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Mönchengladbach: Max Eberl und der Charaktertest in der U23

Mönchengladbach : Max Eberl und der Charaktertest in der U23

Die Regionalliga als Parallelgesellschaft: Auch die U23 von Borussia Mönchengladbach ziert das Tabellenende, eben dort ist seit dem vergangenen Wochenende auch die erste Mannschaft des Fußball-Bundesligisten angelangt.

Immerhin aber geht es noch immer um Erst- und Drittklassigkeit. Und da sollten die regelmäßigen Abstellungen aus dem Profi-Team schon so etwas wie Entwicklungshilfe darstellen.

Da verblüfft schon das Mannschaftsschema der U23 vom 1:2 am Samstag gegen Magdeburg: Engelmann - Kirch (46. Stang), Levels, Rrustemi, van den Bergh - Fleßers - Baumjohann (46. Schuchardt), Marin, Hammes - Thygesen (62. Mitroglou), Schnitzler. Zwei des erstklassigen Trios zur Halbzeit, einer kurz danach ausgewechselt. Aha?

Auch in der Regionalliga wird kein Spieler wegen guter Leistung herausgenommen. Max Eberl, Direktor der Jugendmannschaften und der U23, drückt deshalb seine Enttäuschung über die vermeintlichen Helfer erst einmal indirekt aus: „Ich erwarte nicht, dass sie drei Tore erzielen, sechs vorbereiten und drei Gegentore verhindern.”

Das zumindest haben sie geschafft. Die Forderungen der Positiv-Liste aber konnten sie - zumindest gegen Magdeburg - nicht erfüllen. „Ich erwarte, dass sie sich einsetzen, so dass man anschließend sagen kann: Die wollten was.” Ja, was denn eigentlich? In erster Linie geht es aus Sicht der „Absteiger” um Spielpraxis, aber natürlich auch um eine Plattform, sich für den Einsatz in der Bundesliga-Mannschaft anzubieten. Und da kann ein Spiel in der Regionalliga sinnvoller sein als ein Platz auf der Reservebank. „Immerhin ist sie keine Popel-Liga”, sagt Eberl.

Für den ehemaligen Bökelberg-Terrier sind die Einsätze und ihre Sinnhaftigkeit vor allem eine Frage des Charakters. Und dabei will er auch „ausgebootete” Kicker „meiner Mannschaft” (Eberl) geschützt sehen. „Es ist die verdammte Pflicht der Bundesliga-Profis, so zu spielen, dass die jungen Spieler - die deshalb nicht spielen oder gar aus dem Kader purzeln - erkennen, das hat sich gelohnt. Man muss das ihnen verkaufen können. Wenn sich dann aber einer nicht anstrengt ...”

In Sachen Charakter war der heutige „Manager” immer ein Vorbild. Und hat auch Erfahrung mit Aushilfsarbeiten in der zweiten Mannschaft. Doch der Grund war seinerzeit nur die fünfte Gelbe Karte. Und das Ergebnis eher niederschmetternd: „Wir haben 3:4 gegen Kleve verloren”, schmunzelt der ehemalige Abwehrspieler. „Aber auch ein guter Charakter kann mal einen schlechten Tag haben. Wie man an mir gesehen hat.” Den hatte offensichtlich auch Oliver Kirch am vergangenen Samstag. Und bestand trotzdem den Charakter-Test: „Er hat sich gegenüber den Jungs und dem Trainer für seine schlechte Leistung entschuldigt. Das ist Charakter. Und dann sagt man, komm, das nächste Mal machst du´s besser!”

Oliver Kirch hat schon reichlich Erfahrung mit dieser Art von Entwicklungshilfe gesammelt. Seine Ernsthaftigkeit und sein Ehrgeiz, eine echte Hilfe zu sein, wird dabei immer auch von der Dankbarkeit gespeist, nach seiner Verletzungsmisere überhaupt weiter seinem Traumberuf nachgehen zu dürfen. Grundsätzlich aber sind die Hilfsaktionen „psychologisch schwierig, das weiß ich”, zeigt Eberl auch Verständnis etwa für Thygesen und Baumjohann. „Wenn man vorher vor 50000 Zuschauern in der Ersten Liga gespielt hat und jetzt plötzlich vor 150 in der Regionalliga antreten muss, ist das vom Kopf her problematisch.” Doch seine Unzufriedenheit „sei kein Pauschal-Urteil”.

Non-Popel-Liga

Das belegt Sebastian Svärd. Der junge Däne, der immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen wurde und wird, „war zuvor auffällig - und das nimmt dann auch der Cheftrainer auf”. Die Non-Popel-Liga als Startrampe für einen Höhenflug Richtung Bundesliga: Da wäre es auch - rein wissenschaftlich - interessant gewesen, „Problemkind” Wesley Sonck einmal diesem Charaktertest zu unterziehen. Der aber könnte für den Belgier schmerzhafte Folgen haben. Dass plötzlich ein bissiger Terrier an seinen Waden hängt ...