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Bremen: Mürrisch, ehrlich und erfolgreich: Thomas Schaaf

Bremen : Mürrisch, ehrlich und erfolgreich: Thomas Schaaf

Thomas Schaaf hat das Lasso ausgeworfen und fest um die Leiber seiner Kicker geschnürt.

„Wir wollen nicht überheblich sein und sagen, dass wir überall eine Bude nach der anderen machen”, fällt vor dem Spitzenspiel am Sonntag beim VfB Stuttgart Schaafs mürrischer Kommentar über den bisherigen Saisonverlauf aus.

Einen überaus erfolgreichen Saisonverlauf. In der Tabelle hat sich Werder Bremen im oberen Drittel festgesetzt, auf dem Platz begeistern die Grün-Weißen meist mit erfrischendem Offensivfußball. Bisweilen zu erfrischend für den gelernten Verteidiger Schaaf. „Wir haben bewiesen, dass wir Fußball spielen können. Aber wir erzwingen noch zu viel”, brummt er.

Schaaf ist ein undankbarer Gesprächspartner. Freundlich ja, herzlich nein. Stoff für große Geschichten liefern andere. Den Sprung von Platz elf und rund 200 Zusehern bei den Bremer Amateuren in die Scheinwerferkegel der Bundesliga hat er gemeistert.

Das Image des Fußballers Schaaf, des beinharten Arbeiters (262 Bundesligaspiele), haftet auch dem Trainer an. Bodenständig, fleißig, geradeaus.

„Er spricht die Sprache der Spieler”, lobt Urgestein Dieter Eilts. Dazu gehören unpopuläre Worte. Eilts und Andy Herzog fanden sich auf dem Abstellgleis wieder, jüngst „schockte” Schaaf mit der wiederholten Degradierung des brasilianischen Publikumslieblings Ailton.

Der Coach nimmt keine Rücksicht auf Namen. Das kommt an: „Der Trainer stellt ganz alleine nach Leistung auf”, weiß der Ex-Aachener Markus Daun. Trainierte Ailton schlecht und Daun gut, spielte Daun. Ganz einfach.

„So wünscht sich jeder Fußballer seinen Trainer”, lobt Daun, der aus Leverkusener Tagen weiß, dass ein klangvoller Name Einsatzbereitschaft im Training schon mal hinfällig macht.

„Schaaf ist anders, ein fairer Mensch, der jedem die Wahrheit ins Gesicht sagt”, hat Daun erkannt. Sein Stammplatz überraschte Experten, nicht den Spieler. „Ich gebe Gas und so kommt der Trainer nicht an mir vorbei. Nun möchte ich noch so viele Spiele wie möglich machen”, freut sich Daun über seine Wertschätzung.

Er steht für die Zukunft in Bremen. Der SV Werder der Ära Schaaf hat Zukunft, Talente wie Fabian Ernst, Tim Borowski, Angelos Charisteas oder Daun harmonieren mit den Arrivierten wie Frank Verlaat oder Mladen Kristajic.

Mit Johan Micoud hat Schaaf dem biederen Fußballnorden einen Mann von Weltrang beschert. Es passt. „Er kennt in Bremen eben jedes Aftershave”, schmunzelt der ehemalige Manager und jetzige Bremer Bildungssenator Willi Lemke.

Kein Wunder. Am 1. Juli 1972 (!) trat der gebürtige Mannheimer Schaaf seinen Dienst im Norden an. Zweimal wurde er als Spieler Meister, gewann 1992 den Europapokal der Pokalsieger. Immer unter Trainer Otto Rehagel.

„Seine Arbeit hat mich geprägt”, meint er. Als Trainer führt er Bremen nach den Missverständnissen Aad de Mos, Dixi Dörner, Wolfgang Sidka und Felix Magath zurück in die Erfolgsspur.

„Wir freuen uns auf jedes Spiel”, sagt er, und die Leute glauben ihm. Doch nach dem Spiel ist es mit der Freude meist schnell vorbei. Gewinnt Werder, wird Schaaf ganz sicher wieder das Lasso auswerfen.