1. Sport
  2. Fußball
  3. Bundesliga

Dortmund: Loblied für eine lahme Partie

Dortmund : Loblied für eine lahme Partie

Die Spiel-Analyse von Löwen-Coach Peter Pacult plätscherte bereits 90 Sekunden vor sich hin, als das große Rascheln begann.

Am Podium wienerte der Fußball-Lehrer „Top-Leistung” . . . „Niederlage nicht verdient” . . . . ” Kompliment an die Mannschaft”.

Erstaunt blätterten die Journalisten in den Unterlagen. Hatten sie etwas übersehen? Bezog sich Pacult tatsächlich auf die 0:1 verlorene Partie bei Borussia Dortmund?

Die erste zaghafte Nachfrage kam, ob der „Herr Trainer” wirklich so zufrieden „angesichts dieser Leistung?” Schon die Frage sei eine Frechheit, setzte Pacult den verbalen Konter: „Viel besser kann man auswärts beim Deutschen Meister nicht spielen.”

Wenn der Österreicher an dieser Stelle erklärt hätte, er könnte fortan übers Wasser gehen, hätte die Überraschung nicht größer sein können. Seine Elf unterlag viel deutlicher, als es das knappe Ergebnis dokumentierte. Erst in der Schlussphase hatten die zahmen Löwen - bei wohlwollender Betrachtung - zwei halbe Chancen.

Nach fünf Minuten hatte Ewerthon den einzigen Fehler von 60-Keeper Simon Jentzsch genutzt, fortan gestalteten die harmlosen Gäste die Partie so, als sei ein 0:1 beim BVB durchaus ehrenwert.

„Wir haben zu spät angefangen, hier guten Fußball zu spielen”, reklamierte Thomas Häßler. Und auch Jentzsch bedauerte, „dass wir kaum Druck hier entwickelt haben”. Die Spieler kamen der objektiven Analyse schon deutlich näher als ihr Trainer.

Auch Trainer Nummer 2 verblüffte an diesem Nachmittag mit seiner Expertise. „Sehr zufrieden”, sei er, vermeldete Matthias Sammer. „Nach den letzten Niederlagen hat sich eine gewisse Unruhe breit gemacht. In dieser Situation hat die Mannschaft heute einmal mehr ihren hervorragenden Charakter bewiesen.”

Und dann gab es ein ungewohntes Sonderlob für Ricken und Rosicky und für die „Weltklasseleistung” von Stefan Reuter. Der sonst so notorisch bodenständige Coach lobte sein Team über den grünen Klee, „und das lasse ich mir auch von niemanden kaputt reden”. Sammers Spiel-Gutachten war wohl getragen von der Unsicherheit der letzten Tage.

Dabei stottert der Meister-Express auch nach dem 13 Spieltag so wie ein Auto mit Marderbiss. Erst eine gute Partie (gegen Arsenal London) hat die Sammer-Elf in dieser Saison absolviert. Trotz eines Überangebots hapert es bei Borussia im Sturm. Die Chancenauswertung war auch diesmal desolat. Koller ist mehr Vorbereiter und Abblocker als Torjäger.

Und Amoroso, der gegen 1860 wegen einer Grippe erst spät eingesetzt wurde, ist derzeit nur eine schlappe Kopie der Vorsaison.

„Den müssen wir noch bis zum Winter durchschleppen, vorher kann er die fehlende Vorbereitung aus dem Sommer kaum mehr aufholen”, stellte Kapitän Stefan Reuter fest. Das klang verdächtig nach „Durchwursteln” - wie so vieles an diesem Nachmittag.