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Kaiserslautern: Mit grünen Leibchen und vollen Hosen

Kaiserslautern : Mit grünen Leibchen und vollen Hosen

Es war einer dieser Tage. Volker Hartjens, seines Zeichens pedantischer Zeugwart des 1. FC Köln, stapfte wie ein Verlierer in den Innenraum des Fritz-Walter-Stadions.

Er hatte verloren, und das schon lange bevor der Ball rollte. Schiedsrichter Hermann Albrecht hatte sein Veto gegen die schwarzen Kölner Auswärtstrikots eingelegt.

Dunkelrot gegen schwarz war dem Unparteiischen - selbst im leuchtend gelben Dress - dann doch eine Spur zu dunkel. Die weißen Jerseys hatte Hartjens vergessen und so streiften die Kölner grüne Trainings-Leibchen über, um dann am Ende doch schwarz zu sehen.

Auf der Gegenseite hatte Kaiserslauterns neuer Trainer Kurt Jara seine Ankündigung wahr gemacht und den „lieben Onkel Kurtl” samt seinem sonnigen Gemüt und dem herzlichen Lächeln in der Kabine verschlossen. Seine grimmige Haltung sollte zum Vorbild für die zuletzt so harmlosen roten Teufel werden.

Artige Gäste

Die Kölner schauten artig zu, wie Jara seine Serie ausbaute: Egal ob beim HSV - bei dem er übrigens ausgerechnet nach der Niederlage in Kaiserslautern seinen Tirolerhut nehmen musste - oder in Österreich, der Mann hat noch nie sein erstes Spiel auf der Trainerbank verloren.

Und weil sich Kölns indisponierter Verteidiger Mustafa Dogan (FC-Trainer Marcel Koller: „Da muss er gar nicht zum Ball gehen”) von der hölzernen Raffinesse eines Vratislav Lokvenc übertölpeln ließ und der Lauterer Mittelstürmer daraufhin seine beeindruckende Torquote auf satte zwei Einschüsse hochschraubte, durfte sich Jara sogar über drei wichtige Punkte und den vorübergehenden Sprung ans rettende Ufer freuen.

Obwohl, Freude suchten die aufmarschierten Fernsehkameras auch nach dem Abpfiff vergebens zwischen den Mundwinkeln des Österreichers. Irgendjemand schien Jaras Lächeln unerreichbar in den Katakomben des Betzenberges versteckt zu haben.

Allzu sehr glichen sich doch die Mienen der beiden Trainer. Und Marcel Koller hatte allen Grund trübe Blicke in die Runde zu werfen.

Seine grünen Kölner - just vor dem Spiel wurde mit dem Sponsor noch über einen weiteren Einsatz der „Come on FC”-Glücksbringer aus dem Hertha-Spiel verhandelt - schalteten sich erst im zweiten Durchgang aktiv ins Spielgeschehen ein. 45 Minuten flogen lange, hohe Bälle dem bemitleidenswerten Andrey Voronin um die Ohren.

Der schmächtige Wirbelwind war schlichtweg chancenlos gegen die Lauterer Abwehrkolosse Aleksander Knavs und Timo Wenzel. „Wir haben es in der ersten Halbzeit einfach nicht verstanden, Fußball zu spielen”, fand der eingewechselte Dirk Lottner. Lediglich ein Pfostenfreistoß von Albert Streit schaffte es in den TV-Spielbericht.

Köln gab sich lange Zeit fantasie- und vor allem kampflos seinem rabenschwarzen Schicksal hin. „Es geht hier um die Existenz des Vereins, da muss man auch mal dazwischenhauen. Aber wir hatten die Hosen voll”, schnaubte ein wütender Kapitän Thomas Cichon. Er allein hatte es verstanden, „dazwischen zu hauen” und erlebte letztlich nur dank des Wohlwollens Hermann Albrechts den Schlussgong...

Fehlende Konsequenz



Hoffnung auf Besserung machten dann doch noch einige Ansätze aus dem zweiten Durchgang. „Ich musste in der Halbzeit einfach laut werden, doch die letzte Konsequenz hat bis zum Ende gefehlt”, gestand der Schweizer Koller.

Der FC - seit 15 Jahren auf dem „Betze” sieglos - steht wieder „unterm Strich” und muss gegen Schalke kräftig strampeln. „Wir müssen uns steigern”, urteilten die Akteure unisono. Immerhin darf der FC als Heimteam dann die Trikotfarbe diktieren. Weiß statt grün, damit es nicht noch einen schwarzen Samstag gibt...