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Mönchengladbach: Nando Rafael: Spaß ist sein Erfolgsfaktor

Mönchengladbach : Nando Rafael: Spaß ist sein Erfolgsfaktor

Das Wort unglaublich war im Wortschatz des Fußball-Trainers Jos Luhukay fest verankert an diesem vielleicht einmal als „denkwürdiger Samstag” in die Geschichte des Fußball-Bundesligisten Borussia Mönchengladbach eingehenden Nachmittags.

Da hatte die Elf vom Niederrhein das zarte Pflänzchen Hoffnung mit ihrem 3:1-Erfolg über Hertha BSC am Leben erhalten. Und wird der Klassenerhalt tatsächlich noch wahr, wird der Samstag, 10. März, als Ausgangspunkt fest in den Bundesliga-Jahrbüchern verankert sein.

Denn die Mannschaft, die angesichts der sportlichen Talfahrt und dem alles andere als ruhigen Umfeld ein erstaunliches Selbstbewusstsein an den Tag legte, hatte „Unglaubliches” geleistet.

„Unglaublich viel Aufwand”, hatte Luhukay seine Spieler betreiben sehen, und das Team habe „unglaublich konzentriert in der Deckung” gearbeitet.

Wen wundert´s da, dass auch Borussias Matchwinner vom Trainer „geadelt” wurde. „Er war unglaublich scharf”, und überhaupt: „Er ist ein unglaublich positiver Mensch.” Er hört auf den Namen Nando Rafael, ist 23 Jahre jung, aber schon seit fünf Spielzeiten in der Bundesliga zu Hause.

Zunächst bei Hertha BSC in 70 Spielen von der Saison 2002/03 bis Ende des Jahres 2005 und seit dem 1. Januar 2006 in bislang 25 Begegnungen für die Borussia. Dabei schien es fast schon so, dass er in Mönchengladbach nicht heimisch werden würde - der Durchbruch jedenfalls ließ lange, lange auf sich warten.

Doch seitdem Nando Rafael auf seiner Lieblingsposition in der Sturmmitte „ran” darf, verblüfft der ehemalige U21-Nationalspieler - er besitzt seit 2005 die deutsche Staatsbürgerschaft - auch die Skeptiker. Dynamisch, torgefährlich, schnell, dazu mit einer sehr guten Ballkontrolle: Rafael, der in der Bundesliga 22 Mal zum Torjubel nach einem eigenen Treffer abdrehen durfte (16-mal für die Hertha, sechsmal für die Borussia), könnte glatt der Mann sein, auf den die Fans seit Monaten so sehnsüchtig gewartet haben. Ein Stürmer, sogar ein Stürmer, der das Tor trifft!

Großes Vertrauen

Und ein Teamplayer durch und durch. Und ein Strahlemann, dem anscheinend nichts und niemand die Laune verderben kann. Sein Erfolgsgeheimnis beschrieb Nando einmal so: „Mein Erfolgsfaktor heißt Spaß. Man muss im Training natürlich sehr hart arbeiten, man muss das Vertrauen der Mitspieler und des Trainers genießen, man muss locker bleiben, mit viel Spaß bei der Sache sein und dann sein Ding durchziehen.”

Das Vertrauen des Trainers - hat er. Und praktischerweise das des neuen Sportdirektors auch. Unisono verkündeten Jos Luhukay und Christian Ziege, dass Nando Rafael von ihnen sehr hoch geschätzt wird - nicht nur als Fußballer. Luhukay erinnert sich an seinen erfolgreichen Trainer-Einstand beim 2:0 in Bielefeld: „Da ist Nando bei den Toren als Erster in die Luft gesprungen und hat sich trotz seines nur zweiminütigen Einsatzes nach dem Schlusspfiff am meisten gefreut.”

So war es auch nach dem Triumph über seinen ehemaligen Klub. „Es war ein bisschen auch Genugtuung, aber vor allem wichtig für die Mannschaft.” Zwar widmete er die beiden Treffer seiner Freundin Laura („sie war nach langer Zeit mal wieder im Stadion”), aber am meisten „freue ich mich für die Mannschaft, dass wir so gespielt haben - das war super”.

Natürlich wäre es Blödsinn, Nando Rafael nach drei guten Leistungen mit drei Toren in den Himmel zu loben, aber die Zeichen, die der gebürtige Angolaner mit seinen Auftritten gesetzt hat, lassen die Fans wieder ein bisschen träumen. Von weiteren Stürmer-Toren, von Siegen, ja, vom Klassenerhalt.

Nando Rafael hat am Samstag auch gesagt: „Ich bin der glücklichste Mensch der Welt.” Der 23-Jährige genießt jeden Augenblick, weil er auch die Schattenseiten des Lebens kennt. Seine Eltern kamen vor 14 Jahren im Bürgerkrieg seines Heimatlandes Angola ums Leben, er flüchtete später mit einem Onkel in die Niederlande. Nando Rafael weiß ganz genau, wovon er spricht, wenn er sagt: „Es gibt viele Dinge, die viel schlimmer sind, als nicht zu spielen, verletzt zu sein oder nicht im Aufgebot zu stehen.”