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Frankfurt: Momentaufnahme aus dem Nichts: Köln wieder auf Abstiegsplatz

Frankfurt : Momentaufnahme aus dem Nichts: Köln wieder auf Abstiegsplatz

Markus Kreuz war ein gefragter Mann am Samstag. Die Frankfurter Zeitungen hatten dem Ex-Kölner vor dem Duell mit dem einstigen Arbeitgeber große Geschichten gewidmet, sein Konterfei zierte das Titelblatt des Stadionheftes.

Kreuz sprach nach dem 2:0 der Eintracht gegen den 1.FC Köln gerade zum x-ten Mal von seiner „großen Genugtuung” und „einem sehr, sehr wichtigen Sieg”, als hinter ihm plötzlich jemand mit der Faust gegen den Plexiglas-Tunnel hämmerte.

Alexander Voigt war der Randalierer, er warf dem ehemaligen Kollegen einen bösen Blick zu, um dann augenzwinkernd zum Auslaufen zu gehen.

Kreuz hatte in der 80. Minute das getan, was die Kölner im Waldstadion dringend gebraucht hätten. Er hatte einen Ball so vors Tor gespielt, dass Mehmet Dragusha nur noch den Fuß zum entscheidenden 2:0 hinhalten musste.

„Wir haben eine Riesenchance nicht genutzt, um in Führung zu gehen, und das musst du in unserer Situation”, fand FC-Trainer Friedhelm Funkel den Knackpunkt der Begegnung.

Marius Ebbers hätte seinem Team in der 13. Minute noch mehr Sicherheit verschaffen können, als es ohnehin in der Anfangsphase ausstrahlte.

Ebbers schießt Nikolov an

„Natürlich muss so ein Ding rein. Aber das ist eben im Moment so bei mir. Was soll ich machen? Aufhören Fußball zu spielen?”, fragte der sichtlich niedergeschlagene Stürmer, der völlig freistehend den Frankfurter Torwart Oka Nikolov angeschossen hatte.

Solch drastische Maßnahmen wie einen Berufswechsel wird niemand verlangen, aber das bloße Herausarbeiten von Torgelegenheiten reicht nun mal auf Dauer nicht.

Wer sich auf den Stadien-Baustellen dieser Republik nicht so gut auskennt, der hätte in den ersten 30 Minuten den Eindruck haben müssen, die Mannschaft in den weißen Trikots sei unter den Baukränen zuhause.

Chancen von Oliver Schröder, Sebastian Helbig und eben Ebbers dokumentierten die Überlegenheit der Gäste. Doch zum allgemeinen Entsetzen passten sich die Kölner - als die Führung ausblieb - der Eintracht an, was das Spielniveau drastisch absenkte.

Beim Anblick des destruktiven Gekickes der Hessen dürften selbst eingefleischte Fans der Eintracht von einem Torerfolg nicht einmal geträumt haben.

Genau zu dem kam es aber in der 63. Minute. „Ein Tor aus dem Nichts”, behauptete Funkel. Als nichtig wird der Übungsleiter bei näherem Hinsehen allerdings auch das Abwehrverhalten seiner Mannen in jener Szene beurteilen müssen.

Andre Wiedener, nicht eben im Ruf stehend, ein Flankengott zu sein, gab den Ball von links herein, Stefan Lexa nutzte den putzigen Hüpfer von Jörg Heinrich zu einem gewonnenen Kopfballduell, Nico Frommer stocherte den Ball gegen zwei Kölner wieder aus dem Strafraum heraus - das alles in äußerst mäßiger Geschwindigkeit.

Die brachte erst Christoph Preuß ins Spiel, der die Kugel volley aufs Tor jagte. Er war dabei ebenso unbedrängt wie Nico Frommer, der den Abpraller zur schmeichelhaftesten Führung verwertete, die man sich eben nur vorstellen kann.

„Wir haben heute gegen eine ganz schwache Eintracht verloren, aber wir haben eben verloren, und nur das zählt”, sagte Ebbers selbstkritisch.

Auch Keeper Stefan Wessels mochte die Niederlage nicht schön reden: „Wir haben das Spiel im Griff gehabt, sind durch das erste Tor aus dem Konzept gekommen, haben dann das 0:2 bekommen und hätten am Ende auch noch höher verlieren können.”

In der Tat ging den Kölnern nach dem ersten Gegentor die Ordnung verloren. Funkel nahm Libero Thomas Cichon vom Feld, dessen Anwesenheit ohnehin nicht notwendig gewesen wäre, um Du Ri Cha und Frommer in Schach zu halten. Selbst Willi Reimann verzichtete bei seiner Mauertaktik auf eine zusätzliche Absicherung.

Eine erneute Trainerdiskussion kam nicht auf. „Ich kann und werde auch in Zukunft mit der Mannschaft arbeiten. Alles andere werde ich nicht kommentieren”, sagte Funkel.

Als „Momentaufnahme” bezeichnete der Coach das Abrutschen auf einen Abstiegsplatz. Funkel muss nur aufpassen, dass die nicht zum Standbild wird.