Mönchengladbach: Mit Stachel Idrissou und 10er Hanke ins nächste Endspiel

Mönchengladbach: Mit Stachel Idrissou und 10er Hanke ins nächste Endspiel

Da sind persönliche Statistiken gefragt, die Auskunftsdateien der professionellen Anbieter geben bei diesem Problem keine Antworten: Das wievielte Endspiel bestreitet Borussia Mönchengladbach gegen Mainz 05 eigentlich?

Der Final-Marathon begann bereits tief in der Hinrunde - und war damals stark auf Michael Frontzeck gedreht. Jetzt aber kommt bereits Nachfolger Lucien Favre in den Genuss des x-ten Entscheidungsspiels: Bleibt Borussia erstklassig oder nicht?

Bruchlandung am Mainzer Bruchweg oder endlich der Erfolg nach dem Erfolg? Der Tabellenletzte kann dieses Ranglisten-Stigma bei nur zwei Punkten Abstand auf Rang 17 und auch sogar auf 16 zum ersten Mal seit dem 13. Spieltag wieder loswerden.

„Wir wollen gewinnen”, lautet die ebenso schlichte wie zwingende Ansage von Favre. Der Dreier nach dem Dreier (gegen Köln) ist auch ein taktisches Problem. Wieviel Risiko gehe ich ein bei einem Gegner, der immer noch zur tabellarischen Oberklasse gehört, in Sachen Heimstärke aber starke Defizite ausweist - wenn auch nicht so starke, wie Borussia in der Hinrunde? Gladbachs neuer Trainer spricht gerne über Fußball, doch der frankophone Schweizer flüchtet nur zu gerne in seine Sprach-Schwierigkeiten, wenn es darum geht, Einblicke in seine taktischen Pläne zu verhindern.

Mainz muss beide Stamm-Innenverteidiger (Noveski/Svensson) nach ihren Platzverweisen ersetzen. „Generell nicht”, wehrt Favre ab, dass diese Umstellung grundlegenden Einfluss auf seine Aufstellung oder Einstellung haben könnte. „Vielleicht ein paar Details . . .”

Eines könnte die Direktive an Mo Idrissou und Mike Hanke sein, auf Distanz zu gehen. Nicht zu den Gegenspielern, aber zueinander. Das 5:1 gegen Köln macht nur zu einfach vergessen, dass Borussia 29 Minuten lang enorme Schwierigkeiten mit seiner Offensiv-Staffe- lung hatte. Statt eines 4-4-2 versuchten sich Idrissou & Co. - natürlich vergeblich - an einem 4-2-4.

Eine Viererkette in vorderster Linie kann nur eine Fehlerkette sein und würde selbst den neuen Mainzer Innenverteidigern nur ein müdes Lächeln abzwingen. Das aber würde ihnen wie Mohamad und Geromel am letzten Sonntag vergehen, wenn Hanke sich fallen lässt und damit seinen Gegenspieler vor die Gretchenfrage stellt: Gehe ich mit oder nicht? „Ich bin der neue Zehner”, frotzelte der ehemalige Schalker über seine überragenden Chancen-Kreier-Fähigkeiten, die den Kölnern das Genick brachen.

Zwei Stürmer, keine Tore (und das bei einem 5:1), ihre Wertigkeit für die Mannschaft ist dennoch greif- und zählbar: Hanke als Edel-Kombinierer, Idrissou mit seiner taktisch blinden, aber aufopferungsvollen Lauf- und Körperarbeit als nervender Stachel im Mainzer Abwehrgebilde. In die durch die entzweiten Stürmer sich bildenden Räume könnte dann „Falke” Marco Reus (tor)gierig stoßen.

So weit die Theorie, die sich gegen den Lieblingsfeind aus Köln prächtig in Realität umsetzen ließ. Allerdings könnten sich den Borussia-Sympathisanten, die die starken FC-Minuten nach der Pause nicht vergessen haben, etliche Nackenhaare sträuben bei der Vorstellung: Mainz wie es stürmt und drückt. Ausgerechnet in seiner Heimat würde Roman Neustädter drohen, wieder verloren zu gehen auf einer Position, die Übersicht, Ruhe und taktisches Geschick verlangt, auf der Sechs.

Nur der Handelfmeter für Gladbach beendete gegen den FC die Irrungen und Wirrungen des jungen N. Der zwei Jahre jüngere N. namens Nordtveit, Havard, müsste den 22-Jährigen dann in dessen heimischen Irrgarten an die Hand nehmen. Ansonsten könnte Neustädters Heimspiel zu seinem persönlichen Endspiel werden: Thorben Marx (29) heißt Favres routinierte Alternative auf der Reservebank.