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Köln: „Marodes Team” wollte gar nicht in die Kabine

Köln : „Marodes Team” wollte gar nicht in die Kabine

Nur einer fand am späten Abend (zu Recht) ein Haar in der Suppe. Andreas Rettig, der Manager des Fußball-Zweitligisten 1. FC Köln, echauffierte sich.

Nicht darüber, dass die „Geißböcke” kurz zuvor Union Berlin mit 7:0 (4:0) gnadenlos-überzeugend niedergespielt hatten. Er echauffierte sich über die Stadionregie.

Als Kapitän Dirk Lottner das 6:0 erzielt hatte, spielte jene „Backstage-Crew”, die fürs Musikalische zuständig ist, einen Karnevals-Tusch ein. Rettig sauer: „So etwas gehört sich nicht. Man macht keinen Gegner lächerlich, der sowieso schon am Boden liegt.”

Eine Bemerkung, die zum Gesamtbild passte, das die an diesem Abend starken, selbstbewussten und überaus spielwitzigen Gastgeber abgaben: Keiner trat so auf, als habe er soeben das Fußballspielen erfunden.

Es war eine eigentlich simple, aber höchst wirkungsvolle taktische Variante, die Trainer Friedhelm Funkel mit seiner Mannschaft abgesprochen hatte: Der überzeugende Libero Thomas Cichon stand zu Beginn vor der Abwehr, sorgte so für eine Überzahl im Mittelfeld.

Dirk Lottner: „Das war entscheidend. Wir konnten das umsetzen, was wir uns vorgenommen hatten.”

Als nämlich die bedauernswerten Berliner die andauernde Überzahl der „Geißböcke” bemerkten, stand es dank Cichon und Florian Kringe (2) schon nach neun Minuten 3:0 für den 1. FC Köln. „Mit einem solchen Vorsprung zu einem so frühen Zeitpunkt lässt sich natürlich leichter spielen”, stellte Friedhelm Funkel später fest.

Gegen völlig orientierungslose Berliner demonstrierte die Funkel-Elf „die Leichtigkeit des Seins”. Dass der bemitleidenswerte Sven Beuckert nach Lottners 4:0 nicht mehr zwischen den Pfosten der Union stehen wollte, entpuppte sich auch nicht als Lösung. Sein Vertreter Robert Wulnikowsi musste noch dreimal hinter sich greifen.

„Wir waren nicht zu Tode betrübt, als es spielerisch nicht so lief. Also sind wir auch nicht Himmel hoch jauchzend nach so einem Spiel”, demonstrierte Manager Rettig Bodenhaftung.

Und auch Friedhelm Funkel („Wir wollten mit einem offensiven Libero beginnen. Das ist gelungen”) blieb eher zurückhaltend: „Meine Spieler wollten in der Pause gar nicht in die Kabine, sondern sofort weiterspielen, sich nicht auf diesem 4:0 ausruhen. Aber letztlich war auch diese Begegnung nur ein einziges Spiel. Wir müssen noch hart arbeiten. In Mainz wird es viel schwerer. Wir können allerdings selbstbewusst die nächsten Aufgaben angehen.”

Vor allem Jungstar Florian Kringe spielte sich in die Herzen der vollends versöhnten Fans. Funkel: „Er ist ein großes Talent.”

Schließlich bekundete Lottner Loyalität zum Trainer: „Die teilweise Medien-Schelte an ihm und unserer Spielweise kann ich nicht nachvollziehen. Der Trainer hat eine marode Mannschaft übernommen, sehr gute Arbeit geleistet und die Wende eingeleitet. Dass wir oben stehen, ist auch sein Verdienst.”
Union-Coach Georgi Wassilew zum Rapport

Nach dem 0:7-Desaster des 1. FC Union Berlin beim 1. FC Köln dürften die Stunden des einstigen Erfolgstrainers Georgi Wassilew in Köpenick gezählt sein. Für den Dienstagabend hatte Vereinspräsident Heiner Bertram eine Krisensitzung anberaumt, in der man den Bulgaren zum Rapport erwartete.

Unmittelbar nach Spielschluss hatte Bertram von einem „taktischen Desaster” gesprochen. Und der Präsident sagte unmissverständlich: „Die Mannschaft war völlig überfordert. Jetzt bröckelt der Glanz des Trainers. Wir werden Wassilew fragen, wie er sich das vorstellt, und ich denke, wir werden eine Lösung finden.”