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Mainz: Mainz schlägt Nürnberg zum fünften Mal

Mainz : Mainz schlägt Nürnberg zum fünften Mal

Die Gelb-Rote Karte für Leon Andreasen (23) war wie ein Mainzer Ritterschlag. Fast fröhlich ging der dynamische Däne in der 86. Minute vom Platz, nachdem er den Nürnberger Torwart Raphael Schäfer grob umgetreten hatte. „Hier hat man richtig Spaß zu kämpfen”, lieferte der Draufgänger die Erklärung für seinen aufrechten Abgang.

Auch ohne ihn brachte Mainz 05 das 2:1 gegen den 1. FC Nürnberg über die Zeit. Es war ein mitreißendes Kampfspiel, und einer wie Andreasen fühlte sich in seinem Element: „Wir spielen jeden Samstag so, als wolle man uns unsere Kinder wegnehmen.” Stolz erklärte Klubchef Harald Strutz seine Mannschaft zu den „Bravehearts” der Liga. Zuletzt 16 von 18 möglichen Punkten erkämpft - wenn das kein schottisches Heldenstück ist...

„Kleiner Pharao”

Karnevalsverein? Die Kampfleidenschaft schließt den Frohsinn in der Hauptstadt von Rheinland-Pfalz nicht aus. Das 2:1 über den seit dem 7. November 2006 ungeschlagenen 1. FC Nürnberg ist nun schon der fünfte Sieg bei einem Unentschieden in der Rückrunde des scheinbar hoffnungslos abgeschlagenen Tabellenletzten der ersten Saisonhälfte.

Im Mainzer Märchen verzückt der „kleine Pharao”, wie Kapitän Timo Wache den Ägypter Mohamed Zidan (25) nennt, ganz Rheinhessen. Der „geile Kicker”, so Trainer Jürgen Klopp, der „ein bisschen verrückt ist”, wie Manager Christian Heidel ergänzt, schoss mit seinen Toren Nummer fünf und sechs (20./27.Minute) in den sechs Spielen seit seiner Rückkehr aus Bremen für 2,8 Millionen Euro Mainz früh in Führung. Den verdienten Vorsprung, der nach dem Gegentor von Ivan Sajenko (64.) bis zum Schlusspfiff in akuter Gefahr blieb, verteidigten die „tapferen Helden” mit Bravour.

Das Stimmungshoch wurde nur durch den zweiten Ausfall getrübt, denn Andreasens Platzverweis war, wie Klopp einräumte, bei seiner leidenschaftlichen Spielweise früher oder später fällig. Der bereits in der 40. Minute verletzt ausgeschiedene Elkin Soto, neben den „Bremern” Andreasen und Zidan der dritte Zugang in der Winterpause, erlitt einen Innenbandabriss am linken Knie. „Große Scheiße”, entfuhr es Jürgen Klopp, als er die Nachricht aus dem Krankenhaus erhielt und ausrechnete, wie lange der geschmeidige Kolumbianer nun fehlen wird: mindestens sechs Wochen.

Die Analyse des Nürnberger Trainers Hans Meyer (64) hörte sich an wie die stolzen Worte eines Vaters an seinen Sohn, in diesem Fall an Jürgen Klopp (39). „Wir sind gegen einen Gegner angetreten, der für mich sensationell ist. Nicht wir sind die Sensationsmannschaft, sondern Mainz, das aus einer ganz anderen Position heraus dauernd mit diesem Druck spielen muss. Die Leistung der Mainzer ist über jedes Lob erhaben.” Nürnberg habe es da leichter. Über die erst dritte Niederlage grämte sich Meyer nicht weiter. Er hatte, wie er fand, im richtigen „Stimmungs-Stadion” verloren - und gegen den sympathischsten Kollegen. Gönnerhaft sagte der „Papa” (Meyer über Meyer): „Kloppo, du brauchst die drei Punkte dringender, auch wenn die zwölf anderen Gefährdeten mich jetzt erschlagen.” Was Meyer allerdings ärgerte, waren die Konter, die zu den Toren führten. Schließlich galt seine Verteidigung mit bis dahin nur 17 Gegentoren als die stabilste der Liga.

Für Zidan war Andreas Wolf zuständig und bekam von Meyer sein Fett weg. „In Nürnberg haben sie ihn schon in der Nationalmannschaft gesehen. Heute aber hat er in der ersten Halbzeit richtig Asche gespielt.” Wie bei Wolf schien der Dämpfer für die ganze Mannschaft dem Trainer fast willkommen. „Wir haben in Nürnberg einmal zuviel vom Europapokal geredet.”

Jürgen Klopp auf die Frage eines Nürnberger Journalisten, ob nun das Thema Uefa-Pokal aufkommen könnte: „In Mainz ist niemand so blöd.”