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Leverkusen: „Marc und der Pfosten” retten die Borussia

Leverkusen : „Marc und der Pfosten” retten die Borussia

Max Eberl überlegte nur kurz: „Ich weiß nicht, ob ich noch selbst auf dem Platz gestanden habe.” 2005 hat der Verteidiger seine Laufbahn beendet, und alle Augenzeugen der Partie in Leverkusen dürften den Sportdirektor bestätigen: So viele Schüsse auf das Tor der Borussia hat es schon eine gefühlte Ewigkeit nicht mehr gegeben.

27 Versuche der Gastgeber weist die offizielle Statistik aus, 31 hatte ein anderer gezählt, und hätte jemand 58 Leverkusener Torschüsse notiert, hätte auch niemand widersprochen.

Die Mönchengladbacher hatten schlicht Glück. „Das nötige Quäntchen”, wie Eberl untertreibend befand. „Wir haben uns das Ergebnis erarbeitet”, urteilte der vorzügliche Torwart Marc-André ter Stegen. Das 1:1 schmeichelt den Gästen, und Eberl hatte erneut recht, als er verkündete: „Marc und der Pfosten waren auf unserer Seite.” Marc-André ter Stegen häufig, der Pfosten einmal, als André Schürrle den Ball an selbigen hämmerte. Vom Elfmeterpunkt, nachdem Roel Brouwers dezent den Ellbogen ausgefahren und den Ball unerlaubterweise mit diesem Körperteil berührt hatte (70.).

Dabei hatte alles perfekt begonnen. Juan Arango spielte mit seinem ausgeruhten linken Zauberfuß einen wieder einmal sensationellen Pass über 57 Meter in den Lauf von Patrick Herrmann, der den Ball - anders als so häufig zuletzt - perfekt annahm und humorlos an Bernd Leno vorbei ins Tor schoss. 2:41 Minuten waren absolviert, „das 1:0 hat uns in die Karten gespielt”. Max Eberl rieb sich die Hände, doch schnell war es mit der Herrlichkeit vorbei.

In der 12. Minute schon durfte Leverkusen, das seine beste Saisonleistung bot, unbehelligt durch das Mittelfeld kombinieren, Stefan Reinartz spitzelte den Ball auf den völlig frei stehenden Michal Kadlec, und der Tscheche ließ ter Stegen keine Chance. „Wir haben das 1:1 zu früh bekommen”, haderte Trainer Lucien Favre, der im Vergleich zum Ligaspiel gegen Nürnberg nur Roel Brouwers für Alvaro Dominguez in die Elf rotieren ließ.

Die Favresche Rotation beim Europa-League-Spiel, eines der beherrschenden Themen der letzten Tage, stand am Sonntag nicht auf der Agenda, zu viele andere Themen mussten abgearbeitet werden. Während Patrick Herrmann („Ein 1:1 in Leverkusen ist nicht selbstverständlich”) oder Martin Stranzl („Glück muss man sich erarbeiten”) das (einzig) Positive bewerteten, sprach Granit Xhaka Klartext. Der Schweizer, wie alle Feldspieler weit entfernt von guter Form, urteilte: „Wir haben keinen Fußball gespielt! Immer diese langen Bälle, das war Müll.”

So ungeordnet in der Defensive und so harmlos im Angriff, solch ein Spiel hat es unter Lucien Favre noch nie gegeben. „Ich bin zufrieden mit dem Punkt, wir haben gut gekämpft und sind viel gelaufen”, sagte der Schweizer tapfer. Bereits am Mittwoch gegen den Hamburger SV haben die Borussen die Gelegenheit, die spielerische Scharte auszuwetzen. Vielleicht auch Luuk de Jong, rotiert er nicht aus der Startelf.

Max Eberl nahm den Zugang in Schutz. „Wie soll der Stürmer einen Ball bekommen, wenn der vorher im Mittelfeld verloren wird?” Speziell dort, in der Zentrale, muss die Borussia sich enorm steigern. Sonntag war wieder so ein Tag, an dem man dem Neu-Schalker Roman Neustädter hinterhertrauerte, der niemals solche Lücken zugelassen hätte.

Tolga Cigerci kann ihn nicht ersetzen, die Alternative heißt Xhaka, für den dann wieder ein Ersatz hinter der Spitze gefunden werden muss. Die Borussia ist immer noch eine suchende Mannschaft. Gefunden haben sie nun zumindest einen Punkt. Es war jener, den sie gegen Nürnberg verdient gehabt hätte.