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Mönchengladbach: Mönchengladbach ohne Selbstvertrauen und System

Mönchengladbach : Mönchengladbach ohne Selbstvertrauen und System

Es war nicht Bayern München, es war nicht Borussia Dortmund, es war nicht der VfB Stuttgart: Doch für Borussia Mönchengladbach ist momentan selbst die bis dato sieglose Eintracht ein „frankfürchterlicher” Gegner.

0:2 zu Hause gegen den Aufsteiger. „Die Spiele der letzten Wochen wiederholen sich”, erkennt Borussen-Trainer Ewald Lienen und sagt: „Wir haben gegen eine sehr, sehr starke Frankfurter Mannschaft verloren.”

Jedes Wochenende ist der Fußball-Lehrer erfolgreich bei der Suche nach den bösen Buben: „Wir haben wieder durch grobe, individuelle Fehler dem Gegner die Führung erlaubt.”

Aber auch seine Aufstellungsfehler wiederholen sich: Marcel Ketelaer ist anscheinend so stark, dass Joonas Kolkka nicht auf seiner stärksten Position Linksaußen spielen darf. Morton Skoubo darf weiter als Rechtsaußen üben, zwei Innenverteidiger der grobmotorischen Art auch gegen stürmerarme Gäste agieren. Die von Sicherheitsgedanken geprägte Grundeinstellung erlaubt dem Kontrahenten eine Feldüberlegenheit.

Dabei hatten sie am Freitag noch so schön den Ernstfall geprobt: Die A-Mannschaft gegen die B-Mannschaft. Die Reservisten waren die Frankfurter und durften nicht angreifen. Überraschenderweise hielten sich zwei Tage später die echten Eintrachtler nicht ans Trainingsszenario.

Sie schrieben ihr eigenes Drehbuch und griffen unverschämterweise an. Diese Variante war offensichtlich im Repertoire der Lienen-Elf nicht vorgesehen. Munter kombinierten die „Abweichler” im Mittelfeld, die Gladbacher hechelten nur hinterher. Auch deshalb, weil die Spieler der Viererkette trotz nur einer Spitze treu(doof) ihre Positionen hielten.

Die Überzahl im Mittelfeld gehörte der Eintracht. Da fiel gar nicht auf, dass die Gäste mit Andreas Möller einen Ruhestands-Abbrecher in ihren Reihen hatten, dessen Spielradius sich auf die Ausmaße eines Bierdeckels beschränkte.

Kein Problem gegen eine Mannschaft, die trotz - oder vielleicht wegen? - der detaillierten Vorbereitung wie gelähmt ohne jedes System wirkte. Wieder einmal durften die Innenverteidiger Marcelo Pletsch und Jeff Strasser den für die Zuschauer schmerzhaften Beweis antreten, dass sie keine spielerische Aufbauarbeit leisten können.

Die seit der ersten Minute überfällige taktische Reaktion wurde von einer Verletzung diktiert. Bei Pletsch brach die Bauchmuskelverletzung wieder auf (38.), Joris van Hout erlitt nach einem Zweikampf mit Alexander Schur einen Jochbeinbruch (42.). Sie wurden ersetzt durch Oliver Kirch und Arie van Lent. Hinten riskierte man nun die Dreierkette, der schwungvolle Kirch verstärkte das Mittelfeld.

Um das Spiel in den Griff zu bekommen, schon fast zu spät. Denn Pletsch hatte bereits zuvor zugeschlagen. Nach einem Abschlag von Frankfurts Torhüter Oka Nikolov suchte er zu intensiv Blickkontakt mit dem Schiedsrichter-Assistenten. Der sah und winkte zurecht kein Abseits, der davon eilende Markus Kreuz überwand Michael Melka mit einem nicht unhaltbaren Schuss ins lange Eck (17.).

Die beste, weil erste Chance erarbeitete sich der völlig verunsicherte Gastgeber in Minute 51! Doch van Lent hielt nach einem Distanzschuss von Joonas Kolkka, den Nikolov abprallen ließ, knapp neben das Tor. Elf Minuten später entschied Ewald Lienen, dass Peter van Houdt wohl doch ins System passt oder gar die letzten sechs Tage professionell gelebt hat. Der Belgier wurde für den schwachen Skoubo eingewechselt, sorgte für Schwung, verpasste es aber, seinem Märchen ein Happy End zu verpassen: Er ballerte den Ball nach einem Fehlpass von Schur übers Tor (74.).

Der eingewechselte Henning Bürger (88.) machte es besser. Er schloss einen Konter zum 2:0 ab (89.). Nur zwei Minuten zuvor war der kaum austrainierte Möller ausgewechselt worden. 86 Minuten nach nur zehn Tagen Training - gegen einen solchen Gegner wie Borussia kein Problem. „Das hat weniger mit mir zu tun, ich habe nur versucht, ein bisschen Leben reinzubringen.”