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Leverkusen: Lehr(-Halbe)stunde für den Meister aus Dortmund

Leverkusen : Lehr(-Halbe)stunde für den Meister aus Dortmund

Es ist nicht sonderlich originell, aber in der BayArena schon gute alte Tradition: „Ihr werdet nie Deutscher Meister” stimmten auch der Dortmunder Block den liga-üblichen Schmähgesang an.

Und nach zwei Siegen - in der Zweiten Liga - reckt auch der Nachbar von der anderen Rheinseite seinen Kopf aus der Abstiegsasche wieder heraus.

Kölner Fans als Überflieger: Ein Flugzeug suchte und fand den optischen Schulterschluss zu den BVB-Anhängern mit einem Spruchband, den es genüsslich übers Stadion zog: „Nie DT Meister. . .”

Nun macht das 1:1 der Leverkusener gegen Dortmund aus der Häme nicht unbedingt eine Prophezeiung. Erst recht nicht nach der ersten Halbzeit. Da fragte sich der Beobachter: „Ja, wer ist denn nun der Deutsche Meister?”

Die Elf von Trainer Klaus Toppmöller spielte den Champion an die Wand. „Nach 25 Minuten kann das Spiel schon weg sein. Wir waren viel zu unbeweglich, zu passiv, haben zu wenig miteinander geredet”, erkannte BVB-Trainer Matthias Sammer die Lehr-Halbestunde für sein Star-Ensemble an.

Zu wenig geredet hat der Rotschopf in dieser Zeit nicht. Vielleicht aber mit dem falschen Adressaten. Die Ohren des Schiedsrichter-Assistenten Günter Perl müssen geglüht haben zur Halbzeit-Pause.

Doch offensichtlich fand der „linientreue” Assi Gefallen an Sammers Eingebungen. Er beschwerte sich nicht bei seinem Chef Franz-Xaver Wack. Und mit zunehmender Spielzeit schienen die Gesprächspartner ohnehin eine gemeinsame Linie gefunden zu haben: In Halbzeit 2 durfte Perl fast eigenständig arbeiten.

Den Weg zur Besserung fand denn die Sammer-Elf eher „schicksalhaft” denn durch einen taktischen Geistesblitz des Meistertrainers. Dede musste mit Rückenproblemen passen, Ahmed Reda Madouni reüssierte zum Heilsbringer: „Bis dahin herrschte ein heilloses Durcheinander, eine brutale Unordnung. Erst mit Madouni und die Umstellung auf die Viererkette kamen wir besser ins Spiel”, analysierte Christoph Metzelder.

Doch bis zum Ausgleich durch den Kopfball-Treffer von Jan Koller (61.) hätte schon alles vorbei sein können. Oliver Neuville, Dimitar Berbatow und Diego Placente hätten mit ein wenig mehr Konzentration den schwarz-gelben Sack zumachen können.

Immerhin aber nutzte der Argentinier die kunstvolle Vorarbeit von Bernd Schneider zur Leverkusener Führung (25.). Bayers „weißer Brasilianer” machte dabei seinem Spitznamen alle Ehre, indem er vor seiner Flanke den Dortmunder Torsten Frings in den Boden drehte. „Das Schneider gerne den Übersteiger macht, ist relativ unbekannt”, versetzte Sammer dem Ex-Bremer einen ironischen Seitenhieb.

„Lutscher” Frings aber, nicht nur im Verbal-Duell mit Fußball-Ikonen wie Andreas Herzog alles andere als auf den Mund gefallen, zeigte sich verbal gewohnt kombinationssicher. „Man kann nicht immer eine Flanke verhindern. Und so gut war sie nicht, dass man nicht auch das Tor hätte verhindern können”, gab Frings den Ball an die Innenverteidiger weiter.

Bernd Schneider hatte denn auch gar nicht mitbekommen, dass er seinen Nationalmannschaftskollegen schlecht aussehen gelassen hatte. Für die Bayer-Kreativkraft war die Aktion eher „normal”. Und auch nach dem Studium der Fernsehbilder wird ihn nicht das schlechte Gewissen gequält haben. „In der Nationalmannschaft sind wir Kollegen, heute aber nicht.”

Gemeinsam mit Neuzugang Jan Simak widerlegte der Mittelfeldspieler die Befürchtung, Bayer sei von Bayern spielerisch geplündert worden. Als die Kraft noch reichte, wurden Ze Roberto und Michael Ballack nicht vermisst. Und so durfte Toppmöller beruhigt „stolz auf diese Mannschaft” sein, die „in der ersten Hälfte überragend spielte”.

Selbst „Chancen-Tod” Berbatow gewährt der Fußball-Lehrer eine große Verweil-Dauer. „Ich werde solange an ihm festhalten, bis er den Durchbruch geschafft hat”, versicherte der vor dem Anstoß als Trainer des Jahres ausgezeichnete Coach.

Die Geduld wird auch von einem Fax gespeist. Aus Brasilien meldete sich der wieder genesene Goalgetter Franca mit elektronischen Grüßen. „Komme Donnerstag, will gegen Bochum spielen.”