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Mönchengladbach: Lienen unterliegt den harten Fakten

Mönchengladbach : Lienen unterliegt den harten Fakten

Der Verein hat die Notbremse gezogen. Gerade einmal 17 Spieltage lang war Ewald Lienen Chef-Trainer bei Borussia Mönchengladbach.

Was als große Liebe begann, endete nach den Flitterwochen schnell mit gewaltigem Katzenjammer.

Lienen und Gladbach - das passte nicht zusammen. Die Mannschaft reagierte zunehmend genervt auf die akribische Art des Trainers, der jede Bewegung, jede Mahlzeit festhielt. Parallel dazu ging es auch sportlich bergab.

Am Sonntagnachmittag reagierte Sport-Direktor Christian Hochstätter und entzog dem Coach die Verantwortung. Stattdessen kehrt nun Holger Fach, bis zu seinem Wechsel vor drei Wochen zu RW Essen noch Trainer der Amateure, zum Bökelberg zurück.

Vom ersten Trainerwechsel der Saison berichtet AZ-Redakteur Bernd Schneiders.

Am Nachmittag wurde gefeiert in Mönchengladbach. Alkohol soll im Spiel gewesen sein, und Initiator Max Eberl gestand: „Ich habe eine mousse au chocolat gegessen.”

Soviel „Sünden” und Auswüchse müssen einen Grund haben. Borussia Mönchengladbachs Profis feierten - aber nicht die Entlassung ihres Trainers Ewald Lienen.

Eberl wurde am Sonntag 30 Jahre alt. Und die Geburtstagsfete abzublasen, kam dem Fußball-Profi nicht unbedingt in den Sinn. Dann schon eher wegen des Lapsus beim 0:2 am Tag zuvor in Hannover, der zum 0:1 führte und Max Eberl eine unruhige Nacht bescherte.

Der Tag danach war für die Verantwortlichen des Klubs ebenfalls sehr lebhaft. Im März wurde stolz der „Stab-Wechsel” von Hans Meyer zu Ewald Lienen verkündet.

Jetzt wechselte der Borussen-Präsident das Bild und die Machart. „Wir haben heute vormittag die Reißleine gezogen. Mit Holger Fach haben wir eine gute Lösung mit einem logisch denkenden und handelnden Trainer gefunden”, erklärte Adalbert Jordan.

Die Beschreibung ist möglicherweise nicht komplett durchdacht, dafür aber wohl um so entlarvender gewesen sein.

Fach als Gegenentwurf zu Ewald Lienen? Offiziell wäscht man rund um den Bökelberg keine schmutzige Wäsche. Die offizielle Version bleibt eine nüchterne: „Es geht um harte, nicht um die weiche Fakten. Die sieht man in der Tabelle. Anhand der Punkte und auch des Torverhältnisses”, erklärte Gladbachs starker Mann, Vize-Präsident Rolf Königs.

„Wir können den Sponsoren nicht zumuten, bis zum letzten Spieltag zu warten, ob wir den Klassenerhalt schaffen oder nicht.”

Doch der Unternehmer gestand immerhin, dass man schon „darüber diskutiert hat, warum so oft gewechselt wurde oder Spieler auf Positionen auflaufen mussten, die nicht ihre Stamm-Position sind”.

Seit Mittwoch lief die Fahndung nach einem neuen Trainer. Unabhängig vom Spiel in Hannover. Sport-Direktor Christian Hochstätter schlug den ehemaligen Amateur-Trainer und Chef-Scout Holger Fach vor, der vor drei Wochen zum Regionalligisten RW Essen wechselte.

Und wird damit von seinem Vizepräsidenten in de Pflicht genommen. „Ohne Wenn und Aber: Fach ist eine Empfehlung von Hochstätter. Das hat eine neue Qualität - ein Team aus Sportdirektor und Trainer.”

So baut man Druck auf. Zumal die Klub-Führung trotz des Fehlstarts nicht von der Saisonvorgabe abgeht: Nicht nur Klassenerhalt, Platz 9 ist weiterhin das Ziel. Holger Fach konnte das nicht abhalten von der Rückkehr.

„Wenn man die Chance erhält, zu den 18 Privilegierten in der Ersten Liga zu gehören, gibt es kein Halten.” Auch nicht durch einen Vertrag. Der lief mit RWE zwar bis Ende der Saison, doch eine „Gladbach-Klausel” ermöglichte den Ausstieg.

„Das war bei meinem Weggang die Bedingung von Christian Hochstätter, um mich aus meinem Vertrag bei Borussia zu entlassen. Ich habe allerdings nicht daran gedacht, dass sie so schnell in Anspruch genommen wird.”

Doch Hochstätter hatte immer schon ein sehr hohe Meinung von der Arbeit des Ex-Nationalspielers. Und obwohl es noch andere Gesprächspartner gab - u.a. Klaus Toppmöller -, entschied er sich für den „Fach-Mann”: „Ich bin mir sicher, dass er es schafft. Holger weiß, was passiert, wenns nicht klappt. Und dennoch hat er sofort und mit absolutem Selbstvertrauen zugesagt.”

Und das zeigt sich auch in seiner Fußball-„Philosophie”. „Ich bin keiner, der viel über System spricht. Das hat sich in den letzten Jahren so eingebürgert. Dem Fan ist das egal: Wichtig ist, dass man vorne trifft und hinten keinen kassiert.”

Da ist bei Borussia derzeit viel Spielraum. Und zum Glück gibt Fach dem nach Hoffnung lechzenden Anhänger noch Hinweise auf Besserung.

„Natürlich will ich attraktiv spielen lassen. Ich bin schon einer, der Fußball spielen lässt.” Doch nicht ohne strengen Rahmen. Der Schnupperkurs beginnt für die Profis heute um neun Uhr.