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Köln: Lottner verabschiedet sich wie ein Gentleman

Köln : Lottner verabschiedet sich wie ein Gentleman

Am Ende war alle schmutzige Wäsche plötzlich wieder blütenweiß gewaschen, das zerschnittene Tischtuch zwischen Trainer Marcel Koller und seinem Ex-Kapitän Dirk Lottner wieder geflickt. Beide gaben sich nach dem 4:0 (1:0) der „Geißböcke” gegen Rostock höchst versöhnlich.

Und dass die Fans trotz des dritten Abstiegs und einer miserablen Bilanz des Trainers zudem beide gleichermaßen feierten, gibt es in dieser Form auch nur in Köln. Koller, so sieht es nun aus, wird mit dem gestrauchelten Club in die 2. Liga gehen. „Das ist unsere feste Absicht”, wiederholte Manager Andreas Rettig gebetsmühlenartig. Und der Trainer bestätigte: „Wir haben Anfang der Woche geredet. Ich gehe davon aus, dass ich bleibe.”

90 Minuten Autogramme

Gehen wird dagegen Dirk Lottner, der volle 90 Minuten lang nach dem Abpfiff im Stadion Autogramme schrieb, sich als das feiern ließ, was er nahezu sechs Jahre in Köln war: als Publikumsliebling. „Ja, ich habe ein paar Träne verdrückt. Aber es hielt sich in Grenzen, weil ich mich ja lange genug auf diese Situation vorbereiten konnte.” Ein Seitenhieb auf Koller, der ihn auf die Tribüne verbannt hatte? „Nein”, sagte Lotte. „Ich werde mich beim Trainer persönlich bedanken. Er hat Charakter gezeigt, indem er mich so früh eingewechselt hat nach all dem, was vorgefallen ist.”

„Ich freue mich sehr, dass sich Dirk mit so einem fantastischen Tor hier verabschiedet hat. Das hat das Spiel abgerundet”, verteilte auch der Coach Streicheleinheiten. Er hatte Lottner bereits nach 29 Minuten für Feulner (Kapselverletzung) gebracht und tat da auch den fordernden Fans einen Gefallen. Der 32-Jährige bedankte sich in der 88. Minute mit einem fulminanten Schuss aus 25 Metern in den rechten Winkel des Rostocker Tors zum 4:0. Dass er für die anschließende Einlage Gelb kassierte, war völlig egal: Lottner zog das Trikot aus und präsentierte sein T-Shirt, auf das er seine ganze Heimatverbundenheit hatte aufdrucken lassen: „Danke, Fans! Mi Hätz bliev Kölsch”, stand da in feinster kölscher Mundart.

Zuvor hatten zweimal Lukas Podolski (45./Handelfmeter, 58.) und Sinkala (56.) bereits für die Entscheidung gesorgt, nachdem Rostock schon früh Rydlewicz (41./Gelb-Rot) und Madsen (44./Rot wegen Handspiels auf der Torlinie) verloren hatte. Doch das Spiel blieb Nebensache bei der perfekten Lottner-Inszenierung. „Die absolute Krönung wäre gewesen, wenn mein Tor den Klassenerhalt bedeutet hätte”, sagte er. Doch dieser Fisch ist ja lange gegessen.

„König Lotte, danke für alles, maach et joot”

Und dass er statt Podolski den Handelfmeter hätte schießen können, verneinte Lottner heftigst: „Niemals. Hätte ich verschossen, hätten doch alle gesagt: Jetzt sorgt er auch noch dafür, dass der Trainer hier abgeschossen wird.” So genoss er lieber die Sympathien der Fans, die ihm auf Transparenten huldigten: „König Lotte, danke für alles, maach et joot”. Oder: „Die 30 bleibt frei, die Tür immer offen.” Und auch Marcel Koller konnte sich nicht über mangelnde Zuneigung beklagen, die da zum Beispiel plakativ lautete: „Lass die Jungen ran - weiter so, Koller!” Und: „Kontinuität statt Klüngel - Pro Koller und Rettig.” Wie lange die Liebe hält, ist offen...