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Köln: Kölns verletzter Sebastian Schindzielorz über den FC und die Zukunft

Köln : Kölns verletzter Sebastian Schindzielorz über den FC und die Zukunft

Fragt man ihn, was „out” ist, sagt er: „Schlechte Laune.” Vom Naturell her hat der 24-jährige Sebastian Schindzielorz ein sonniges Gemüt.

In diesen Tagen aber hat sich eine gewisse Traurigkeit quer über das Gesicht des Mittelfeldspielers gelegt.

Seit jenem 13. August 2003, als er sich beim Training des Fußball-Bundesligisten 1. FC Köln einen Mittelfußbruch zuzog. Seither musste er zuschauen; mit ansehen, wie sein Verein auf den letzten Tabellenplatz abrutschte, den Trainer wechselte und dessen erstes Spiel bei seinem alten Verein VfL Bochum mit 0:4 verloren wurde.

Über seine und die Situation des 1. FC Köln sprach AZ-Redakteur Wilhelm Peters mit Sebastian Schindzielorz.

Wie geht es Ihnen?

Schindzielorz: Gesundheitlich eigentlich sehr gut. Seit über einer Woche absolviere ich schmerzfrei Lauftraining.

Wie weit sind Sie denn?

Schindzielorz: Ich steigere das Training langsam, will nächste Woche mit dem Ball trainieren und an der Fitness arbeiten. Ich hoffe - wenn alles gut läuft - in etwa zweieinhalb Wochen ins Mannschaftstraining einsteigen zu können. Dann wird entschieden, ob ich vor der Winterpause noch versuche zu spielen oder ob es sinnvoller ist, bis 2004 zu warten.

Ist Ihre Situation nicht doppelt schwer - die Verletzung und die Hilflosigkeit, nichts an der sportlichen Misere des 1. FC Köln ändern zu können?

Schindzielorz: Verletzungen gehören zu unserem Sport. Damit kann ich ganz gut umgehen. Schlimmer ist, dass ich der Mannschaft nicht helfen kann, immer nur zusehen muss; auf Schalke, in Frankfurt, in Bochum oder seit Wochen zu Hause. Das ist bitter.

Was läuft sportlich schief?

Schindzielorz: Die Antwort würde 5 Euro fürs Phrasenschwein kosten, aber so ist es: Wir haben in den ersten Spielen die Chancen nicht genutzt, gegen Gladbach, Kaiserslautern, Schalke oder Hannover waren wir die stärkere Mannschaft. Aber wenn man mit dem Rücken zur Wand steht - nochmals 5 Euro - passiert so etwas.

Wie erleben Sie die Spiele?

Schindzielorz: Sehr emotional. Es ist schwer, alles aus der Ferne zu betrachten. Schließlich bin ich geholt worden, um zu helfen. Manager Andreas Rettig und der damalige Trainer Friedhelm Funkel haben viel Vertrauen in mich gesetzt. Ich bin traurig und ungeduldig, weil ich endlich beweisen will, dass ich zu Recht geholt worden bin. Fußball bedeutet mir alles. Es gibt nichts Schöneres als im Training alles zu geben und im Stadion die Ernte einzuholen.

Die aber ist bislang höchst dürftig.

Schindzielorz: Ich bin überzeugt, dass die nötige Qualität vorhanden ist und dass die Arbeit letztlich mit den nötigen Punkten belohnt wird.

Friedhelm Funkel musste gehen, Marcel Koller soll´s nun richten.

Schindzielorz: Trainerwechsel sind leider üblich. Funkel ist ein sehr guter Trainer. Für mich persönlich ändert sich aber auch unter Marcel Koller nicht viel. Wenn ich fit bin, werde ich der Mannschaft helfen können. Allerbestenfalls noch dieses Jahr; vielleicht in den letzten beiden Spielen.

Und Ihre Kollegen müssen punkten. Nicht leicht Samstag gegen den HSV, dann bei den Bayern und gegen Leverkusen.

Schindzielorz: Das stimmt. Zu Beginn der Saison haben wir aber auch Dortmund geschlagen. Jeder kann jeden besiegen. Warum sollen wir in diesen Spielen nicht auch punkten? Marcel Koller wählt sicher die richtige Variante.

Viele Fans werden aber langsam ungeduldig.

Schindzielorz: Kann ich verstehen. Die bringen viel Zeit und viel Geld auf. Der Protest sollte aber im Rahmen bleiben. Die Enttäuschung ist verständlich, zumal in Köln das Fan-Potenzial, die Identifikation mit dem Verein, phantastisch ist. In Bochum war das Interesse nicht halb so groß. Die Fans hier sehnen große Zeiten herbei, an die wir hoffentlich einmal anknüpfen können. Zunächst aber dürfen wir bis zur Winterpause den Anschluss nicht ganz verlieren und müssen dann zusehen, dass wir eine vernünftige Rückrunde spielen.

Hat Ihnen der Schritt von Bochum nach Köln nicht schon einmal leid getan?

Schindzielorz: Es lief gut in Bochum. Ich wollte aber weiterkommen, neue Erfahrungen sammeln. Deshalb bin ich weggegangen. Ich bin glücklich über diese Entscheidung - nicht nur sportlich, sondern auch, um meine Persönlichkeit zu entwickeln. Ich bin mittlerweile zu 100 Prozent in Köln angekommen.