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Mönchengladbach: Korell: „Das ist für mich das Top-Spiel der Saison”

Mönchengladbach : Korell: „Das ist für mich das Top-Spiel der Saison”

Jos Luhukay freut sich auf Montag. Und ist neugierig, wie sich seine Borussia in Freiburg aus der Affäre zieht. „Ich bin richtig gespannt!” Für Teammanager Steffen Korell ist es sogar das „Top-Spiel” der Saison. „Es gibt keinen Gegner, der auf so hohem Niveau nach vorne spielt”, erklärt der Ex-Profi.

„Es wird ein Spiel auf ganz hohem Niveau. Da stehen Fußballer im wahrsten Sinn des Wortes auf der Gegenseite, schnell, gut ausgebildet - da sind unsere Jungs mal richtig gefordert. Sie müssen zeigen, wie sie als Team dagegen arbeiten.”

So weit der rein sportliche Aspekt. Aber den 36-Jährigen verbindet mehr als nur der Heißhunger auf einen fußballerischen Leckerbissen mit dem Schwarzwald-Klub. Fünf Jahre lag kickte Korell unter Volker Finke für den Sportclub, bevor ihn Hans Meyer an den Bökelberg lockte. Die fünf Jahre haben ihn geprägt, doch der Begriff „Herzensklub wäre übertrieben”.

Zumal die Entfremdung wächst: Finke ist nicht mehr vor Ort, Co-Trainer Achim Sarstedt arbeitet in Hoffenheim, die Spieler sind eh längst ausgewechselt. Inzwischen auch Manager Andreas Bornemann. Aber auch dem neuen Gespann „Du-Du-Gespann”, Robin Dutt und Dirk Duffner, zollt Korell Respekt. „Auch wenn die Bedingungen dort ideal sind: Was sie bisher schon erreicht haben, ist bemerkenswert.”

Die gute Beziehung zu Finke, den er als Trainer und Menschen schätzt, ist geblieben. Vor allem aber die Überzeugung, dass Freiburg beinah ein Paradies für Fußballlehrer ist. Mit beispielhaften Qualitäten als Ausbildungsstätte: „Dort kann man in Ruhe arbeiten, seine Philosophie umsetzen, und bekommt auch die nötige Zeit dafür.”

Diese Geduld gab es in den letzten Jahren bei der Borussia nicht. Doch der Teammanager sieht eine neue Entwicklung. „Geduld haben eigentlich auch die Verantwortlichen hier zuletzt bewiesen.”

Selbst nach dem Abstieg verloren Präsident Rolf Königs & Co. - diesmal - nicht die Nerven. Und nun zahlt sich die noch junge Treue bereits aus. Für Korell keine Überraschung. Er hat aus seiner Zeit in Freiburg und auch unter Hans Meyer mitgenommen, dass es vor allem darauf ankommt, eine Konzeption zu besitzen, eine klare Vorstellung über die Philosophie. Dazu müssen auch die Strukturen stimmen. „Was man oben spielen will, muss unten aufgebaut werden.” Sprich im Jugend-Bereich.

Und diese Verzahnung der Profi- mit der Nachwuchsabteilung „war noch nie so groß wie unter Jos Luhukay”, lobt Korell. Ausbildungsbetrieb Borussia. „Und an diesem Konzept muss man festhalten, auch gegen Widerstände, wenn der Erfolg mal auf sich warten lässt.” Dieses Phase erlebte der Absteiger zu Beginn der Saison, die Früchte der Geduld werden derzeit geerntet.

Steffen Korell kamen auch in der Rückrunde der letzten Saison keine Zweifel an der Befähigung von Jos Luhukay, obwohl dieser den Abstieg nicht verhindern konnte. „Es wäre für jeden Trainer schwer geworden”, so seine Erkenntnis.

Dass es in dieser Konstellation nicht funktionierte, läge zudem auch in der „Arbeitsweise von Jos. Er ist sehr gut in der Ansprache. Im 1:1-Gespräch. Aber die Dinge waren zu verfahren. Der Zeitpunkt war bereits überschritten. Viele Spieler waren mit ihren Gedanken bereits woanders”, erinnert sich Korell. „Es regierten Eifersüchteleien, es gab kein Team mehr.”

Das hat sich inzwischen gewaltig geändert. Heute greift das Konzept: Was passt zu Borussia? Was wollen wir für einen Fußball spielen? Passt ein neuer Spieler auch charakterlich in dieses Konzept? Auch für ihn selbst hat sich einiges geändert.

Unter Sport-Direktor Peter Pander war er auf den Organisator rund um die Profi-Mannschaft reduziert. Sein fußballerisches Wissen - „Ich habe schon als Profi wie ein Trainer gedacht”, gespeist vor allem von den Erfahrungen unter Volker Finke und Hans Meyer, lag brach.

Nun aber „werde ich in Personalentscheidungen einbezogen. Ich schaue mir viel mehr Spiele an, habe mir einen Überblick über die 2. Liga und andere Ligen verschafft. Ich kann meinen Teil dazu beitragen, weil unter Jos Luhukay und Christian Ziege Teamarbeit zur Arbeitsgrundlage geworden ist.”

Ein Leben und Arbeiten am Schnittpunkt zwischen Traineramt und Sportmanagement - Korells Lern- und Entwicklungsprozess hält an. Den B-Trainerschein besitzt er bereits, Erfahrungen im Marketing auch, den Studiengang Sportmanagement und eine Zusatzausbildung zum Sportfachwirt hat erfolgreich absolviert. Auch für ihn selbst war es eine lehrreiche Zeit. Er hat nicht nur aus den positiven Dingen gelernt. Auch die negativen Zeiten bei der Borussia erweiterten seinen Erfahrungshorizont.

Obendrein hat Korell die Erkenntnis gewonnen, dass Pauschalisierungen wenig effektiv sind. Wie im Falle Peter Pander. „Er hat auch gute Sachen gemacht.” Nach der Einschätzung vieler Borussen-Fans vor allem, als er seinen Hut nahm.