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Marbella: Mit neuem Knorpelstück ins Borussen-Museum

Marbella : Mit neuem Knorpelstück ins Borussen-Museum

Man kennt das aus der Geschichte der Bundesliga: Spiele werden verschoben. Jetzt gibt es einen neuen Fall von Ergebnis-Fälschung, wenn auch nicht in Deutschland.

15:13 gewann Borussia Mönchengladbachs Sportdirektor Christian Hochstätter gegen Rekonvaleszent Steffen Korell im Fußball-Tennis. Und dann das erschreckende Geständnis des Profis: „Ich habe ihn gewinnen lassen.” Doch zum Glück muss keine DFB-Institution eingreifen: Im Trainingszentrum „Paradise of Football” gings nicht um schnöden Mammon.

„Es geht um meine Karriere. In einem Jahr stehen Vertragsverhandlungen an”, schmunzelt Korell. Die Laufbahn hing am seidenen Faden, nachdem der inzwischen 32-jährige Abwehrspieler sich in der Saison-Vorbereitung einen Knorpelschaden am linken Knie zugezogen hatte. „Jetzt wächst der Glaube, dass es doch noch weitergeht”, sagt der ehemalige Freiburger. Möglicherweise auch länger als 2005, wenn sein Kontrakt ausläuft. Ursprünglich wollte Korell dann aufhören. Doch das Knie machte ein Strich durch die Karriere-Rechnung. Jetzt aber möchte er das verlorene Jahr am liebsten hinten dranhängen.

Lange hatte er Zweifel, ob er nach der schwierigen Operation noch einmal Fuß fassen könnte. Das Loch rechts von seiner Kniescheibe wurde mit einem Knorpel-Knochenstück, das zylinderförmig ausgestanzt wurde, gefüllt. Die Transplantation wurde von Peter Schäferhoff, Vereinsarzt des 1. FC Köln, vorgenommen. Eine relativ neue Operationstechnik. Noch spielt kein Fußball-Profi damit in der Bundesliga.

Verschärftes Training

„Wenns klappt, bekomme ich vielleicht noch einen Platz im Borussen-Museum im neuen Stadion”, scherzt Korell. Die Chancen stehen nicht schlecht: Vereinsarzt Jens-Felix Kühlmorgen absolvierte mit seinem „Reha-Patienten” gleich am zweiten Tag ein verschärftes Koordinationstraining. „Steffen wird nicht mehr lange brauchen, um zurückzukommen”, verspricht der Chirurg.

Die Belastungshöhe kann beinah täglich in die Höhe geschraubt werden. Begleitend aber muss auch der Kopf trainiert werden. „Die Angst ist immer dabei. Das ist ein Schutzmechanismus des Körpers”, weiß der Fußball-Profi. Besonders wichtig und erste Ansprechpartner bei einem Motivationsloch sind Borussias Reha-Experten Ralf Schröer und Michael Risse. „Die erledigen die Hauptarbeit. Und sind gerade auch als tägliche Gesprächspartner enorm wichtig für die vertrauensschaffenden Maßnahmen”, sagt der Borussen-Doc aus Düren.

Co-Trainer Stefan Mücke, der auch schon mal gerne die wichtige, aber unangenehme Rolle des advocatus diaboli spielt und Korell unter Druck setzt, kann sich eigentlich zurückhalten. Das Naturell des ehemaligen Gladbach-Kapitäns ist eh von seiner kämpferischen Einstellung be- stimmt. Und die Eigen-Motivation ist in den letzten Monaten immer größer geworden. „Ich habe in den letzten Monaten gelernt, was für einen tollen Job wir haben.” Den er unbedingt ehrenhaft beenden möchte. „Ich möchte dann aufhören, wenn alle sagen: schade!”

Anschließend wäre Korell als ausgebildeter Sportmanager gut zu gebrauchen. Bis dahin aber können noch mindestens zwei Jahre verstreichen. Viel eher sollen seine Haare dran glauben, die sich längenmäßig immer mehr den Beatle-Frisuren nähern. „Die kommen erst ab, wenn ich wieder spiele.” Nicht nur die Friseure warten auf diesen Moment.