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Aachen: Neid-Elf schenkt den Fünfer-Pack ein

Aachen : Neid-Elf schenkt den Fünfer-Pack ein

Steffi Jones, Präsidentin des WM-Organisationskomitees, und Teammanagerin Doris Fitschen dürften den 5:0-Sieg der Frauen-Nationalmannschaft über die Niederlande 19 Tage vor dem Anpfiff der Fußball-WM in Berlin mit Genugtuung registriert haben.

Schließlich standen beide selbst als Spielerinnen auf dem Platz, als vor elf Jahren zum letzten Mal die deutschen Frauen gegen das Oranje-Team verloren haben.

An der Seitenlinie beobachtete Bundestrainerin Silvia Neid in der ersten Halbzeit nur kurz das von ihr vorausgesagte Geduldsspiel: Die Niederländerinnen stellten sich dem Weltmeister mit zwei massierten Abwehrriegeln entgegen. Doch Birgit Prinz & Co. brauchten nur eine Viertelstunde, bis das erste Loch in den Hartkäse gebohrt war: Das schöne Zuspiel von Prinz schlenzte Celia Okoyino da Mbabi, die im Sturm zunächst den Vorzug vor Alexandra Popp erhalten hatte, ins lange linke Eck (15.), und die 11 136 Zuschauer und ihre Familie in der ersten Tribünenreihe feierten den Treffer ausgelassen.

Zwei Minuten zuvor hatte die Stürmerin des SC Bad Neuenahr mit einem Kopfball die holländische Keeperin Loes Geurts gefordert. „Celia hat ein richtig, richtig gutes Spiel gemacht”, lobte Bundestrainerin Silvia Neid. „Aber da kann ich auch noch ein paar andere Namen nennen.”

Ein Kopfball von Simone Laudehr ging über das Tor (18.), einen Drehschuss von Birgit Prinz entschärfte Geurts (23.). Mbabi, erneut bedient von der deutschen Spielführerin, zwang die Oranje-Torfrau mit einem 20-Meter-Schuss zur nächsten Glanztat (28.). Fünf Minuten vor dem Seitenwechsel feuerten die Niederländerinnen dann den ersten Ball ab, der in der Statistik wohl als Schuss aufs Tor gewertet werden wird, aber eher als Gefahr für den Fotografenpulk neben der Eckfahne zu gelten hat.

Eine Einzelaktion der schnellen Oranje-Sturmspitze Marlous Pieete, die Annike Krahn düpierte, machte die unterbeschäftigte Torhüterin Nadine Angerer („Wenn man als Torfrau nichts zu tun hat, dann spricht das für die Qualität der Mannschaft”) zunichte - um dann den Spielzug einzuleiten, der kurz vor dem Wechsel die 2:0-Führung brachte. Der Schuss von Birgit Prinz landete noch in der vielbeinigen Abwehr, der Klärungsversuch endete bei Simone Laudehr, die aus 14 Metern mit links in den Winkel vollendete (43.).

Nach dem Seitenwechsel brachte Bundestrainerin Silvia Neid vier neue Spielerinnen, so dass es eine Viertelstunde dauerte, bis die deutsche Tormaschine wieder auf Hochtouren kam. Die eingewechselte Melanie Behringer und Kim Kulig vergaben noch (60./64.), doch dann zog die ebenfalls neu ins Spiel gekommene Alexandra Popp nach Vorlage von Kulig zur 3:0-Führung ab (71.). Aus kurzer Distanz versenkte Kulig einen Abpraller zum 4:0 (75.) ins niederländische Tor, ehe Inka Grings, ebenfalls später in die Partie gekommen, mit einem fulminanten Freistoß an den Innenpfosten den Schlusspunkt auf dem Spielberichtsbogen zum 5:0-Endstand setzte (87.).

20 Tore in vier Testspielen geschossen, kein einziges hinnehmen müssen. Die Bilanz 2011 der deutschen Fußballfrauen bleibt makellos. Eine Leistung, die auch der Trainer der geschlagenen Niederländerinnen neidlos anerkannte: „Wir kamen nicht so weit, dass wir torgefährlich werden konnten”, räumte Roger Reijners ein. „Wir haben gegen eine Mannschaft verloren, die physisch, von der Spielstärke und der Laufbereitschaft her, klar überlegen war.” Eine Entwicklung, die auf dem Weg bis zur WM wohl noch nicht abgeschlossen ist:

„Wir werden noch spritziger werden”, kündigte Kim Kulig an. „Und dann kann man noch einiges mehr von uns erwarten.” Eine Ankündigung, die die Gegner wenig freuen dürfte.