1:1) reichen kann, ist nicht auszuschließen: Wunder sind auch mit einem „Stummel-Team” möglich.