Mönchengladbach: Mitglieder schlagen den „Tiger” in die Flucht

Mönchengladbach: Mitglieder schlagen den „Tiger” in die Flucht

Kein Hammelsprung und kein Tigersprung: Stefan Effenberg trollte sich schon vor Tagesordnungspunkt 8 der Mitgliederversammlung von Borussia Mönchengladbach von dannen.

Der „Tiger” auf der Flucht aus dem Borussen-Park - der Frontmann der „Initiative Borussia” erlebte nicht mehr live, wie der Antrag auf Satzungsänderung von der überwältigenden Mehrheit der anwesenden Mitglieder abgeschmettert wurde.

4269 votierten mit nein, nur 335 Mitglieder unterstützten die Pläne der „Revoluzzer”, die den gesamten Verein umgekrempelt hätten. „Wir haben mit einer Niederlage gerechnet, aber nicht mit einer so deutlichen”, erklärte „Initiative”-Gründer Norbert Kox.

Als diese auch in Zahlen zementiert war, befand sich Effenberg schon lange nicht mehr im Stadion. Seine „Partei-Kollegen” hatten ihm zu einem vorzeitigen Rückzug geraten. Deshalb entfiel auch sein geplanter Redebeitrag bei der Aussprache zu Tagesordnungspunkt 8, die der Abstimmung zu den Satzungsänderungen vorausging. „Effenberg hat nicht nur falsche Freunde, wie unsere Fans es auf einem Plakat ausgedrückt haben, sie sind eher das Gegenteil”, urteilte Rolf Königs.

Der Borussen-Präsident ist nach wie vor kein Liebling der Mitgliedermassen, über 5000 waren erschienen und hatten für eine fast einstündige Verspätung der Veranstaltung gesorgt. Aber die Kritik an ihm fiel unerwartet schwach aus. Da wurden ihm vor zwei Jahren ganz andere Dinge verbal um die Ohren gehauen. So durfte sich Königs, aber vor allem der Klub als Sieger fühlen.

Denn auch bei den Anträgen der zweiten, von den meisten Fans unterstützten Oppositionsgruppe, wurden nur die zwei angenommen, die der Klub auch unterstützte: Der Fanprojekt-Vorsitzende bekommt nun einen Sitz im Ehrenrat und Anteile des Vereins können nur mit Zustimmung der Mitgliederversammlung veräußert werden. Der Vorschlag der „Mitglieder-Offensive”, ein drittes Präsidiumsmitglied wählen zu lassen, wurde mit Mehrheit abgelehnt. Dennoch strahlte ihr Sprecher Michael Weigand: „Die Mitglieder haben bewiesen, wie gut und vernünftig sie sind. Heute kann man stolz sein, ein Borusse zu sein. Dass unser dritter Antrag nicht durchkam, spielt dabei überhaupt keine Rolle.”

Die Freude über den unerwartet deutlichen Triumph über die „Initiative” war kollektiv. „Sieg, Sieg”, scholl es nach der Auszählung über die Südtribüne des Borussia-Parks. Der letzte Sieg der Saison wurde traditionell gefeiert: „Ihr könnt nach Hause fahrn”, sangen die Fans in Richtung „Initiative”, die nur mehr wie ein verlorenes Häufchen wirkte. Und entlarvender Weise die Versammlung bereits vor der Behandlung der Anträge der „Mitgliederoffensive” verließ.

„Man kann den Mitgliedern nur gratulieren”, freute sich Vizepräsident Rainer Bonhof mehr über die „Qualität” der Anhänger als über die Niederlage der „Umstürzler”. Ihre Satzungsänderung hätte dem Verein „nicht genutzt, sondern geschadet”, führte Königs aus. „Das haben die Mitglieder erkannt.” Der Vereins-Boss gestand zwar, dass die „Initiative” ihnen Kopfschmerzen bereitet habe, in die Versammlung aber sei man dennoch so selbstbewusst reingegangen, „dass sie sich anschließend auflösen muss”.

Der Klassenerhalt hatte neben den vielen „Eigentoren” der Effenberg-Gruppe die Gemüter besänftigt. Der extra aus der Schweiz eingeflogene Lucien Favre wurde mit Standing Ovations gefeiert. Und Sportdirektor Max Eberl wurde mit einem warmen Applaus bedacht. „Die Initiative hat uns sieben Monate begleitet”, stöhnte der Manager und war froh, sich ab heute wieder mit „Sport statt Politik” zu beschäftigen. Ein „kleines Früchtchen” der Vorarbeit konnte er schon am Sonntag den Mitgliedern als Appetithäppchen bieten: Joshua King, 20-jähriges Sturm-Talent von Manchester United, wird für ein Jahr ausgeliehen. „Er passt in unser Profil: Er ist schnell, torgefährlich, kann links, rechts, hängend und in der Spitze spielen.”

Auch für den „Tiger” gibt es nach der Vorstellung eines Mitglieds noch eine Verwendung: als zweites Maskottchen neben Jünter.

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