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Mönchengladbach: Nandos Punktlandung im Glück ...

Mönchengladbach : Nandos Punktlandung im Glück ...

Ein Tor - und ein eigentlich schwarzer Abend wird in (sehr) zartrosa getüncht. Borussia Mönchengladbachs Punktgewinn in letzter Sekunde gegen Werder Bremen ließ die zahlreichen Kommentatoren von einem gefühlten Sieg reden.

Nach dem 34. Spieltag ein gefühlter Erstligist, aber in der Zweiten Liga, zu sein, dürfte allen Beteiligten rund um den Borussia-Park wohl kaum ausreichen. Drei Punkte waren zuvor eine Forderung, die nicht nur Sportdirektor Peter Pander kategorisch als Überlebenshilfe einklagte.

Dabei wäre die Leistung ohne den Glücksschuss von Nando Rafael nicht weniger gut gewesen. „Damit hat sich die Mannschaft selbst belohnt”, konstatierte Trainer Jos Luhukay, der diesen Rausch der Emotionen noch auf dem Spielfeld im Kreise seiner Mini-Helden feierte. „Das war unheimlich wichtig für die Moral. Wir leben noch, wir haben noch Hoffnung.”

Die Punktlandung im Glück euphorisierte auch Marcell Jansen, der wieder auf seiner Lieblingsposition links in der Viererkette spielen durfte. Seine Lobrede zielte aber auf den Inhalt der gebotenen Leistung ab. „Das ist der Fußball, den wir spielen müssen: mit Risiko nach vorn. Der Mut dazu muss da sein. Wenn wir so auftreten wie heute, werden wir es schaffen.” Kontrastprogramm zur Agonie vor einer Woche in Dortmund, als die elf bis 14 Spieler im Borussen-Dress schon während des Matches so gelähmt wirkten wie anschließend die Fans und Gladbach-Sympathisanten vor Entsetzen. Ein neues Wir-Gefühl, das möglicherweise länger anhält, als die Eintagsfliege vom Auswärtssieg in Bielefeld.

Diesmal hat der (Teil-)Erfolg womöglich eine gesündere Basis: Werder war zwar noch nicht wieder in Top-Form, aber deutlich auf dem Wege der Besserung und auf jeden Fall stärker als Bielefeld. „Die Stärken von Bremen kann man nicht wegreden”, befand Jansen. Und diesmal hatte auch Bo Svensson nichts gegen die Aussagen des Jung-Nationalspielers einzuwenden.

Womöglich fehlte dem Dänen, der den kopfballstarken Tim Borowski ausschalten sollte, auch die Luft dafür. „Für ihn war es ungewohnt, im Mittelfeld so viele Kilometer zu machen. Ich habe aber allen gesagt, sie sollen geben, was in ihnen steckt. Wenn sie dann müde werden, kann ich doch auswechseln”, erklärte Jos Luhukay die „Fremd-Arbeit” des Innenverteidigers.

65 Minuten hielt es Svensson aus. Fast schon zu lange, denn in dieser Phase wirkten die Gladbacher so, als wären sie zuvor zu lange über ihr Limit gegangen. Bremen wirkte trotz Uefa-Pokal-Einsatz drei Tage zuvor frischer und hätte eigentlich nur noch den Deckel draufmachen müssen.

Doch die „toten” Hausherren feierten nach dem Führungstreffer der Hanseaten eine nicht mehr für möglich gehaltene Wiederauferstehung. Auch ein Sieg der Moral und der Auswahlkriterien des neuen Borussen-Trainers: „Es zählt nur die Leistung. Hinzu kommt die Fähigkeit, seine eigenen Interessen dem Team unterzuordnen.”

Dieser Wettbewerb findet auch jenseits des Spielfeldes auf dem Trainingsplatz und in der Kabine statt. Und da rissen zwei Profis, die vom Fußballerischen her durchaus die Qualitäten besitzen, die Charakter-Messlatte Borussia zu helfen. Die beiden Belgier Wesley Sonck und Bernd Thijs waren gar nicht im Kader für das Bremer Spiel. „Ich habe an beide einen höheren Anspruch. Beide sind oder waren Nationalspieler und haben viel Erfahrung.

Da muss ich mich mehr einbringen. Zur guten Leistung gehört sicherlich auch eine gute Einstellung und ein entsprechendes Verhalten. Nach den Eindrücken der letzten Woche habe ich meine Konsequenzen gezogen.” Eine konsequente und sicherlich nicht bequeme Einstellung. Denn das größte Problem ist für den 43-Jährigen: Er hat keinen Torjäger bzw. Stoßstürmer im Kader. Sonck kommt dem noch am nächsten. Doch in Abwandlung eines Box-Gesetzes gilt: Nicht nur Form, auch Einstellung schlägt Klasse. Kronzeuge und wandelnder Beweis ist Nando Rafael. Und seine alles erklärende Erkenntnis: „Wir waren eine Mannschaft!”