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Duisburg: Lottners Schüsse in das eigene Herz

Duisburg : Lottners Schüsse in das eigene Herz

Es geht eher gemächlich zu an der Westender Straße 36 in Duisburg, wo der Meidericher SV zu Hause ist. Der Eindruck, dass hier im Vergleich etwa zum Gelände rund um das Geißbockheim des 1. FC Köln eine fast paradiesische Ruhe herrscht, täuscht nicht. Wer könnte das besser beurteilen als Dirk Lottner.

Seit Saisonbeginn verdient der Ur-Kölner beim MSV Duisburg seine Brötchen, seine ganze Zuneigung aber gehört nach wie vor dem 1. FC aus Köln, dessen Trikot er seit 1998 in sechs Jahren 166-mal trug (54 Tore).

„Beschaulicher, aber nicht unpersönlich”

„Beim MSV ist alles etwas beschaulicher, übersichtlicher, aber nicht unpersönlicher als in Köln. Das hängt natürlich in erster Linie mit dem Erfolg zusammen, den wir zurzeit haben”, sagt ein spürbar entspannter Dirk Lottner, der am Sonntag im letzten Spiel des Jahres in der feinen, neuen, 30.000 Zuschauer fassenden MSV-Arena auf seine Ex-Kollegen aus Köln trifft.

Er kam ablösefrei zum MSV. Und ging auf eigenen Wunsch. Dies will er festgehalten wissen: „Ich bin aus freien Stücken gegangen, hätte verlängern können, wollte es den Fans und der Mannschaft in Köln aber nicht antun, ein Dauerthema zu sein.” Unter Marcel Koller, dem damaligen Coach der „Geißböcke”, war Lottner nicht mehr erste Wahl.

Doch beide gingen nach dem letzten Saisonspiel versöhnt auseinander. Fast rührselig der Abschied nach dem Spiel gegen Rostock, in dem Lottner den letzten Treffer zum 4:0-Sieg erzielte. Anschließend drehte er eine 90-minütige Stadionrunde, verabschiedete sich bei fast jedem Fan persönlich, verdrückte ein paar Tränen.

Das T-Shirt, das er eigens zu seinem Abschied hatte bedrucken lassen, drückt die bis heute ungebrochene Zuneigung zu seinem ehemalige Verein aus: „Mi Hätz bliev Kölsch!” - „Ja, klar”, sagt er sofort, „das gilt nach wie vor.” Was also passiert, wenn der 32-jährige Regisseur aus Köln-Zollstock mit gerade gewechseltem Wohnsitz nach Köln-Rodenkirchen am Sonntag (20.30 Uhr) auf seinen Lieblingsverein trifft? Und womöglich ein Tor erzielt wie letzten Freitag, als er beim 3:0 in Karlsruhe seinen ersten Treffer für den MSV markierte? Es werden Schüsse in das eigene Herz.

Zurück zum FC

„Ich bin Angestellter des MSV Duisburg und hierher gekommen, weil die Perspektive Aufstieg gegeben ist. Das ist unser Ziel. Ich möchte gegen den Club, für den ich am längsten gespielt und an den ich die schönsten Erinnerungen habe, drei Punkte holen”, erwidert Lottner. Das hört sich aber im Tonfall eher wie eine Pflichtaussage an. Also kommt er schnell wieder auf den 1. FC Köln zu sprechen, dessen Spiele er - so oft es geht - im Stadion verfolgt: „Wenn mein Vertrag in Duisburg 2006 ausläuft, gehe ich in irgendeiner noch nicht festgelegten Funktion zurück zum 1. FC Köln. Das ist vertraglich geregelt. Köln war und ist etwas Einmaliges. Und Wolfgang Overath legt ja bekanntlich großen Wert darauf, Menschen an sich zu binden, die eine erfolgreiche Zeit im Verein hatten.”

Was in Duisburg anders ist, sind zum Beispiel die Fans, die etwa einen Trainer Norbert Meier bei allem Erfolg eher argwöhnisch beäugen. „Das ist ähnlich wie es in Köln mit Friedhelm Funkel war. Hier müssen wir als Mannschaft die Fans überzeugen. Norbert Meiers Stellenwert stimmt nicht.” Und noch einen Fan-Vergleich zieht Lottner: „Dieses Spiel hier am Sonntag gegen Köln hätte vor zwei Wochen schon ausverkauft sein müssen. Es gibt aber immer noch Karten. In Duisburg fehlt die Euphorie.”