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Köln: Kölns Hoffnung namens Dogan

Köln : Kölns Hoffnung namens Dogan

Erich Rutemöller, der DFB-Trainer des so genannten „Perspektivteams 2006”, sagt über ihn: „Er ist enorm stark im Zweikampf”. Die Filigrantechnik indes hat er nicht erfunden. Dennoch: Sieben Jahre lang am Stück kickte Mustafa Dogan höchst erfolgreich bei Fenerbahce Istanbul. Dies, obwohl türkische Fans lieber die Schönspielerei a la „Hacke-Spitze-Tralala” in Begeisterung versetzt.

„Vermutlich war mein Charakter entscheidend, dass sie mich in der Türkei anerkannt haben.

Dogans Leistung wars auf jeden Fall, die gewürdigt wurde. „Ich habe dort wie auch vorher in den sieben Jahren bei Bayer Uerdingen, wo ich unter Friedhelm Funkel Profi geworden bin, immer ehrliche Arbeit abgeliefert, mich immer professionell verhalten - auf dem Platz und im Privatleben.”

Auf dem Platz in Istanbul - da wurde er mit Fenerbahce Türkischer Meister, spielte in der Champions League (unter anderem 1:0 bei Manchester United) und war in diesen sieben Jahren Stammspieler unter zwölf Trainern. Nun zählt er zu den Hoffnungsträgern des 1. FC Köln, wo er bislang aber erst 101 Minuten spielte.

In der Heimpartie am zweiten Spieltag gegen den 1. FC Kaiserslautern (1:2) zog er sich nach elf Minuten einen Bänder-Teilanriss und - „viel schmerzhafter und langwieriger” - eine innere Stauchung am rechten Sprunggelenk zu.

Heute ist der 1. FC Köln auf den letzten Tabellenplatz abgerutscht. Samstag nun, wenn Werder Bremen im RheinEnergieStadion gastiert, kehrt Mustafa Dogan ins Team zurück, soll der Defensive mehr Stabilität verleihen.

Den Umkehrschluss, die Abwehr sei zu instabil, lässt Dogan so nicht zu. Die Begründung zeigt, das Manager Andreas Rettig zu Recht von einem „verschworenen Haufen” (Mannschaft und Trainer) spricht: „Nach wochenlangem Ausfall steht es mir nicht zu, die Defensvarbeit meiner Kollegen zu kritisieren. Das ist nicht meine Art. Der FC hat mich als Verstärkung geholt, die Erwartungen sind groß. Es liegt jetzt an mir, diese Erwartungen zu erfüllen, alles zu geben.”

Geht man davon aus, dass die „Geißbock”-Kollegen dies auch tun, gleichzeitig aber fünf von sechs Spielen verloren wurden, gibt es kaum Anlass zu großem Optimismus.

Dogan widerspricht, leise, aber bestimmt: „Außer bei 1860 München stimmten die Leistungen. Wir sind in keinem Spiel abgeschlachtet worden. Die Moral, das Innenverhältnis hier in Köln stimmt. Wir haben gegen Wolfsburg aus einem 0:2 ein 2:2 gemacht.” Aber dennoch 2:3 verloren.

Der Familienvater, der in der nähe von Antalya geboren, in Duisburg-Rheinhausen aufgewachsen ist und jetzt mit Ehefrau Meryem und Töchterchen Melisa in Köln-Hahnwald lebt, sieht das Problem: „Manchmal wollen wir zuviel. Das geht dann daneben.”

Was er mit dem 1. FC Köln erreichen will, formuliert er präzise: „Zunächst weg da unten. Der Klassenerhalt ist kurzfristiges Ziel. Wir können nach dem Aufstieg nicht drei Treppen gleichzeitig erklimmen. Wir müssen alles langsam erkämpfen. Das schaffen wir.”

Längerfristig ist der Kampf gegen den Abstieg aber nicht erstrebenswert für den kompromisslosen Defensivmann mit deutschem und türkischem Pass, der sich als „weltoffener Mensch und Europäer” sieht.

„Hier kann etwas wachsen, hier sehe ich großes Potenzial - in der Mannschaft, dem neuen Stadion, den Fans dem gesamten Umfeld. Ich möchte das nicht erleben, hier permanent gegen den Abstieg zu spielen. Ich sehe hier Perspektiven, eines Tages oben mitzuspielen. Sonst wäre ich nicht gekommen.”

Und die Perspektive für die WM 2006: „Der Zug ist für mich noch nicht abgefahren”, sieht der 27-Jährige durchaus einen Weg in die Nationalmannschaft.

„Das aber sage ich nur im Zusammenhang mit dem 1. FC Köln. Ich möchte drei Jahre hier in der 1. Liga spielen. Möglichst noch länger. Vor allem aber will ich gute Leistungen bringen. Dann ergibt sich alles andere.”