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Mönchengladbach: Meyer nimmt den Spiegel in die Hand...

Mönchengladbach : Meyer nimmt den Spiegel in die Hand...

Wenn die Borussia am Samstag einen Sieg auf ähnlich turbulente Art und Weise gegen den Karlsruher SC zu Stande bringt wie Eintracht Frankfurt im Nachholspiel am Mittwoch, dann fragen wir Hans Meyer vielleicht: Herr Meyer, wie hoch ist denn Ihr Puls gewesen?

Frankfurts Trainer Friedhelm Funkel hatte nach dieser Frage am Mittwoch mit der Gelassenheit des Niederrheiners behauptet: „Normal.” So, als habe der späte 0:1-Rückstand (82. Minute), der noch spätere Ausgleich (84.) und der ganz späte Siegtreffer (90.+1) den gebürtigen Neusser ziemlich kalt gelassen.

Wir wissen nicht, was Friedhelm Funkel von Fragen dieser Qualität hält. Wir wissen aber, dass er sie beantwortet.

Hans Meyer beantwortet sie nicht.

Als Meyer gefragt wurde, mit welcher Einstellung seine Mannschaft auflaufen werde, sagte Mönchengladbachs alter-neuer Trainer - erst einmal nichts. Meyer schwieg, drehte sich dann zu Borussias Pressesprecher Markus Aretz und sagte: „Du hast mir doch gesagt, hier hat sich was geändert, die Fragen wären besser geworden...”

Um dem Fragesteller dann doch noch etwas mit auf den Weg zu geben: „Natürlich mit einer phantastischen. So wie gegen Bremen!” Und sicherheitshalber fügte er noch hinzu, dass die Spieler eigentlich ja immer mit dieser Einstellung ins Spiel gehen wollen... Und auch Fragen nach seiner Befindlichkeit interessieren Meyer nicht: „Fragt mich nicht, wie oder wo es mich kribbelt, tut nichts zur Sache.” Mit diesem „Zeug” kann Meyer nichts anfangen, will er nichts anfangen.

Meyer hätte es sich leicht machen können. Prima geht´s, bin froh, wieder hier zu sein, macht Spaß, nette Jungs alle oder sonst was Unverbindliches. Aber Meyer ist Meyer. Ihm ist zuwider, dass in vielen, vielen Medien nicht nur über Fußball, über den sportlichen Ablauf, geschrieben und geredet wird, dass entscheidend längst nicht mehr aufm Platz ist. Sein Urteil fasste er dieser Tage in einem Interview mit der Rheinischen Post so zusammen: „Fußball ist doch längst in der Berichterstattung zu etwas verkommen, was die Leute, die auf die Artikel angewiesen sind, total irreführt.”

Es ist schon richtig nett mit dem 65-jährigen Trainer-Unikat. Konferenzen mit Meyer sind stets lustig, unterhaltsam, ein paar Sprüche kommen immer, Nebensächlichkeiten kontert er mit Ironie. Und dann lacht das Auditorium, dem gerade der Spiegel vorgehalten wurde. Herrlich!

Es scheint, als sei alles spaßig. „Aber Spaß macht es nur, wenn wir uns am Ende der Saison auf die Schultern klopfen können”, sagt Max Eberl, Borussias neuer Sportdirektor. Vor dem Spaß steht harte Arbeit, am Samstag wieder unter Wettkampfbedingungen, ab 15.30 Uhr gegen den Karlsruher SC.

Wer nach Meyers fünftägigem Wirken Wunderdinge erwartet, dürfte enttäuscht werden. Vielleicht puscht der Trainerwechsel die Borussen zu einer ordentlichen Leistung, doch am Ende ist es ganz egal, wie die 90 Minuten abgelaufen sind. Ein Sieg wäre wichtig. Nur das zählt. „Wir müssen möglichst schnell von den Abstiegsrängen wegkommen”, sagt Meyer. Weil er weiß, dass mit einem Sieg im Rücken die Arbeit ein bisschen leichter wird mit Blick auf die kommenden Aufgaben in Wolfsburg (Dienstag) und gegen Frankfurt (kommenden Sonntag).

Der Gast, den nicht wenige Borussen-Fans und auch Christian Ziege einst als Vorbild nach der Rückkehr in die Erstklassigkeit auserkoren hatten, ist auch nicht gerade überragend in die Saison gestartet. Meyer hat das Team zuletzt („durch Zufall”) in Stuttgart beobachtet, Ziege in Bielefeld, und Mittwoch war der neue zweite Co-Trainer Jürgen Raab Augenzeuge in Frankfurt. „Wir sind sportlich somit gut informiert”, sagt Meyer, um noch einmal für Lacher zu sorgen.

„Jetzt kommt ausgerechnet Ihr Lieblingsgegner”, sagt der Reporter eines „schnellen” Boulevardblatts. „Wieso Lieblingsgegner”, entgegnet Meyer, „das müssen Sie mir erklären”. „Weil Sie letzte Saison mit Nürnberg zweimal 2:0 gegen Karlsruhe verloren haben.” Meyer ruht in sich bevor er dem sichtbar nicht sehr geschätzten Reporter entgegnet: „Manchmal haben Sie aber auch Langeweile, oder? Bis jetzt war ich beruhigt, aber jetzt machen Sie mir Angst...”