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Dortmund/Berlin: Nationalteam am Boden zerstört

Dortmund/Berlin : Nationalteam am Boden zerstört

Auch bei der Rückkehr der deutschen Fußball-Nationalmannschaft ins Berliner WM-Quartier waren die Tränen der Spieler noch nicht getrocknet.

Der Schmerz und die Enttäuschung über die bittere 0:2-Niederlage nach Verlängerung im Halbfinale gegen Italien und den geplatzten Traum vom vierten Weltmeister-Titel waren um kurz vor 3.00 Uhr am Mittwoch bei der Ankunft am „Schlosshotel” weiterhin riesengroß. Rund 100 Fans hatten im Grunewald ausgeharrt und feierten Kapitän Michael Ballack & Co.

„Es tut weh, wenn man kurz vor Spielende so einen K.o.-Stoß bekommt”, sagte Bundestrainer Jürgen Klinsmann, der seinen Akteuren schon in der Kabine des Dortmunder WM-Stadions Trost zugesprochen hatte. „Jeder ist am Boden zerstört. Das müssen wir erst mal schlucken. Es ist eine bittere Pille. Doch die Mannschaft kann stolz sein, sie hat ein fantastisches Turnier gespielt und ist in jedem Spiel an ihre Grenzen gegangen. Sie hat ein ganzes Land stolz gemacht”, kommentierte Klinsmann, der nach dem späten italienischen Doppelschlag selbst um Fassung gerungen hatte.

„Es war ein großartiges Spiel. Es ging rauf und runter. Zuletzt waren die Italiener glücklicher und cleverer”, meinte der deutsche WM-Chef Franz Beckenbauer. Fabio Grosso (119.) und Alessandro del Piero (120.+1) schockten die deutschen Anhänger im Dortmunder WM-Stadion sowie die Millionen auf den Fan-Meilen und vor den TV-Geräten mit einem Doppelschlag, der kurz vor dem Erreichen des Elfmeterschießens das Ende der deutschen Final-Träume bedeutete.

Klinsmann zeigte aber auch in dem Moment, in dem die Hoffnungen auf den vierten deutschen WM-Titel neben 1954, 1974 und 1990 zerplatzten, Größe und sportliche Fairness. „Ich mache Italien ein Kompliment. Wir drücken ihnen für Sonntag die Daumen”, sagte er.

Die Italiener greifen im Endspiel von Berlin gegen Frankreich oder Portugal nach ihrem vierten WM-Titel. Der deutschen Mannschaft bleibt nur am kommenden Samstag in Stuttgart das Spiel um Platz 3 gegen den Verlierer des zweiten Halbfinales, das am heutigen Mittwoch in München ausgetragen wird.

Nur kurze Zeit nach dem Schlusspfiff waren es die Fans im Stadion, die ihre Fassung als erste wiederfanden und die weinenden deutschen Spieler trotz der Niederlage mit „Deutschland, Deutschland” -Rufen feierten. „Ich glaube, ganz Deutschland ist stolz, was die Mannschaft erreicht hat und wie sie aufgetreten ist”, sagte Team-Manager Oliver Bierhoff. „Die Leute haben sich wieder gefreut, die deutsche Nationalmannschaft zu sehen”, kommentierte Abwehrspieler Philipp Lahm, der meinte: „Wir waren auf einer Augenhöhe mit den Italienern.”

Ob Klinsmann sein Ziel, auch als Trainer Weltmeister zu werden, neu in Angriff nehmen wird, bleibt ungewiss. „Momentan weiß ich es selber nicht. Ich will jetzt ein paar Tage durchschnaufen. Ich muss mich erst mal selber finden und alles etwas sacken lassen”, sagte der 41-Jährige auf die Frage nach seiner Zukunft als Bundestrainer. „Gebt mir ein paar Momente Zeit.” Seine Entscheidung will er sorgfältig abwägen. „In der nächsten Woche werde ich mich mit meiner Frau zusammensetzen und darüber sprechen”, kündigte er an.

Die Spieler machten sich bereits in ihren ersten Aussagen nach der Partie für eine Zukunft mit Klinsmann stark. Lahm glaubt auch daran: „Ich bin der festen Überzeugung, dass er weitermacht”, sagte der Münchner. „Ich hoffe natürlich, dass er weitermacht”, erklärte der Dortmunder Abwehrspieler Christoph Metzelder: „Das Wichtigste ist aber, dass der DFB eine gewisse Philosophie beibehält, die jetzt angestoßen wurde, unabhängig von Personen.” Klinsmann dachte derweil an die schwierige Aufbauarbeit bis zum „kleinen Finale” am Samstag: „Man muss nun die Jungs wieder aufrichten.”

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