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Aachen: Manager Schmadtke verpflichtet Trainer Schmadtke

Aachen : Manager Schmadtke verpflichtet Trainer Schmadtke

Der Manager wirkt an diesem Morgen übernächtigt. Zum Rasieren war keine Zeit, er sitzt da in seinem grauen Pullover - und ist ein wenig mundfaul. Zum ersten Mal in seiner Karriere hat Jörg Schmadtke einen Trainer entlassen müssen. Und das nach wenigen Wochen.

Vermutlich hätten ihn an diesem Tag nicht einmal Didi Hallervorden, Otto und Mr. Bean zusammen aufheitern können. Es hat schon tausende bessere Manager-Tage bei Alemannia gegeben. Er spricht vom eigenen Makel. Schmadtke kommt als Manager aufs Podium und verlässt es als Interimstrainer. „Bis zur Winterpause wird er die Leitung übernehmen”, sagt der starke Mann im Verein, Jürgen Linden: „Mindestens!”

Der neue Trainer sitzt nur zwei Plätze weiter. Schmadtke schaut, als habe ihm jemand einen großen Teller Spinat hingestellt, verbunden mit dem Befehl: Jörg, iss das alles auf.

Es ist wohl so, Jörg Schmadtke muss die Sache auslöffeln. Er ist Trainer wider Willen, nach diesem Posten habe er sich nie gesehnt, sagt er. Es ist eine Konstellation, in der er wenig bis gar nichts gewinnen kann. Ist er erfolgreich, wird der Ruf nach dem Trainer Schmadtke lauter, der er nicht sein will. Bleibt die Mannschaft so schlecht, dann ist neben dem Trainer Schmadtke auch noch der Manager beschädigt. Der neue Coach kennt das Dilemma, sieht die Gefahr. „Es geht um den Verein, nicht um eigene Interessen.” Er lässt sich in die Pflicht nehmen.

Kurzfristige Alternativen gab es nicht. Wer kennt die Mannschaft, wer die 2. Liga? Das sind gleichzeitig Aspekte des neuen Anforderungsprofils, die - so ganz nebenbei - Guido Buchwald nicht erfüllte. Schmadtke hat als Torwarttrainer in Mönchengladbach gearbeitet, besitzt den großen Trainerschein. Dem Team hat er morgens seine Sicht der Dinge klar gemacht. Er will „Grundtugenden” wieder neu beleben.

„Ohne Hektik” wolle man bis zur Winterpause den Markt sondieren, nach einer Lösung suchen, sagt Linden. Vorher hat er deutlich gemacht, dass die Personalie Buchwald auf Schmadtke zurückgehe. Ungefragt sagt er noch: „Jörg Schmadtke besitzt unser Vertrauen.”

Der Vertrauensmann will sich nicht auf ein Zeitfenster festlegen. Der Plan B für solche Fälle ist nicht ausgereift. Gespräche mit Kandidaten sind noch nicht erfolgt.

Eigentlich braucht der Verein ab diesem Tag den dreifachen Schmadtke. Einen, der die Mannschaft endlich in die Spur bringt, einen, der den Trainer sucht und einen, der nebenbei noch neue Spieler verpflichtet. So ist der 43-Jährige nun Alemannias Trainermanagerscout.

An Kandidaten mangelt es nicht. Mehr Namen kursieren an diesem Tag am Tivoli und in den Foren als Aachen Punkte hat. Falko Götz ist unbezahlbar, Peter Neururer hat einen schlechten Ruf, Michael Frontzeck bei seinem Abschied die Tür zu laut zugeschlagen, Wolfgang Frank ist als Rumpelstilzchen in Erinnerung geblieben.

Volker Finke wird gehandelt - und Petrik Sander. Der 47-Jährige hat sein Leben im Osten verbracht. „Der nächste Schritt wird definitiv in den Westen führen”, sagte er am Montag. Er will raus aus dieser Schublade. Zuletzt hat er bei Felix Magath in Wolfsburg oder Jürgen Klopp in Mainz vorbeigeschaut. Noch steht er - ebenso wie sein Lieblings-Cotrainer Thomas Hoßmang - bei Energie Cottbus unter Vertrag. Dort hatte er überragenden Erfolg, jetzt kann er sich bislang nicht einigen, zu welchen Konditionen er den Klub nach zehn Trainerjahren verlässt.

Am Sonntag hat der 47-Jährige Alemannias Gastspiel in Augsburg am Fernseher verfolgt. „Reiner Zufall” sei das gewesen. Und über Aachen wolle er derzeit gar nicht sprechen....